Karl Gotthilf Kachler

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* 20.7.1906 Basel, † 4.8.2000 Arlesheim BL. ∞ 1946 →Mara Jovanovits, Tänzerin und Choreografin.

Nach der Matura am Humanistischen Gymnasium Basel zunächst Studium der Landwirtschaft, der Architektur und der evangelischen Theologie in Zürich. Auf Rat Arthur Kahanes, des Chefdramaturgen Max Reinhardts, Schauspielausbildung an der Theaterakademie Mattheus-Strakosch in Berlin, kleine Rollen am Deutschen Theater, am Grossen Schauspielhaus und an der Jungen Volksbühne in Berlin. Anschliessend Studium der Theaterwissenschaft bei Max Herrmann in Berlin und bei Artur Kutscher in München, im Wintersemester 1933/34 Rückkehr nach Basel, Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Philosophie, 1937 Promotion mit der Dissertation "Schinkels Kunstauffassung innerhalb des deutschen Klassizismus". 1936–46 leitete K. das Basler Studententheater, 1938–74 war er künstlerischer Leiter und Berater der Freilichtspiele im →römischen Theater von Augst, 1940–43 Dramaturg und Werbeleiter am →Stadttheater Basel. Kachler initiierte 1941 die Wanderausstellung "Volk und Theater", die er im Auftrag der Gewerbemuseen Basel und Zürich realisierte. Als Beitrag zur geistigen Landesverteidigung sollten Sinn und Aufgaben des Berufs- und des Volkstheaters in der Schweiz dargestellt werden. 1942/43 in fünf Schweizer Städten gezeigt, bildete diese unerwartet erfolgreiche Ausstellung die Grundlage der als Depositum der damaligen "Gesellschaft für schweizerische Theaterkultur" (→SGTK) in der Landesbibliothek Bern eröffneten →Schweizerischen Theatersammlung, deren erster Konservator Kachler bis 1946 war. 1946–56 war K. Direktor des →Stadttheaters St. Gallen, wo er rund fünfzig Mal Regie führte, mehrere Opern inszenierte, antike Dramen von Sophokles, Euripides und Aischylos sowie zahlreiche Stücke von Shakespeare, Goethe und Schiller, seltener von modernen Autoren wie Tennessee Williams oder T. S. Eliot. Bei seiner Arbeit in St. Gallen lernte er Mara Jovanovits kennen, die seit 1939 das Ballett des Stadttheaters leitete; intensive Zusammenarbeit in St. Gallen, bei den Augster Freilichtspielen und diversen Festspielen, darunter 1954 "Unser Bär im Bund" (zur Erinnerung an den Beitritt der Stadt St. Gallen zur Eidgenossenschaft 1454) und 1964 "Frohes Spiel der Jugend" (Festakt zum St. Galler Tag an der Expo 64 in Lausanne). Im Zentrum seines wissenschaftlichen Interesses stand die Beschäftigung mit der Geschichte des Theaterbaus und der Entstehung und Entwicklung der Theatermaske. 1942–46 war K. Lehrbeauftragter an der Universität Bern, ab 1946 Dozent an der Hochschule St. Gallen und ab 1964 an der Volkshochschule der Universität Basel. Zwischen 1957 und 1980 unternahm Kachler zahlreiche Forschungsreisen zu den griechischen und römischen Ausgrabungsstätten rund um das Mittelmeer. Ein Teil des dabei entstandenen, einzigartigen Bildmaterials wurde 2003 in der Publikation "Antike Theater und Masken" zugänglich gemacht. Ab 1939 Vorstandsmitglied, 1967–80 Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Theaterkultur, die ihn 1986 zu ihrem Ehrenpräsidenten ernannte. Kachler verfasste zahlreiche theaterhistorische Werke, darunter: Theater und Maske. In: Das Atlantisbuch des Theaters, 1966. Stadttheater St. Gallen. Von den alten Theatergebäuden am Bohl zum neuen Haus am Grossmannpark, 1968. Zur Geschichte des Theaterbaus in der Schweiz. In: Stadttheater Basel einst und jetzt, 1975. Lebendiges Theater in schwieriger Zeit. Ein Kapitel Basler Theatergeschichte 1936–1946, 1982. Maskenspiele aus Basler Tradition, 1986. Zur Entstehung und Entwicklung der griechischen Theatermaske, 1991.

Auszeichnungen

  • 1980 Oberrheinischer Kulturpreis der Goethe-Stiftung Basel.

Literatur

  • Thürer, Georg: Dr. K. G. K.-Jovanovits zu seinem 90. Geburtstag. In: Mimos 3/1996.

Nachlass

  • Schweizerische Theatersammlung, Bern.


Autor: Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Karl Gotthilf Kachler, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 951.

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