Karl Meier

Aus Theaterlexikon
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* 16.3.1897 St. Gallen, † 29.3.1974 Zürich.

Nach dem Besuch der Volksschulen ab 1912 kaufmännische Lehre im zürcherischen Schönenberg. Ab 1917 Angestellter in Zürich und Schauspielunterricht; gleichzeitig erste Auftritte bei einer Wanderbühne. Auf Lehrjahre am →Stadttheater Solothurn (1920/21) und am Städtebundtheater Winterthur-Schaffhausen (1921–24), wo M. in Operetten und Rührstücken auftrat, folgten 1924–32 Wanderjahre in Deutschland, wo er zunehmend tragendere Rollen spielte, Regie führte oder das Bühnenbild entwarf: 1924/25 Bielefeld, 1925–27 Münster/Westfalen, 1928/29 Cabaret Der fliegende Koffer, 1929/30 Glogau, 1930–32 Zwickau. 1932 Rückkehr in die Schweiz und Engagements am →Städtebundtheater Biel-Solothurn und 1933–35 am →Stadttheater Schaffhausen (unter anderem Titelrolle in Molières "Tartuffe", Bühnenbild zu Shakespeares "Was ihr wollt", Inszenierung von sowie Bühnenbild zu Strindbergs "Schwanenweiss"). Die Berufung zum Theaterdirektor in Schaffhausen lehnte er 1935 ab. 1934–47 Mitglied des →Cabarets Cornichon, wo er in insgesamt rund 4000 Vorstellungen nicht selten den Part des Aussenseiters oder den des Deutschen übernahm. Nach dem Kriegsende war M. zunehmend in Solonummern zu sehen, so als "Kaftanjude" in der selbst verfassten Szene "Babylonische Gefangenschaft". 1948 Mitglied des Cabarets Nebelhorn, dann bis 1970 freier Schauspieler und Regisseur: Hörspielsprecher bei Radio Zürich, Auftritte auf fast allen Zürcher Bühnen und in →Schaggi Streulis Produktionen. Als Regisseur grosser Einsatz für das Amateurtheater und das Volksstück, besonders in der Nordostschweiz. National und international bedeutend war M.s Kampf für die Rechte der Homosexuellen. Als Schriftleiter der homophilen Kampf- und Kulturzeitschriften "Menschenrecht" (1937–42) und "Der Kreis/Le Cercle/The Circle" (1943–67) sowie als Leiter der hinter dem Kreis stehenden Vereinigung homosexueller Männer (Pseudonym: Rolf oder Rudolf Rheiner) war er jahrzehntelang der einflussreichste Kopf der Schweizer Homosexuellen mit Wirkung weit über die Landesgrenzen hinaus.

Literatur

  • Salathé, André: K. M. "Rolf" (1897–1974). In: Ders. (Hg.): Thurgauer Köpfe 1, 1996 [mit weiterführendem Anhang].

Nachlass

  • Staatsarchiv des Kantons Thurgau, Frauenfeld.


Autor: André Salathé



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Salathé, André: Karl Meier, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1219–1220, mit Abbildung auf S. 1219.

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