Karl Walser

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* 8.4.1877 Biel BE, † 28.9.1943 Bern. Bruder des Schriftstellers →Robert W.

Schulen und Jugend in Biel, 1893–94 nicht abgeschlossene Lehre als Zeichner, 1894–96 Lehrzeit als Dekorationsmaler in Stuttgart, anschliessend Stipendium für die Kunstgewerbeschule in Strassburg. 1898 Aufenthalte in München und Berlin, Rückkehr in die Schweiz, Landschaftsmaler in der Umgebung von Biel und in Solothurn. 1899–1917 in Berlin, oft mit sommerlichen Aufenthalten in Zürich und Biel. 1901 erste buchgestalterische Arbeiten für den Verleger Bruno Cassirer. Kontakte zu den Malern Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth. 1902 erste Teilnahme an der Ausstellung der Berliner Secession, deren Mitglied und zeitweiliger Sekretär er wurde. Seit 1903 entwarf W. in Berlin Ausstattungen für das Neue Theater und das Deutsche Theater (Direktion: Max Reinhardt) sowie für die Komische Oper (Direktion: Hans Gregor). Zu den Inszenierungen Reinhardts, die W. mit Bühnenbildern und teils mit Kostümen versah, zählten 1904 Nestroys "Einen Jux will er sich machen" und die Uraufführung von Josef Ruederers "Die Morgenröte", 1905 Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" und Kleists «Das Käth­chen von Heilbronn», 1906 die Uraufführung von →Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen" und 1907 Shakespeares "Romeo und Julia". Zur Eröffnung der Komischen Oper stattete er 1905 Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen" aus, was den Kritiker Alfred Kerr zur Sentenz "Hoffmanns Erzählungen – ein Walser Traum!"veranlasste. Weitere Arbeiten an der Komischen Oper waren 1906 die Bühnen zu Bizets "Carmen" und 1907 zur Uraufführung von Frederick Delius’ "Romeo und Julia auf dem Dorfe". 1909 stattete er Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" für die Reliefbühne des Deutschen Künstlertheaters in München aus (Regie: Reinhardt). Später arbeitete W. für die Regisseure und Theaterdirektoren Otto Brahm (1909 Gerhart Hauptmanns "Griselda") und Victor Barnowsky (1913 Büchners "Leonce und Lena"). Nach 1905 unternahm W. zahlreiche Studienreisen, so nach Italien, Spanien, Frankreich, Holland, Russland und Japan. Zahlreiche Buchillustrationen – darunter von Werken seines Bruders – unter anderem für die Verlage Insel und S. Fischer, später ebenfalls für Rascher in Zürich und Huber in Frauenfeld. Ab 1915 Aufenthalte in Wien und der Steiermark, 1917 vorübergehende Rückkehr in die Schweiz. 1918 Ausstellung im Kunsthaus Winterthur und Bekanntschaft mit dem Kunstsammler und Mäzen Oskar Reinhart, der zu einem Förderer W.s wurde. 1921 wieder in Berlin, wo W. 1922–25 nochmals als Bühnenbildner am Deutschen Theater (Rostands "Cyrano de Bergerac", Regie: Iwan Schmith) und am Lessingtheater (Shakespeares "Wie es euch gefällt", Regie: Barnowsky) arbeitete. 1925 endgültige Rückkehr in die Schweiz. Das nach 1926 entstandene Werk besteht hauptsächlich aus – mural oder auf Tafeln gemalten – grossen Wandbildern, im Unterschied zu den eher kleinen Formaten der frühen Arbeiten. Mit seinen architektonisch streng gebauten, in den Farben zurückhaltenden Bildkompositionen vertrat W. einen unverkennbar schweizerischen Wandbildstil ("Der Fackelträger", Schweizerische Landesausstellung 1939; Grossratssaal des Berner Rathauses, 1942). Ab 1941 Wandbilder im Foyer des →Stadttheaters Bern mit den Teilen "Musik", "Tanz" und "Tragödie"; die "Komödie" als vierten Teil des eigentlichen Alterswerks konnte W. nicht mehr ausführen.

Literatur

  • W., K.: Das Theater, 1912 [Reprint 1983].
  • Kräuchi, Heidi: K. W., Dissertation der Universität Wien, 1976.
  • Stadler, Edmund: Der Maler und Illustrator K. W. als Bühnen- und Kostümbildner. In: Theater Bühne Bild, Katalog der Kunstwoche Köniz, 1983.
  • Die Maler und das Theater im 20. Jahrhundert [Ausstellungskatalog], 1986.
  • Echte, Bernhard/Meier, Andreas (Hg.): Die Brüder Karl und Robert W., 1990.


Autor: Werner Wüthrich



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Wüthrich, Werner: Karl Walser, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2043–2044.

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