Klibühni, Chur GR

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Kleintheater ohne festes Ensemble, Gastspiele und Eigenproduktionen

Die K. wurde 1974 als Verein unter dem Namen "Klibühni Schnidrzumft" von Robert Indermaur und anderen gegründet, um jungen Kulturschaffenden Auftrittsmöglichkeiten zu bieten und die Kleinkunst zu fördern. 1994 wurde sie in "Klibühni, Das Theater" umbenannt. Die K. bietet Schauspiel-, Kabarett-, Kinder- und Puppentheateraufführungen sowie Lesungen und Konzerte. Pro Jahr werden etwa siebzig Vorstellungen gezeigt. In den ersten Jahren waren dies vor allem Gastspiele, zum Teil im Rahmen des von der K. organisierten Churer Theaterfestivals. In dieser Zeit gab es wenige Eigenproduktionen, erst seit Mitte der neunziger Jahre sind pro Jahr auch drei bis fünf eigene Produktionen im Repertoire, wobei einheimische Künstlerinnen und Künstler im Vordergrund stehen. Inszeniert wurden beispielsweise 1977 →Gian Gianottis "Der Weg zur Höhe", 1986 Nestroys "Häuptling Abendwind" (Regie beide: Gianotti), 1997 Yasmina Rezas "Kunst", 1999 die Schweizer Erstaufführung von Gion Mathias Caveltys "Das verlorene Wort" (Regie beide: →Klaus Henner Russius), 2000 Gogols "Tagebuch eines Wahnsinnigen" (Regie: →Liliana Heimberg), 2001 Brian Friels "Molly Sweeney" (Regie: Russius/→René Ander-Huber) und 2002 die Schweizer Erstaufführung von Eric Bogosians "Notes from Underground" (Regie: →Felix Benesch). An der K. arbeiteten unter anderem →Wolfram Frank, Manfred Ferrari, →Enzo Scanzi und →Andrea Zogg als Regisseure sowie die Schauspieler →Jaap Achterberg (auch im Vereinsvorstand tätig), →Oliver Krättli und die Brüder Andi und →René Schnoz. Die Gastspiele werden seit 2001 auch in Themenblöcken angeboten, beispielsweise "Klang", "Sex" und "Musik-Cabaret". Gespielt wurde zunächst nur im Sommer im Innenhof des alten Zunftgebäudes der Schneider (siebzig Sitzplätze und fünfzig Stehplätze). Später organisierte die K. im Winter Gastspiele an anderen Spielorten in Chur. Mitte der achtziger Jahre wurden weitere Spielräume erschlossen: die ehemalige Zunftstube, das Foyer und der Dachboden des Zunfthauses. Im Hof wird seit Anfang der achtziger Jahre im Sommer für jeweils fünf bis sechs Wochen die "Höfli-Beiz" eingerichtet. Die K. wird finanziert durch Beiträge der Stadt Chur und des Kantons Graubünden, Mitglieder- und Sponsorenbeiträge sowie durch Veranstaltungseinnahmen, unter anderem Einnahmen der "Höfli-Beiz". Die Leitung haben seit 1986 Reto Bernetta (Geschäftsführer), Edi Rölli (Dramaturgie) und Nicola Vitali (Bühnenbild, Technik) inne. Die K. wird getragen vom "Verein Klibühni, Das Theater", der die Churer Kulturpolitik entscheidend mitgestaltet. So organisierte er seit den siebziger Jahren bis 1982 das Churer Stadtfest, war beteiligt an der Gründung des Vereins →Freilichtspiele Chur und reichte 1991 eine Volksinitiative zur "Sicherung der Klibühni" ein, in deren Folge die Interessengemeinschaft Churer Theater (IGT) entstand, welche von der Stadt Chur jährlich einen Beitrag erhielt. Die IGT wurde nach der Annahme des städtischen Kulturförderungsgesetzes (in Kraft seit 1.1.2003) liquidiert. Verbandsmitglied: →KTV, →VTS.

Spielstätte

Kirchgasse 14, 7002 Chur. Das Zunfthaus stammt aus dem 17. Jahrhundert, einige Teile sind noch älter. Platzkapazität: knapp 70 Plätze. Bühne: 6 m breit, 2,8 m hoch und 5,5 m tief. Das Gebäude gehört der Stadt Chur und wurde 1997/98 renoviert (Isolation, Sanitäranlagen, Heizung), wobei die Raumverhältnisse unverändert blieben.



Autor: Jürg Seiberth



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Seiberth, Jürg: Klibühni, Chur GR, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1000.

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