Kollektiv der Auslandschweizer-Bühnenkünstler

Aus Theaterlexikon
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Tourneetheater Auf Anregung der karitativ tätigen Zürcherin Anna Elisabeth Wild entstand das K. als öffentlich finanzierte Massnahme, um den Theaterschaffenden, die nach der im September 1944 erfolgten Schliessung aller Theater im Dritten Reich zahlreich in die Schweiz zurückgekehrt waren, ein neues Arbeitsfeld zu ermöglichen. Das Schauspielensemble, dem 1945 ein Opernensemble angegliedert wurde, stand unter dem Patronat des Vorstehers des Militärdepartements, Bundesrat Karl Kobelt. Die administrative und künstlerische Leitung des Unternehmens, das auch unter den Namen "Auslandschweizer-Bühnenkünstler in der Heimat" oder "Auslandschweizer-Schauspieler in der Heimat", "Schweizer Schauspiel-Ensemble" beziehungsweise "Schweizer Opern-Ensemble" auftrat, lag bei →Max Terpis, der organisatorisch von Wild unterstützt wurde. Zum Schauspielensemble gehörten unter anderen Elisabeth Barth, →Raimund Bucher, →Stella David, →Hermann Frick, →Josy Holsten, Leonie Kretz, Mathilde Schmitz, →Elisabeth Teutenberg und →Heinz Woester. Zu den Mitgliedern des Opernensembles zählten →Else Böttcher, Annalice Frey, Sylvia Courtin, →Willy Frey, Friedrich Gerber, Roland Münch und Hektor Plüss. Gespielt wurde auf Tourneen durch verschiedene Schweizer Städte, darunter Aarau, Basel, Bern, Chur, Frauenfeld, Luzern, St. Gallen, Schaffhausen, Winterthur und Zürich. Bühnenbild und Regie lagen meistens in Terpis’ Hand. 1944–46 standen mehrere Produktionen auf dem Spielplan: Hebbels "Gyges und sein Ring", Sophokles’ "König Oedipus" in einer Übertragung von Emil Staiger (Premiere jeweils am →Stadttheater St. Gallen), Mozarts "Die Gärtnerin aus Liebe" in einer Neubearbeitung von Terpis (musikalische Leitung: →Niklaus Aeschbacher, Bühnenbild: →André Perrottet von Laban, Premiere am Stadttheater St. Gallen), die Uraufführung von →Albert Jakob Weltis "Aberglauben" (Premiere am →Stadttheater Schaffhausen) und die Schweizer Erstaufführung von Hauptmanns "Iphigenie in Delphi" (Premiere am →Schauspielhaus Zürich). Dem K. gelang es in den zwei Jahren seines Bestehens nicht, sich vom Charakter der improvisierten Notmassnahme zu lösen. Terpis’ Versuch, das Tourneetheater mit Bundesgeldern zu einer festen Institution zu machen, blieb erfolglos.

Literatur

  • Schede, Wolfgang Martin: Farbenspiel des Lebens. Max Pfister Terpis, Architekt, Tänzer, Psychologe, 1889–1958, 1960.


Autor: Reto Caluori



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Caluori, Reto: Kollektiv der Auslandschweizer-Bühnenkünstler, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1016–1017.