Kurt Früh

Aus Theaterlexikon
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* 12.4.1915 St. Gallen, † 24.3.1979 Boswil AG, auch Curt F. Bruder des Komponisten →Huldreich Georg F. und des Kunstmalers Eugen F. ∞ →Eva Langraf, Schauspielerin. Vater der Regisseurin →Katja F. und der Schauspielerin →Jessica F.

Nach dem Schulabschluss in St. Gallen Literaturstudium in Zürich, Mitglied einer marxistischen Studentengruppe. Ab 1933 Mitarbeit im Kabarett Die →Pfeffermühle und im →Cabaret Cornichon in Zürich. Regieunterricht bei →Leonard Steckel; kleine Rollen unter Steckels Regie am →Schauspielhaus Zürich (1935 Schusterkollege in →Arnold Küblers "Schuster Aiolos"). 1934–39 Leiter der antifaschistischen →Volksbühne Zürich. 1936 Mitgründer und Autor des →Cabarets Bärentatze in Bern. F. schrieb, von →Bertolt Brecht beeinflusst, für die Volksbühne Zürich diverse Bühnentexte, die er meist selbst inszenierte: "Lenin" (1934), "Muss das so sein?"(1935), "Einer" (szenische Montage, 1935), "Das Volksbühnenlied" (1935), "Hans im Glück" (1936), "Olympiade" (Revue, 1936); kabarettistische Szenen und Programme: "Zirkus" (1934), "Kurt und Kurt" (1936, zusammen mit Kurt Brunner), "Die Jenachdemiker", "Nationalhymne – modern", "Kurze Szene für ein harmloses Mädchen" (alle 1936 publiziert). Die Uraufführungen seiner Stücke erfolgten mit dem Ensemble der Volksbühne Zürich, ebenso F.s Inszenierungen von Friedrich Wolfs "Florisdorf" (1935), Ernst Tollers "Liebknecht-Luxemburg-Szene" (1936), Gorkis "Nachtasyl", Szenen aus Brechts "Die Mutter" und "Die Gewehre der Frau Carrar" (jeweils 1938) und Goethes "Egmont" (1939). Mit →Albert Ehrismann schrieb F. im Auftrag der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz das Festspiel "Der neue Kolumbus", mit Musik von Huldreich Georg F. (Uraufführung 5.8.1939, Schweizerische Landesausstellung Zürich; Regie: →Ernst Bringolf). Weitere Bühnentexte und Libretti, meist für seinen Bruder Huldreich Georg F.: "Yvette" (Ballett, 1937), "Drei Wünsche" (Märchenspiel mit Musik, Uraufführung 1942 in St. Gallen), "Promenade" (Ballett, Uraufführung 10.3.1943, →Stadttheater Bern, Bern BE), "Chaos in Kalybien" (Komödie, 1942). Seit 1936 Filmarbeiten, 1939 grosser Erfolg mit dem Dokumentarfilm "Hände wollen Arbeit" (mit dem Avantgardisten Hans Richter). Nach Aufgabe der künstlerischen Leitung der Volksbühne Zürich wurde F. 1939 technischer Leiter der Schweizer Filmwochenschau in Genf. 1944/45 wieder Theaterinszenierungen: 1944 Uraufführung von →Walter Lesch/Huldreich Georg F.s Chorspiel "Der junge David" im Volkshaus Zürich; 10.1.1945 Uraufführung des eigenen Stücks "Die drei Musikanten" durch die →Tribüne im →Theater am Neumarkt Zürich (Musik: Huldreich Georg F.). 1949–53 Regieassistent (unter anderem bei →Leopold Lindtberg) und Drehbuchautor bei der Praesens-Film in Zürich. Ab 1955 vor allem Regisseur erfolgreicher (Dialekt-)Spielfilme wie "Polizischt Wäckerli" (1955, mit →Schaggi Streuli), "Bäckerei Zürrer" (1957, mit →Emil Hegetschweiler), "Hinter den sieben Gleisen" (1959, mit →Max Haufler), "Dällebach Kari" (1970, mit →Walo Lüönd). 1964–67 Leiter des Ressorts Theater beim Schweizer Fernsehen (zwölf eigene Inszenierungen, Betreuung von 36 Produktionen). 1967–69 Lehrer für Regie an der Filmschule Zürich. Weitere Inszenierungen am Theater: 1968 Uraufführung von →Adolf Muschgs "Rumpelstilz" durch das Schauspielhaus Zürich im Theater am Neumarkt Zürich sowie Schweizer Erstaufführung von Victor Hugos "Tausend Francs Belohnung" an den →Basler Theatern. Arbeiten für den Rundfunk (Radioserie "Es Dach überem Chopf", 1961, 1962 auch als Film). 1975 veröffentlichte F. seine Memoiren "Rückblenden. Von der Arbeiterbühne zum Film". Filmporträt: 1986 Thomas Hostettlers Dokumentarfilm "Rückblenden, Annäherung an K. F."(SRG).

Literatur

  • Frey, Ivo: Proletarisches, Agitprop- und antifaschistisches Theater, Dissertation Bern, 1983.
  • Dumont, Hervé: Geschichte des Schweizer Films, 1987.
  • Roos, Josef: K. F. und seine Filme, 1994.
  • Amstutz, Hans/Käser-Leisibach, Ursula/Stern, Martin: Schweizertheater, 2000.

Nachlass

  • Stadtarchiv Zürich.


Autor: Werner Wüthrich



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Wüthrich, Werner: Kurt Früh, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 651.

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