Kurtheater Baden, Baden AG

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Gastspielbetrieb

Die Theatertradition der Bäderstadt geht bis ins Mittelalter zurück. Ausführlich dokumentiert ist sie allerdings erst seit 1675, als das Schützenhaus am Ölrain (heute: Theaterplatz) mit einem Theatersaal im Erdgeschoss eingeweiht wurde. Nachdem der Bau 1832 durch einen Brand beschädigt worden war, liess die Ortsbürgergemeinde unter Verwendung des Haupttrakts ein neues Theater, das Stadttheater, erstellen. Dieses musste 1909 wegen Baufälligkeit geschlossen werden, 1929 wurde es abgebrochen. Neben dieser Bühne entstand schon 1881 auf dem Areal des Kurparks das erste K. als eigentliches Sommertheater. Der chaletartige Riegelbau von Robert Moser konnte nicht geheizt werden und bot 350 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz. Beide Theatergebäude (ab 1909 nur noch das K.) wurden bis Anfang des 20. Jahrhunderts von verschiedenen Direktoren, die das Theater als Pacht- und Geschäftstheater auf eigene Rechnung leiteten, mit ihren Schauspielensembles bespielt. Dies änderte sich ab Sommer 1926: Der damalige, bereits fest angestellte Direktor des →Stadttheaters St. Gallen, →Paul von Bongardt, verpflichtete sich vertraglich zur Übernahme der Sommerspielzeit im K. Durch diese Kooperation konnte das Stadttheater St. Gallen seinem Ensemble Jahresverträge anbieten und das K. erhielt für die Sommermonate ein "eigenes" Ensemble. Das Stadttheater St. Gallen stellte seinen Sommertheaterbetrieb erst fünfzig Jahre später nach den letzten Aufführungen im Sommer 1976 ein. Als Betreiberin des K. wirkte ab 1948 die "Theaterstiftung Baden" (heute: "Theaterstiftung der Region Baden-Wettingen"), die 1924 zur Verwaltung eines Fonds für den Umbau des sanierungsbedürftigen Stadttheaters gegründet worden war. Nachdem die Pläne für einen Umbau des Stadttheaters jedoch nicht realisiert worden waren, wurden in den folgenden Jahrzehnten die Grundlagen für einen Theaterneubau geschaffen: 1939 schrieb die Theaterstiftung einen Architekturwettbewerb für eine neues Theatergebäude aus. Badener Vereine, Firmen sowie Privatpersonen beschafften die notwendigen finanziellen Mittel. Die Theaterstiftung übernahm – mit Unterstützung der Gemeinde – den Bau und den Betrieb des neuen K. Zusätzlich konstituierte sich am 6.5.1947 die Theatergemeinde Baden, mit dem Ziel, die Theaterstiftung in jeder Hinsicht zu unterstützen und den Theaterbesuch zu fördern. Am 16.9.1951 fand die letzte Aufführung im alten K. statt, wenig später wurde das Gebäude abgerissen. Am 22./23.3.1952 wurde das neue K. eingeweiht, dem 1955 noch ein Studiogebäude mit Verwaltungs-, Lager- und Proberäumen sowie neuen Garderoben angefügt wurde. Für den Betrieb und Unterhalt des K. sowie dessen technische Einrichtungen war 1951–80 die Kurtheater-Kommission zuständig, die sich aus Vertretern der Theaterstiftung, Delegierten des Stadtrats Baden und des Gemeinderats Wettingen zusammensetzte. Danach übernahm die "Hauskommission", ein aus mehreren Stiftungsräten zusammengesetztes Gremium, ihre Aufgaben. Zusätzlich zu der vom St. Galler Stadttheater bestrittenen Sommerspielzeit fanden im neuen K. Gastspiele von anderen Ensembles und Theaterhäusern statt, von denen ein grosser Teil – im Rahmen eines "Winterspielplans"– von der Theatergemeinde veranstaltet wurde. Auf Grund dieser Erfahrungen erhielt die Theatergemeinde 1977 nach der letzten Sommerspielzeit des Stadttheaters St. Gallen von der Theaterstiftung den Auftrag, einen Spielplan mit Gastspielen zu organisieren. Als Vorsitzende einer Spielplankommission, die sich aus Vorstandsmitgliedern der Theatergemeinde zusammensetzte, waren 1977–87 Adolf Rohr und 1987–2002 Regula Schweizer, beide Präsidenten der Theatergemeinde und Mitglieder der Theaterstiftung, hauptverantwortlich für die Programmierung des Gastspielprogramms. In ehrenamtlicher Arbeit organisierten sie jeweils von Oktober bis Mai rund vierzig bis fünfzig (ab 1978 im Abonnement angebotene) Sprech-, Musik- und Tanztheater sowie Kleinkunstaufführungen von schweizerischen und ausländischen Ensembles, Stadt- und Kleintheatern, Tourneeproduktionen sowie Solokünstlerinnen und -künstlern. Zu diesen Gastspielen kamen jährlich etwa gleich viele Aufführungen von Eigenveranstaltern, für welche die Theaterstiftung das K. mietweise zur Verfügung stellte. Mit einer strukturellen Neukonzeption erfolgte auf die Spielzeit 2002/03 eine Entflechtung von Theaterstiftung und Theatergemeinde: Die Theaterstiftung ist neu nicht nur für den Unterhalt des K. verantwortlich, sondern auch wieder für die Programmierung. Hierfür engagierte sie – neben den schon bisher fest angestellten Bereichsleitern für Administration, Finanzen und Technik – eine Leitung für den Spielbetrieb (seit 2002 Sonja Kiefer-Blickensdorfer). Diese vier Bereichsleiter bilden zusammen mit dem Stiftungspräsidium und -vizepräsidium den operativ tätigen Stiftungsausschuss. Die Theatergemeinde wurde damit von ihrer Aufgabe als Veranstalterin entbunden, sie konzentriert sich seither auf ihre Tätigkeit als Besucherorganisation, etwa mit der Publikation des "Theaterkuriers" mit Aufführungsinformationen (seit 1962). Finanziert wird der Theaterbetrieb durch Beiträge des Aargauer Kuratoriums, der Stadt Baden, der Ortsbürgergemeinde, der Regionalgemeinden und von Sponsoren sowie durch die Einnahmen aus Vermietungen. Verbandsmitglied: →SBV.

Spielstätte

Parkstrasse 20, 5401 Baden. 1950–52 erbaut (Architektin: Lisbeth Sachs). Guckkastenbühne. Bühne: 12 m breit, 15,6 m hoch, 8 m tief (bei überdecktem Orchestergraben 12,9 m). Platzkapazität: rund 600 Plätze. 1955 Anbau eines Studiogebäudes. 1966 Errichtung eines zweiten Foyers (heute: oberes Foyer). 1972 Revision der elektrischen Anlagen. 1984 Sanierung von Lüftung und Heizung sowie Innenrenovation. 1991 Erneuerungen im Bereich Vorbühne und Orchestergraben. 1994 Erneuerung der Bühnentechnik. 1997 Garderoben-Neubau zwischen Kurtheater und Studiogebäude. Literatur: Kurtheater-Kommission Baden (Hg.): Badener Theaterstätten, 1962. Gojan, Simone: Spielstätten der Schweiz, 1998. Theaterstiftung der Region Baden-Wettingen (Hg.): 50 Jahre K. 1952–2002, 2002.



Autor: Marco Badilatti



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Badilatti, Marco: Elisabeth Bergner, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 168.

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