Liebhabertheater-Gesellschaft, Solothurn SO

Aus Theaterlexikon
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Amateurtheater

Vorläufer der L. ist die Mitte des 18. Jahrhunderts von →Franz Jakob Hermann gegründete Theatergesellschaft, die unter anderem 1755 Hermanns "Das Gross-Müthig Und Befreyte Solothurn" gab. In der Saison 1809/10 wurde die heutige L., auch "LTG", gegründet, um 1820 aufgelöst, 1836 neu gegründet. In den ersten Jahren wurden meist mehrere Stücke pro Jahr (1816 sollen es zwölf gewesen sein) inszeniert, darunter soweit bekannt zahlreiche Possen und Lustspiele, unter anderem von Kotzebue. Nach 1836 spielte die L. in unregelmässigen Abständen teils bis zu fünf Stücke pro Jahr, darunter zahlreiche klassische Dramen (1836 Goethes "Clavigo", 1919 dessen "Faust I", 1837, 1859 und 1880 Schillers "Wilhelm Tell", 1839 dessen "Wallensteins Lager" und 1884 dessen "Wallensteins Tod", 1840 Shakespeares "Romeo und Julia" und 1923 Molières "Tartuffe oder Der Betrüger"), Possen und Lustspiele (1838 Karl Töpfers "Der Krieg mit dem Onkel" und 1857 Roderich Benedix’ "Die Eifersüchtigen") sowie Stücke einheimischer Autoren (1838 Franz Krutters "Salomon und Salomeh", 1843 und 1880 dessen "Agnes Bernauer", 1918 Edmund Wyss’ "Dursli und Babeli" und 1925 Josef Reinharts "D’r Ängelwirt"). 1927 gründete →Leo Delsen das →Städtebundtheater Biel-Solothurn, in der Folge übernahm das Berufstheater die Aufführungen klassischer Dramen und hochdeutscher Stücke, die L. bot zahlreiche Bühnenwerke von Schweizer Autoren in Dialekt, beispielsweise 1941 und 1959/60 Andreas Zimmermanns "De Wittlig", 1931, 1963/64 und 1974 →Simon Gfellers "Hansjoggeli, der Erbvetter", 1945/46 und 1988 →Hans Rudolf Balmers "Ds Sühniswyb", 1952/53 →Jakob Steblers "Einzelgänger", 1961/62 und 1975/76 →Albert Jakob Weltis "Steibruch", 1967/68 →Rudolf Stalders "Heisses Yse", 1971/72 →Paul Hallers "Marie und Robert", 1981 →Cäsar von Arx’ "Der Verrat von Novara", 1993 →Hans Stalders "Buur ohni Land" und 2002 →Walter Eschlers "Oberamtmann Effinger". Seit den achtziger Jahren inszeniert die L. meist zwei Produktionen pro Jahr, neben den Dramen von Schweizer Autoren werden Mundartadaptionen fremdsprachiger Stücke gegeben, unter anderem 1989 Arnold Ridleys "Dr Geischterzug", 1996 John Patricks "Gspässigi Lüt", 1999 Peter Shaffers "Schwarzi Komödie". Spielort der L. ist das →Stadttheater Solothurn, zu dessen Ausstattung und Renovierung die L. seit ihren Anfängen immer wieder Mittel beisteuerte. Die Gruppe hat zirka fünfzig aktive Mitglieder. Mehrere Inszenierungen der L., beispielsweise 1953/54 Otto Wolfs "Dr ewig Vikar", 1977 →Ernst Balzlis "Der Schärer-Micheli" und 1973 von Arx’ "Vogel friss oder stirb!", wurden vom Schweizer Fernsehen DRS aufgezeichnet. Verbandsmitglied: →ZSV.

Literatur

  • Stocker, Franz August: Das Volkstheater in der Schweiz, 1893.
  • 150 Jahre L. Solothurn (1810–1960), o. J. [1960].
  • 175 Jahre L., o. J. [1985].

Archiv

  • Altes Spital, Solothurn.


Autorin: Josette Gillmann-Mahler



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Gillmann-Mahler, Josette: Liebhabertheater-Gesellschaft, Solothurn SO, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1106–1107.