Louis Naef

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* 20.2.1943 Willisau LU.

Nach der Matura 1963 in Luzern Studium der Theaterwissenschaft, Germanistik und Philosophie in Zürich, Bern und Köln. 1970–72 Dramaturg, Regieassistent und Schauspieler in kleineren Rollen an den Städtischen Bühnen Münster (Direktion: →Horst Gnekow). 1972–75 Dramaturg an den →Basler Theatern unter →Werner Düggelin. 1975–77 Dramaturg und Lektor beim Suhrkamp Theaterverlag in Frankfurt am Main. 1977 Dramaturg am →Theater am Neumarkt Zürich (Direktion: Luis Bolliger). 1977–86 vollamtlicher Lehrer an der →Schauspiel-Akademie Zürich, dort diverse Projekte und Inszenierungen. Ausserdem 1978 Leiter des Theaterverlags H. R. Stauffacher in Zürich und 1980/81 dramaturgischer Berater und Regisseur am →Stadttheater St. Gallen. Ab Ende der siebziger Jahre erste viel beachtete Inszenierungen mit Amateurtheatern, so 1979 die Uraufführung von →Josef Zihlmanns "D Goldsuecher am Napf" im "Leuen"-Saal Hergiswil und 1982 "Romeo und Julia in Willisau" nach →Gottfried Kellers "Romeo und Julia auf dem Dorfe" mit der →Theatergesellschaft Willisau im "Mohren"-Saal. Seit 1986 wirkt N. als freischaffender Dramaturg, Regisseur und Theaterpädagoge. Bekannt wurde er durch seine bildstarken "Landschaftstheater" vorwiegend im Raum Luzern und in der übrigen Zentralschweiz, in welchen er – meist in Zusammenarbeit mit dem Autor →Hansjörg Schneider – regionale geschichtliche Ereignisse oder bekannte literarische Stoffe in die jeweilige Landschaft hineininszenierte. Mit den aufwändigen Inszenierungen, in denen neben einer Vielzahl von Amateuren jeweils einzelne professio­nelle Theaterschaffende mitwirkten, schuf N. eine eigenständige künstlerische Form des Freilichttheaters. Bisherige Landschaftstheater N.s waren 1992 "Vier Jahreszeiten" (Text: →Heinz Stalder) an vier Tagen im Verlauf des Jahres an vier verschiedenen Schauplätzen im Kanton Luzern, 1993 Zihlmanns "D Goldsuecher am Napf" in Hergiswil, 1996 Sam Jauns "De Wald" nach Ostrowski in Ruswil zusammen mit der →Theatergesellschaft Ruswil, 1998 "Tag des Jammers – Helvetische Szenen aus Nidwalden 1798" (Text: Schneider) in Stans, 2000 →Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen" in Lenzburg, 2001 Jauns "Paradiesgärtli" in Ruswil, 2002 die Fritschi-Spiele, ein Projekt zur Figur des Bruders Fritschi mit der Zunft zur Safran in der Luzerner Altstadt und 2003 "Bauernkrieg 1653" (Text: Schneider) in Eschholzmatt. Am →Landschaftstheater Ballenberg inszenierte N. 1991 Kellers "Romeo und Julia auf dem Dorfe" (Bearbeitung: Stalder), 1993 →Carl Zuckmayers "Katharina Knie", 1994 →Jeremias Gotthelfs "Elsi, die seltsame Magd" und 1995 Ibsens "Peer Gynt" (aufgeführt unter dem Titel "Peter Gynt"), jeweils in einer Dialektbearbeitung Schneiders. N. war überdies 2002 künstlerischer Leiter von "Einfall Zentralschweiz", dem Tag der Zentralschweiz an der Schweizerischen Landesausstellung Expo.02. Weitere Inszenierungen N.s waren 1994 die Uraufführung von Schneiders "Heute abend heiratet Farah Diba" mit dem Berner →Theater Eiger, Mönch & Jungfrau im Grand Hotel Victoria-Jungfrau in Interlaken und 1996 Calderóns "Das grosse Welttheater" am →Theater Tuchlaube Aarau. 1986–92 Geschäftsführer der →SGTK und Leiter des Theaterkultur-Verlags. Dozent an der Universität Bern (theaterpädagogische Lehrerausbildung) und an der Hochschule der Künste in Berlin. Autor und Herausgeber verschiedener Publikationen. Gemeinsam mit Edwin Beeler realisierte N. den Film "Grenzgänge. Eine filmische Recherche zum Sonderbundskrieg 1847" (1998).

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1979 Ehrenbürger von Hergiswil am Napf,
  • 1998 Kulturpreis der Stadt Willisau,
  • 2000 Kulturpreis der Innerschweiz.


Autor: Heinz Stalder



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Stalder, Heinz: Louis Naef, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1307–1308, mit Abbildung auf S. 1307.

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