Marc Andreae

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* 8.11.1939 Zürich. Sohn des Pianisten Hans A. und der Pianistin Lis A., Enkel des Dirigenten →Volkmar Andreae.

Studierte bis 1962 am Zürcher Konservatorium Klavier und Dirigieren, 1962–63 Komposition bei Nadia Boulanger in Paris, 1964–68 Dirigieren bei Franco Ferrara an der Accademia di Santa Cecilia in Rom und der Accademia Musicale Chigiana in Siena. Er assistierte seinem Grossvater bei Proben und Konzerten des Tonhalle-Orchesters Zürich. Noch während des Studiums gründete er 1960 das Orchester Pro Arte, ein Orchester von Musikstudenten in Zürich, und leitete dieses bis 1962. 1966 gewann er den vom Chefdirigenten des Tonhalle-Orchesters Rudolf Kempe veranlassten Dirigentenwettbewerb. 1967–68 Assistent des Dirigenten →Peter Maag. 1969–90 Dirigent des Orchestra della Radiotelevisione della Svizzera Italiana (RTSI) in Lugano, 1990–93 Chefdirigent und künstlerischer Direktor des Orchestra Angelicum di Milano. 2001 gründete er "La giovane orchestra sinfonica dell’ Insubria". Als Gast arbeitete er mit diversen grossen Orchestern in Europa, Amerika und Japan, so unter anderem mit den Münchner Philharmonikern, dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg, diversen deutschen Rundfunksinfonieorchestern, den Bamberger, Prager und Wiener Symphonikern, dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem Basler Sinfonieorchester und dem Orchestre de la Suisse Romande in Genf und dirigierte an zahlreichen Festivals (unter anderem in Luzern, Paris, Berlin, Wien, Salzburg, Florenz). Besonders verdient machte sich A. um Uraufführungen von Werken von Sylvano Bussotti, Luca Lombardi, Salvatore Sciarrino, Nguyen-Thien Dao, Morton Feldman, Vinko Globokar, Erich Urbanner, Gerhard Wimberger, →Conrad Beck, →Francesco Hoch, →Rudolf Kelterborn, →Heinz Holliger, Hans Ulrich Lehmann, →Wladimir Vogel und anderen sowie um Ersteditionen und -aufführungen von unbekannten Orchesterwerken und Opern, etwa von Schumann, Schubert, Weber, Liszt, Tschaikowsky, Donizetti und Rossini. So dirigierte er 1977 in Paris Schuberts "Die Verschworenen", 1979 in Paris beziehungsweise 1986 in Lugano die französische und die konzertante Schweizer Erstaufführung von dessen "Alfonso und Estrella", ebenfalls in Lugano 1981 die europäische Erstaufführung von Gershwins "Blue Monday" (CD-Aufzeichnung) und Bernsteins "Trouble in Tahiti", 1984 in der Tonhalle Zürich Kodálys "Harry Janosch" und 1988 Griegs "Peer Gynt", 1989 in Lugano Donizettis "Imelda de’ Lambertazzi" (CD-Aufzeichnung), am Rossini-Festival in Bad Wildbach die Rossini-Opern "Sigismondo" (1995) und "Le nozze di Teti e di Peleo" (1996). Komposition von Klavier-, Kammermusik-, Orchester- und Vokalwerken. Zahlreiche Einspielungen auf Tonträger. Gründungsmitglied und 1986–92 erster Präsident der Schweizerischen Musikedition (SME), einer Stiftung zur Förderung der neuen Schweizer Musik.

Auszeichnungen

  • 1978 Ernennung zum Ehrenmitglied der Bruckner-Gesellschaft in Italien,
  • Preisträger des AIDEM-Dirigentenwettbewerbs in Florenz,
  • zweimal Grand Prix du Disque,
  • LP Techo Distinction Tokio,
  • 1999 Ehrengabe der UBS Kulturstiftung.


Autorin: Nina Debrunner



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Debrunner, Nina: Marc Andreae, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 50-51.

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