Marcello Viotti

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* 29.6.1954 Vallorbe VD, † 16.2.2005 München (D).

Studierte Gesang, Klavier und Violoncello am Konservatorium in Lausanne, parallel dazu Ausbildung zum Volksschullehrer. Als Bassbariton im Rundfunkchor von Radio Suisse Romande lernte er Wolfgang Sawallisch, den damaligen Chef des Orchestre de la Suisse Romande kennen, der für ihn von prägender Bedeutung wurde und ihn anregte, das Bläserensemble Camerata Romande zu gründen, mit dem V. 1979 in Genf sein Debüt als Dirigent gab. Später rief er das italienische International Youth Orchestra ins Leben, mit dem er europaweit gastierte. 1982 gewann V. den Gino-Marinuzzi-Wettbewerb in San Remo, was Engagements in den wichtigsten Städten Italiens nach sich zog. 1985 Stückvertrag für Richard Strauss’ "Ariadne auf Naxos" beim →Musiktheater der Orchestergesellschaft Biel. 1985–89 Korrepetitor und Kapellmeister am Teatro Regio in Turin. 1986/87 musikalischer Oberleiter der Schweizer Gastspiel-Oper Aargau. 1987–91 Musikdirektor und musikalischer Oberleiter am →Stadttheater Luzern, dort unter anderem Mozarts "Le nozze di Figaro" und "Die Zauberflöte", Verdis "Rigoletto" und "Il Trovatore", Ravels "L’Enfant et les sortilèges", Massenets "Werther" sowie 1991 die Uraufführung von Jacques Demierre/David Wohnlich/→Andreas Nicks "Das Lachen der Schafe" (Regie: →Georges Delnon). 1990–93 Generalmusikdirektor in Bremen, mit Verpflichtung für Konzert und Oper. Seit den neunziger Jahren war er Gastdirigent an den bedeutendsten Opernhäusern der Welt, unter anderem an den Staatsopern Wien, München und Hamburg, der Deutschen Oper Berlin, am Teatro alla Scala in Mailand, dem Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel, der Opéra-Bastille Paris, bei den Bregenzer Festspielen und an der Metropolitan Opera New York (Debüt 1999/2000 mit Puccinis "Madama Butterfly"). Am →Opernhaus Zürich betreute er seit 1996 regelmässig Neuproduktionen, so 1996 Puccinis "Il trittico", 1997 Donizettis "Roberto Devereux", 1998 Bellinis "I puritani" (Regie: →Grischa Asagaroff), 2000 Montemezzis "L’amore dei tre re" (Regie: David Pountney) und 2001 Bellinis "Beatrice di Tenda" (Regie: →Daniel Schmid). Neben seiner Tätigkeit an Opernhäusern leitete er mehrere Orchester: 1991–95 war V. Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Saarbrücken, 1996–99 einer der drei Hauptdirigenten des Sinfonieorchesters des Mitteldeutschen Rundfunks in Leipzig und 1998–2004 Chefdirigent des Münchner Rundfunkorchesters. Er gastierte unter anderem beim Orchestre de la Suisse Romande, dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem English Chamber Orchestra, den Berliner, New Yorker, Münchner und den Wiener Philharmonikern und arbeitete regelmässig mit den Bamberger und Wiener Symphonikern sowie mit den grossen Orchestern Australiens und Japans zusammen. 2002 bis zu seinem Tod war er künstlerischer Leiter des Gran Teatro La Fenice in Venedig. V. war bekannt für seine originelle, differenzierte Programmauswahl, die oft unbekannte Werke beinhaltete, etwa von Ernest Chausson oder Egon Wellesz. Zahlreiche Einspielungen auf Tonträger.



Autorin: Ingrid Bigler-Marschall



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Bigler-Marschall, Ingrid: Marcello Viotti, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2012–2013, mit Abbildung auf S. 2012.

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