Marco Arturo Marelli

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* 21.8.1949 Zürich. ∞ Dagmar Niefind, Kostümbildnerin.

Ausbildung zum Grafiker an der Kunstgewerbeschule in Zürich. Nach Bühnen­­bildAssistenzen an der Volks- und Staatsoper ­Wien (unter anderem bei Günther Schneider-Siemssen) besuchte M. 1973 die internationale Sommerakademie für bildende Kunst in Salzburg, wo unter anderen August Everding lehrte. Dieser verpflichtete ihn 1973–75 als Assistent von →Toni Businger an die Hamburgische Staatsoper. Dort schuf M. erste Ausstattungen für Choreografien von John Neumeier, so 1974 für "Meyerbeer – Schumann", 1977 für das Streichquintett C-Dur von Franz Schubert und die vierte Sinfonie von Gustav Mahler sowie 1979 für Richard Strauss’ "Josephslegende" und "Don Quixote". 1974–78 stattete M. regelmässig Produktionen an der Städtischen Bühne Hagen aus (1974/75 Mozarts "Die Zauberflöte"). Prägend wurde die Zusammenarbeit mit den Regisseuren Alfred Kirchner und Harry Kupfer, für die er an der Oper in Frankfurt am Main als Ausstatter tätig war: 1979 Janáčeks "Její pastorkyňa" ("Jenufa", Regie: Kirchner) und 1981 Puccinis "Madame Butterfly" (Regie: Kupfer). Bis Mitte der achtziger Jahre kreierte er Bühnenbilder und Ausstattungen unter anderem an der Komischen Oper Berlin, am Theater am Goetheplatz in Bremen (1979 von Einems "Dantons Tod", Regie: Peter Brenner), am Staatstheater Darmstadt (1981 Delius’ "Romeo und Julia auf dem Dorfe", Regie: Kurt Horres), am Staatstheater Kassel, am Nationaltheater Mannheim, an den Städtischen Bühnen Nürnberg, an den Bühnen der Stadt Köln, wo die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Hans Neugebauer wegweisend für M.s spätere Regietätigkeit wurde, sowie in Stockholm. Seit Beginn der achtziger Jahre führt M. auch Regie. An den Städtischen Bühnen Mainz inszenierte er 1981 Mozarts "Die Zauberflöte" in eigener Ausstattung. Es folgten Inszenierungen an den Theatern der Freien Hansestadt Bremen, am Nationaltheater Mannheim, bei den Ludwigsburger Festspielen und an der Hamburgischen Staatsoper. 1983 brachte er dort zusammen mit dem Dirigenten Helmuth Rilling Johann Christian Bachs "Amadis des Gaules" als erste Aufführung in neuerer Zeit auf die Bühne. 1984/85 war M. als Oberspielleiter am Nationaltheater Mannheim engagiert. Seither arbeitet er freischaffend mehrheitlich als Regisseur und Bühnenbildner in Personalunion und zusammen mit der Kostümbildnerin Niefind. An der Hamburgischen Staatsoper brachte er 1986 Hans-Jürgen von Boses "Die Leiden des jungen Werthers" mit dem Dirigenten Hans Zender zur Uraufführung (als Gastspiel in Schwetzingen); an der Volksoper Wien realisierte er mit dem Dirigenten Bruno Weil einen Mozart/Da Ponte-Zyklus (1987 "Così fan tutte", 1988 "Don Giovanni", 1989 "Le nozze di Figaro"). Weitere Inszenierungen, zu denen er das Bühnenbild selbst kreierte, schuf er beispielsweise an der Opéra de Paris (1986 Verdis "Don Carlos"), an der Oper der Stadt Köln (1992 Henzes "Der Prinz von Homburg"), am →Opernhaus Zürich (1992 und 1995 die Schweizer Erstaufführungen von Ligetis "Le Grand Macabre" und Schuberts "Des Teufels Lustschloss" sowie 1995 Verdis "Simon Boccanegra", 1996 Massenets "Werther" und 1997 →Frank Martins "Le Vin herbé"), an der Staatsoper Wien (1994 →Paul Hindemiths "Cardillac", 1996 Richard Strauss’ "Die schweigsame Frau", 2000 Puccinis "Gianni Schicchi", Schönbergs "Die Jakobsleiter" und Mozarts "Die Zauberflöte", 2001 Bellinis "La sonnambula", 2003 Verdis "Falstaff"), an der Hamburgischen Staatsoper (1997 Verdis "Falstaff", →Richard Wagners "Der fliegende Holländer" und Mozarts "Così fan tutte"), an der Sächsischen Staatsoper Dresden (Richard Strauss’ "Capriccio" 1993, "Ariadne auf Naxos" 1999 und "Die schweigsame Frau", 2000; 1995 Wagners "Tristan und Isolde", 1998 Uraufführung von Matthias Pintschers "Thomas Chatterton", 2000 Mozarts "Die Entführung aus dem Serail"), an der Deutschen Oper Berlin (2004 Debussys "Pelléas et Mélisande") sowie am Gran Teatre del Liceu Barcelona, an der Finnischen Nationaloper in Helsinki, an der Grand Opera in Houston, an der Covent Garden Opera in London, am Teatro Real in Madrid, in Paris, Strassburg, am Nationaltheater in Tokio und in Triest.



Autorin: Nina Debrunner



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Debrunner, Nina: Marco Arturo Marelli, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1173–1174, mit Abbildung auf S. 1174.

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