Maria Fein

Aus Theaterlexikon
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* 7.4.1892 Wien (A), † 15.9.1965 Zürich. Tochter des Redakteurs bei der "Neuen Freien Presse" Otto F., Schwester des Schriftstellers und Übersetzers Franz F. ∞ II. Theodor Becker, Schauspieler. Mutter der Schauspielerin →Maria Becker.

F. studierte 1909–11 an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien. Erste Engagements am Nationaltheater Mannheim (unter anderem Titelrolle in Hebbels "Judith"), 1913–15 am Königlichen Schauspielhaus Dresden, daneben als Gast am Königlichen Schauspielhaus Berlin. Ab 1915 arbeitete sie in Berlin kontinuierlich mit Max Reinhardt zusammen (unter anderem Titelrolle in Schillers "Maria Stuart" am Deutschen Theater, Ariel in Shakespeares "Der Sturm" an der Volksbühne, Elektra in Aischylos’ "Die Orestie" und Regan in Shakespeares "König Lear" am Grossen Schauspielhaus). Daneben spielte F. 1921/22 an den Vereinigten Theatern Breslau, 1924–26 am Theater in der Josefstadt in Wien (1924 Lady Milford in Schillers "Kabale und Liebe", Regie: Reinhardt) und an anderen Wiener Bühnen sowie bis 1933 an diversen Berliner Bühnen (unter anderem 1928 am Deutschen Theater Kudelka in der Uraufführung von Ferdinand Bruckners "Die Verbrecher", Regie: →Heinz Hilpert). Nach ihrem Ausschluss aus der Reichstheaterkammer 1935 emigrierte F. nach Wien, wo sie unter anderem am Deutschen Volkstheater auftrat und 1937 in der Urania unter eigener Regie die Rolle der Iokaste in Cocteaus "Die Höllenmaschine" in ihrer eigenen Übersetzung spielte. Nach Gastrollen in den Niederlanden und Frankreich war sie 1938/39 am →Schauspielhaus Zürich, Zürich ZH engagiert (unter anderem Anisja in Tolstois "Die Macht der Finsternis", Regie: →Leopold Lindtberg). Sie kehrte nach Frankreich zurück und wurde bis 1941 in einem Lager interniert. Ab 1942 spielte F. wieder in Zürich, wo sie zunächst zahlreiche Rezitationsabende gab, zum Teil zusammen mit ihrer Tochter, ab 1945 trat sie wieder am Schauspielhaus Zürich auf (unter anderem Ranjewskaja in Tschechows "Der Kirschgarten", Sichel in der deutschsprachigen Erstaufführung von Claudels "Der erniedrigte Vater"). 1946 ging F. als Mutter in Wildes "Eine Frau ohne Bedeutung" (Regie: →Leopold Biberti) und in der Titelrolle von Grillparzers "Medea" auf Gastspieltournee durch die Schweiz. 1948 gastierte F. gemeinsam mit →Heinz Woester an verschiedenen Schweizer Theatern mit ihrer eigenen Übersetzung von Maughams "Theater" (Regie: →Lukas Ammann), ab 1949 ging sie mit einer eigenen Truppe auf Tournee, unter anderem als Klytämnestra in Giraudoux’ "Elektra" (mit Maria Becker in der Titelrolle) und in der Titelrolle von Shaws "Frau Warrens Gewerbe", jeweils in eigener Regie. An den Luzerner Musikfestwochen inszenierte F. Cocteaus "Höllenmaschine" und spielte die Rolle der Iokaste. Ab 1951 erste Nachkriegsauftritte in Berlin, unter anderem Weisheit in Hofmannsthals "Das grosse Welttheater" vor dem Schloss Charlottenburg. Zahlreiche Tourneen durch England, Frankreich und die Schweiz mit Rezitations- und Vortragsprogrammen sowie mit Hofmannsthals Komödie "Der Schwierige", in der F. alle Rollen selbst interpretierte. Arbeiten für BBC London, unter anderem 1956 Hörspielfassung in englischer Sprache von →Bertolt Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder". 1957 spielte F. die Caroline von Braunschweig in Norman Ginsburys "The First Gentleman" in den USA (Premiere in New Haven, nach mehrwöchiger Tournee dann am Broadway in New York), anschliessend arbeitete F. für den Rundfunk in den USA und veranstaltete Rezitationsabende. 1961 kehrte F. in die Schweiz zurück, wo sie erneut die Titelrolle in Shaws "Frau Warrens Gewerbe" an der →Komödie Basel verkörperte. 1964 wurden F.s Erlebnisse an den Berliner Theatern vor 1933 in zwölf Folgen vom Norddeutschen Rundfunk gesendet.



Autorin: Julia Danielczyk



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Danielcyzk, Julia: Maria Fein, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 570–571.

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