Mariella Mehr

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* 27.12.1947 Zürich.

Frühe Fremdplatzierung durch das so genannte Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse der Pro Juventute. Zwangsaufenthalte in Heimen, Erziehungsanstalten, Kliniken sowie neunzehn Monate als administrativ Versorgte im Frauengefängnis Hindelbank. 1967–74 Fabrikarbeiterin. Seit 1974 journalistische Arbeiten. Beiträge unter anderem für das Magazin des "Tages-Anzeigers" (Zürich), "Die Wochenzeitung" (Zürich) und die "Berner Zeitung". Engagement für die Bevölkerungsgruppe der Jenischen und Gründung der Selbsthilfeorganisation "Radgenossenschaft der Landstrasse", deren Sekretariat sie führte. Das die Tätigkeit des Pro-Juventute-Hilfswerks darstellende Drama "Akte M. Xenos ill. * 1947, C. Xenos ill. * 1966", in das entsprechendes Aktenmaterial eingearbeitet ist, wurde am 4.4.1986 vom →Theater 1230 in Bern unter der Regie von →Peter Schneider uraufgeführt. Dazu erschien 1987 die Dokumentation "Kinder der Landstrasse. Ein Hilfswerk, ein Theater und die Folgen". 1986 wurde "Silvia Z. Ein Requiem" vom →Stadttheater Chur unter dem Titel "Das ausgeblutete Gewicht" uraufgeführt (1987 auch vom Theater 1230 produziert). 1989 Uraufführung von "Anni B."(in einer von der Autorin abgelehnten Fassung der Gruppe →In Situ, Kulturwerkstatt Chur im →Theaterhaus Gessnerallee Zürich). Ferner veröffentlichte M. die Gedichtbände "In diesen Traum schlendert ein roter Findling" (1983) und "Nachrichten aus dem Exil" (1998, zweisprachig in Deutsch und Romana), die Romane "Steinzeit" (1981), "Zeus oder der Zwillingston" (1994), "Daskind" (1995) und "Brandzauber" (1998) sowie den Reportagenband "Rückblitze" (1990) und den Bericht "Das Licht der Frau" (1984) über spanische Stierkämpferinnen. M., die heute in Italien lebt und arbeitet, war Mitglied der →Gruppe Olten.

Auszeichnungen

  • 1981 Literaturpreis des Kantons Zürich,
  • 1982 Preis des Kantons Bern,
  • 1983 und 1987 Literaturpreis der Stadt Bern,
  • 1988 Preis der Ida-Somazzi-Stiftung Basel,
  • 1991 Anerkennungspreis des Kantons Graubünden,
  • 1995 Anerkennungspreis der Stadt Zürich und
  • 1996 Preis der Schweizerischen Schillerstiftung.
  • 1998 verlieh ihr die Universität Basel den Ehrendoktor.

Vorlass

  • Schweizerisches Literaturarchiv, Bern.


Autor: Dietrich Seybold



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Dietrich, Seybold:Mariella Mehr, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1215.

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