Marko Rothmüller

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* 31.12.1908 Trnjani (heute: HR), † 20.1.1993 Bloomington (USA), eigentlich Aaron R., auch Aron Marko R.

Musikstudien an der Musik-Akademie in Zagreb (Gesang bei Jan Ourednik) und in Wien (Gesang bei Regina Weiss und Franz Steiner, Komposition bei Alban Berg). Engagements 1932/33 an der Oper im Schiller-Theater in Altona (Debüt als Ottokar in Webers "Der Freischütz"). 1933 musste R. als Jude Deutschland verlassen. Er kehrte nach Zagreb zurück, wo er 1933–35 am Nationaltheater verpflichtet war. 1935–45 gehörte R. als Kavalier- und dramatischer Bariton zum festen Ensemble des →Stadttheaters Zürich, an dem er weiterhin bis 1948 gastierte. Die aussergewöhnlich schöne, dunkel-samtene Klangfarbe seines höhensicheren Baritons und seine Spielbegabung machten R. zu einem Liebling des Zürcher Publikums. Ein Schwerpunkt seines Zürcher Repertoires waren die Opern Verdis. So sang er Amonasro in "Aida", Renato in "Un ballo in maschera", Posa in "Don Carlo", Ford in "Falstaff", Don Carlo di Vargas in "La forza del destino", Iago in "Otello", die Titelpartien in "Rigoletto" und "Simon Boccanegra", Giorgio Germont in "La Traviata", Conte di Luna in "Il Trovatore" und Miller in der Schweizer Erstaufführung von "Luisa Miller" (1938, Regie: →Hans Zimmermann, musikalische Leitung: Hans Swarowsky). Weitere Höhepunkte waren Arcesius in d’Alberts "Die toten Augen", die Titelrolle in →Volkmar Andreaes "Die Abenteuer des Casanova", Claudio in Berlioz’ "Béatrice et Bénédict", Fürst Igor in Borodins gleichnamiger Oper, Agamemnon in Glucks "Iphigénie en Aulide", Papageno in Mozarts "Die Zauberflöte", Scarpia in Puccinis "Tosca", Jochanaan in Richard Strauss’ "Salome", Amfortas in →Richard Wagners "Parsifal" und Wolfram von Eschenbach in dessen "Tannhäuser", die Titelpartie in Jaromír Weinbergers "Schwanda der Dudelsackpfeifer" sowie die Mitwirkung in den Uraufführungen von →Paul Burkhards "Casanova in der Schweiz" (1943 als Casanova, Regie: Zimmermann, musikalische Leitung: →Victor Reinshagen), →Paul Hindemiths "Mathis der Maler" (1938 als Truchsess von Waldburg, Regie: →Karl Schmid-Bloß/Zimmermann, musikalische Leitung: →Robert F. Denzler) und Bernhard Paumgartners "Rossini in Neapel" (1936 als Wirt, Regie: Heinz Rückert, musikalische Leitung: Reinshagen). In Zürich sang R. überdies in den Schweizer Erstaufführungen von →Othmar Schoecks "Massimilla Doni" (1937 Fürst Vendramin) und "Das Schloss Dürande" (1943 Renald Vomholtz) sowie von →Heinrich Sutermeisters "Romeo und Julia" (1940 Escalus) und "Die Zauberinsel" (1942 Alonso). Während der Kriegs- und Krisenjahre waren R.s Gastverpflichtungen fast ausschliesslich auf die Schweiz beschränkt: Er trat auf am →Grand Théâtre in Genf (1941–49 unter anderem Guglielmo in Mozarts "Così fan tutte", Kurwenal in Wagners "Tristan und Isolde"), am →Stadttheater Basel (unter anderem 1946 Balstrode in der deutschsprachigen Erstaufführung von Brittens "Peter Grimes", Regie: →Egon Neudegg, musikalische Leitung: →Alexander Krannhals), am →Stadttheater Bern (1944–48 unter anderem Carlo Gérard in Giordanos "Andrea Chénier", Oreste in Glucks "Iphigénie en Tauride", Tonio in →Ruggero Leoncavallos "I pagliacci", Titelrolle in Mozarts "Don Giovanni", verschiedene Partien in Opern von Richard Strauss, Verdi und Wagner sowie 1945 Schaklowity in der Schweizer Erstaufführung von Mussorgskys "Chowanschtschina", Regie und musikalische Leitung: →Otto Ackermann), am →Stadttheater Luzern (1941/42 Sharpless in Puccinis "Madama Butterfly" und Giorgio Germont), am →Stadttheater St. Gallen (1937/38 Graf von Liebenau in Lortzings "Der Waffenschmied", 1938/39 Marcello in Puccinis "La Bohème" und Rigoletto) sowie am →Städtebundtheater Biel-Solothurn (1943/44 Figaro in Rossinis "Il barbiere di Siviglia"). Nach dem Krieg machte R. eine internationale Karriere. 1946–50 war er als ständiger Gast mit der Wiener Staatsoper im Theater an der Wien verbunden. Zudem wirkte er an der Covent Garden Opera London (unter anderem 1952 Titelpartie in der englischen Erstaufführung von Bergs "Wozzeck"), bei den Festspielen von Edinburgh und Glyndebourne (unter anderem Titelrolle in Verdis "Macbeth" und Nick Shadow in Strawinskys "The Rake’s Progress"), an der New York City Opera, in New Orleans, Paris (Opéra und Opéra Comique), am Teatro Colón Buenos Aires, an der Städtischen Oper Berlin (1954/55 Titelpartie in Verdis "Nabucco") und erneut an der Staatsoper Wien. Zwischen 1954 und 1956 gastierte R. in Zürich unter anderem als Apollon in →Arthur Honeggers "Amphion", Haemon in dessen "Antigone" und Raimond in Schoecks "Venus". Zwischen 1959 und 1964 trat er an der Metropolitan Opera New York auf. Bedeutender Konzert- und Liedsänger. R. wirkte auch als Komponist (vor allem Kammermusik und Lieder). Pädagogische Tätigkeit an der Indiana University in Bloomington (1955–79) sowie an der Rubin Academy of Music in Jerusalem (1981–82). 1941 war R. in Zürich Mitbegründer und später Präsident von Omanut, einem Verein zur Förderung jüdischer Kunst in der Schweiz. 1951 erschien in Zürich sein später auch in englischer Sprache publiziertes Buch "Die Musik der Juden". Einspielungen auf Tonträger.



Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Marko Rothmüller, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1533–1534, mit Abbildung auf S. 1534.