Martino Müller

Aus Theaterlexikon
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* 5.4.1963 Aarau AG, eigentlich Martin.

Ausbildung zum Tänzer bei →Marianne Fuchs an der Theatertanzschule in St. Gallen. Bereits 1982 tanzte M. am →Stadttheater St. Gallen in Delibes’ "Coppélia" (im Corps de Ballet, Krieg). Sein erstes Engagement erhielt er 1983/84 am Badischen Staatstheater Karlsruhe. 1984–86 tanzte er beim Stuttgarter Ballett unter Marcia Haydée und 1986–95 bei Jiří Kyliáns Nederlands Dans Theater in dessen Choreografien "Kaguyahime" (1988, Musik: Maki Ishii), "Tantz-Schul" (1989, Musik: Mauricio Kagel), "Sweet Dreams" (1990, Musik: Anton Webern), "Petite mort" (1991, Musik: Mozart) und anderen. Bereits 1985 entstand mit "Bach" M.s erste Choreografie für die Theatertanzschule des Stadttheaters St. Gallen (unter Fuchs), für die er 1986 erneut choreografierte. Für das Ballett des Stadttheaters St. Gallen schuf er 1988 "News" (Musik: Richard Strauss). Im Folgenden choreografierte er unter anderem 1992 "Who’s Watching Who?"für das Nederlands Dans Theater NDT II (Musik: unter anderen Paul Winter, Paul Halley, Jan Schouten) und "A Woman Can Take You to Another Universe – Sometimes She Just Leaves You There" für das Festival der Künste im österreichischen Bad Gleichenberg (Musik: Arvo Pärt, John Lurie, Zbigniew Preisner und andere; 1993 vom NDT I übernommen) sowie 1994 "Heidi" für das NDT I (Musik: Lou Harrison, Heitor Villa-Lobos, Giya Kancheli, 1999 mit der Kompanie Ballet Met in Columbus, Ohio, erneut einstudiert). Nachdem M. 1995 seine Karriere als Tänzer beendet hatte, widmete er sich ganz der Choreografie. Unter anderem entstanden 1995 für das Donau Ballett (Ballettkompanien der Balkanländer) "Dear Life" (Musik: Zbynek Mateju, Koproduktion des kroatischen Nationaltheaters in Zagreb und des Holland Dance Festival in Den Haag) und für das Ballett der Opéra national de Lyon "Le Jour même", 1996 für das Ballett des →Stadttheaters Bern unter →Martin Schläpfer "Ever So, Never So" (Musik: Steve Reich, Pärt und andere) und für das Genfer →Ballet junior "Encore trois avant toi" (Musik: Johann Strauß), 1997 für das Stuttgarter Ballett "R. A. M."(Musik: DJ Jad McAdam, 1999 erneut mit dem Ballett der Göteborgs Operan einstudiert) und für die Deutsche Oper Berlin "Outside Looking In", 1998 für das Ballet Gulbenkian in Lissabon "Loving Stone", 2001 als sein erstes abendfüllendes Ballett Prokofjews "Romeo und Julia" für das Ballett der Göteborgs Operan sowie, nach dem Erarbeiten des Solos "Beauty 1.0" für Gioconda Barbuto, Tänzerin am Nederlands Dans Theater NDT III, 2004 "Beauty 2.0" für das Ballett des →Theaters Basel (Musik: Gavin Bryars) und "Beauty 3.0" für das Ballett des Saarländischen Staatstheaters Saarbrücken. Ausserdem übernahm M. 1997 die Choreografie für Shakespeares "Hamlet" des niederländischen Theater de Regentes (Regie: Guusje Eijbers) und 1998 für Lullys Oper "Der Bürger als Edelmann" an der Komischen Oper Berlin (Regie: Jean Cabane). 1998 begann M. für Musicals zu choreografieren und wirkte in der erfolgreichen Produktion von "Notre Dame de Paris" mit (Musik: Riccardo Cocciante, Buch: Luc Plamondon nach Victor Hugo, Regie: Gilles Maheu, uraufgeführt im Palais des Congrès in Paris, anschliessend auch in Kanada, den USA, England und Italien) und choreografierte 2002 die Rockoper "Cindy" (Musik: Romano Musumarra, Buch: Plamondon, Regie: Lewis Furey/Gilles Maheu, Palais des Congrès). Zudem war M. 2001 Mitglied und 2002 Präsident der Jury des →Prix de Lausanne. Auszeichnungen: 1982 bester Schweizer beim Prix de Lausanne, 1992 Preis des Amsterdamse Fonds voor de Kunsten, 1995 Förderpreis der Jacob Burckhardt-Stiftung in Basel, 1996 Prix Benois de la Danse.



Autorin: Julia Wehren



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Wehren, Julia: Müller Martino, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1287.

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