Mary Wigman

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* 13.11.1886 Hannover (D), † 18.9.1973 Berlin (D), eigentlich Marie Wiegmann.

Ausbildung ab 1910/11 bei →Émile Jaques-Dalcroze im ersten Lehrgang der Bildungsanstalt für Rhythmische Gymnastik in Hellerau, 1913 bei →Rudolf von Laban auf dem →Monte Verità, in München und Zürich an der →Labanschule für Bewegungskunst. Nach ersten Auftritten in München, bei Schulaufführungen in Zürich und bei der Museumseröffnung in Winterthur 1917 Debüt mit Soloprogramm am →Pfauentheater Zürich. Experimentierte mit musiklosem Tanz; schuf Bewegungsfolgen über bildende Kunst und Dichtung (unter anderem zu Nietzsches "Also sprach Zarathustra" und zu Felix Berans Gedichten), tanzte zu Geräuschen und rhythmisch strukturierten, inhaltslosen Lautfolgen. Mit den Dadaisten war sie befreundet, tanzte aber nie auf deren Soireen, sondern nur auf privaten Festen. Erste Erfolge 1918 in Davos. Setzte sich als überragende Ausdruckstänzerin mit den Programmen "Ekstatische Tänze (Nonne, Opfer, Tempeltanz, Götzendienst)" und vier "Ungarische Tänze" (Musik: Brahms) 1919 am Pfauentheater und am →Stadttheater Zürich durch. Das gleiche Programm zeigte W. auf Deutschlandtournee und fand vor allem in Hamburg und Dresden Anerkennung. Der Plan, in Zürich eine eigene Schule zu gründen, scheiterte, da sie die notwendige Aufenthaltsgenehmigung nicht erhielt. 1920 Gründung der Wigman-Schule in Dresden, die zu einem Zentrum des neuen tänzerischen Kunstwollens und einer von der individuellen Persönlichkeit bestimmten Bewegungslehre wurde. Unterrichtete dort zahlreiche Schweizer Schülerinnen und Schüler und blieb privat und künstlerisch stets in Verbindung mit der Schweiz: 1924–28 erarbeitete W. zum Beispiel während ihrer Ferienaufenthalte in Uttwil am Bodensee neue Tänze wie den berühmten "Hexentanz II" (1926); regelmässig gastierte sie mit ihrer Kammertanzgruppe und den Soloprogammen in vielen Schweizer Städten. W. hatte grossen Einfluss auf den Ausdruckstanz in der Schweiz, der trotz ihrer Verstrickungen mit der nationalsozialistischen Kulturpolitik und auch nach ihrem Abschied von der Bühne anhielt. 1948–57 vermittelte sie ihre Pädagogik und Tanzauffassung an den internationalen Sommerkursen des →SBTG in Zürich und Magglingen im Kanton Bern einem Schülerkreis aus aller Welt weiter und gab Kurse an einzelnen Schulen.

Literatur

  • W., M.: Deutsche Tanzkunst, 1935.
  • W., M.: Die Sprache des Tanzes, 1963.
  • Müller, Hedwig: M. W. Leben und Werk der grossen Tänzerin, 1986.
  • Sorell, Walter: M. W. Ein Vermächtnis, 1986.
  • Frisch-Vivié, Gabriele: M. W., 1998.

Nachlass

  • Akademie der Künste Berlin,
  • Deutsches Tanz­archiv Köln.


Autorin: Ursula Pellaton



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Pellaton, Ursula: Mary Wigman, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2104.

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