Matthias Zschokke

Aus Theaterlexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

* 29.10.1954 Bern.

Aufgewachsen in Ins, Ausbildung zum Schauspieler 1973–76 an der →Schauspiel-Akademie Zürich, danach erste Engagements am →Schauspielhaus Zürich und am →Theater an der Winkelwiese in Zürich, 1976 am Staatstheater Stuttgart, 1977–79 am Schauspielhaus Bochum bei Peter Zadek. Seit 1980 lebt Z. als Schriftsteller, Theaterautor und Filmregisseur in Berlin. Z. interessiert sich in seinen Stücken für Menschen, die von der Welt Abschied genommen haben. Die Figuren, die seine Romane und Theaterstücke bevölkern, fürchten sich vor dem seelischen und physischen Stillstand und finden doch keine Rezepte, sich dagegen zu wehren. Einige flüchten in Fantasiewelten, um dort eine genauso melancholische Existenz zu fristen. Z.s Prosa- und Theatertexte sind dabei wiederholt aufeinander bezogen: Das Theaterstück "Elefanten können nicht in die Luft springen, weil sie zu dick sind – oder wollen sie nicht –"(Uraufführung 10.5.1986, Theater zum westlichen Stadthirschen Berlin) ist in den Roman "Prinz Hans" (1984) integriert, der Roman "ErSieEs" (1986) enthält Z.s Theaterreflexion "Berlinische Dramaturgie", und sein Roman "Piraten" (1991) spiegelt in ironisch-zynischer Weise das Leben derselben Figuren, die auch im Theaterstück "Brut" (Uraufführung 18.11.1988, Schauspiel Bonn) vorkommen. Im Roman sind sie Schauspieler, die verzweifelt versuchen, das Theaterstück aufzuführen, was ihnen selbstverständlich nicht gelingt. Weitere Bühnenwerke: "Die Alphabeten" (Uraufführung 25.9.1994, →Stadttheater Bern), "Der reiche Freund" (Uraufführung 18.3.1995, Staatstheater Hannover), "Die Exzentrischen" (gezeigt am Stückemarkt des Berliner Theatertreffens 1997), "Die singende Kommissarin" (Uraufführung 17.1.2002, Renaissance-Theater Berlin), "Die Einladung" (bislang nicht uraufgeführt). Z. verfasste auch die Romane "Max" (1982), "Der dicke Dichter" (1995) und zuletzt den Erzählband "Ein neuer Nachbar" (2002); er ist Regisseur der Filme "Edvige Schmitt" (1985), "Der wilde Mann" (1988) und "Erhöhte Waldbrandgefahr" (1996).

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1981 Robert-Walser-Preis der Stadt Biel,
  • 1985 Buchpreis des Kantons Bern,
  • 1992 Gerhard-Hauptmann-Preis (für "Die Alphabeten"),
  • 1994 Preis der Welti-Stiftung für das Drama (für "Der reiche Freund"),
  • 1996 Aargauer Literaturpreis,
  • 2000 Buchpreis des Kantons Bern.


Autor: Thomas Guglielmetti



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Guglielmetti, Thomas: Matthias Zschokke, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2156.

Normdaten