Max Haufler

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* 4.6.1910 Basel, † 25.6.1965 Zürich. ∞ II. 1951 →Walburga Gmür, Schauspielerin. Vater der Schauspielerin →Janet H.

Mit siebzehn Jahren begann H. zu malen, schloss sich später der Basler Gruppe 33 an, bis er 1935 abrupt seine Karriere als bildender Künstler beendete. H. wandte sich dem Cabaret zu und trat beim Kabarett →Resslirytti in Basel auf. Im volkstümlichen Film "S Vreneli am Thunersee" spielte H. als Autodidakt eine erste kleine Rolle. Zusammen mit →Charles F. Vaucher gründete H. 1938 die Clarté Film AG Basel und realisierte den Film "Farinet" (nach dem Roman von →Charles Ferdinand Ramuz, mit Jean-Louis Barrault in der Titelrolle). 1941 führte H. Regie beim Dialektfilm "Emil, me mues halt rede mitenand" (nach einem Drehbuch von →Kurd E. Heyne). Wie schon 1940 auf der Bühne des →Stadttheaters Basel spielte H. auch in →Sigfrit Steiners Verfilmung von →Albert Jakob Weltis "Steibruch" (1942) den geistig zurückgebliebenen Näppi. 1942 führte er Regie beim Film "Menschen, die vorüberziehen" (nach →Carl Zuckmayers "Katharina Knie", mit →Adolf Manz, →Ellen Widmann, Marion Cherbuliez, →Lukas Ammann, →Therese Giehse). 1949–52 entfaltete H. sein reiches komödiantisches Talent im →Cabaret Federal in Zürich. 1951–57 spielte er als Gast am →Schauspielhaus Zürich (unter anderem 1951 Herzog in Shakespeares "Die beiden Veroneser", Regie: →Leonard Steckel, und La Trémouille in Shaws "Die heilige Johanna", 1952 diverse Rollen in →Jakob Bührers "Das Volk der Hirten", 1955 Napoleon in →Max Frischs "Die chinesische Mauer", Regie: →Leopold Lindtberg, 1956 Koby in der Uraufführung von →Friedrich Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame", Regie: →Oskar Wälterlin), daneben gastierte er unter anderem am →Theater am Central in Zürich (1955 Candy in Steinbecks "Von Mäusen und Menschen", Regie: →Werner Düggelin) und an der →Komödie Basel (1954 Dimitri Gorotschenko in Jacques Devals "Towarisch", Regie: →Leopold Biberti). 1957–59 engagierte ihn Düggelin ans Landestheater Darmstadt (unter anderem Titelrollen in Schehadés "Herr Bob’le" und in Frischs "Biedermann und die Brandstifter"). Im Film fand H., der nie eine Schauspielschule besucht hatte, seine Form und sein Format. →Franz Schnyder besetzte ihn als Bösewicht in →Gotthelf-Verfilmungen (1958 Eglihannes in "Die Käserei in der Vehfreude", 1964 Dorngrütbauer in "Geld und Geist"), →Kurt Früh erfand 1959 für ihn die Figur des barschen, aber sensibeln Clochards Barbarossa in "Hinter den sieben Gleisen". Trotz seiner internationalen Erfolge (H. spielte 1961 neben Kirk Douglas in Gottfried Reinhardts "Town Without Pity", 1963 neben Anthony Perkins, Romy Schneider und Jeanne Moreau in Orson Welles’ Kafka-Verfilmung "Der Prozess", 1965 neben →Yul Brynner und Marlon Brando in →Bernhard Wickis "Morituri") verzweifelte H. an der Schauspielerei. Er sah sich selbst als Filmregisseur, und nachdem er während Jahren versucht hatte, →Otto F. Walters "Der Stumme" zu verfilmen, beging er Suizid. 1983 porträtierte Richard Dindo H. in seinem Dokumentarfilm "Max Haufler, ‹Der Stumme›".

Auszeichnungen

  • 1963 Kulturpreis der Stadt Zürich.

Literatur

  • Schweizerisches Filmzentrum (Hg.): M. H., Texte zum Schweizer Film 6/1982.


Autor: Thomas Hostettler



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Hostettler, Thomas: Max Haufler, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 804–805, mit Abbildung auf S. 804.

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