Michael Hampe

Aus Theaterlexikon
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* 3.6.1935 Heidelberg (D).

Cello-Ausbildung (mit Konzertdiplom) unter anderem an der Syracuse University. Nach dem Abitur Schauspielausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule München. Anschliessend Studium der Theater- und Musikwissenschaften sowie Germanistik in Heidelberg, München und Wien. Promotion bei Heinz Kindermann in Wien mit einer Dissertation über die Entwicklung der Bühnentechnik. Erste Engagements 1958/59 als Schauspieler am Nordmark-Landestheater Schleswig sowie 1959/60 als Schauspieler und Regieassistent am Nationaltheater Mannheim. 1961–63 war H. als Schauspieler, Regisseur und Dramaturg unter der Direktion von →Horst Gnekow am →Stadttheater Luzern engagiert, wo er unter anderem Giraudoux’ "Intermezzo", →Max Frischs "Biedermann und die Brandstifter" und "Die grosse Wut des Philipp Hotz" sowie Nestroys "Einen Jux will er sich machen" inszenierte. 1963–65 zeichnete H. am →Stadttheater Bern für rund zehn Schauspiel- und Opernaufführungen verantwortlich, beispielsweise Sophokles’ "König Oedipus", Goethes "Faust I", →Bertolt Brechts "Leben des Galilei", Mozarts "Die Zauberflöte" und "Idomeneo" sowie →Heinrich Sutermeisters "Der rote Stiefel". Zugleich Regieassistent bei →Leopold Lindtbergs Inszenierungen von Goethes "Faust I" und "Faust II" an den Salzburger Festspielen. 1965–70 wirkte H. am →Schauspielhaus Zürich, bis 1969 als Regisseur und persönlicher Referent des Direktors Lindtberg, danach als Gastregisseur. Dort inszenierte er unter anderem Lessings "Minna von Barnhelm", Brechts "Mann ist Mann", Nestroys "Der Talisman", Molières "Die Schule der Frauen", Millers "Der Preis" und Arnold Weskers "Die Küche". In Zürich führte H. zudem 1967 Regie bei der Uraufführung von Heinrich Sutermeisters "Madame Bovary" am →Opernhaus und lehrte am →Internationalen Opernstudio. Parallel dazu und danach weitere Opern- und Schauspielregien, etwa an der Bayerischen Staatsoper München und am Theater Bremen. 1972–75 Intendant des Nationaltheaters Mannheim; Lehrauftrag an der Staatlichen Musikhochschule. 1975–95 Intendant der Kölner Oper, die sich unter seiner Leitung zu einem der wichtigsten europäischen Musiktheater entwickelte und zahlreiche Ur- und Erstaufführungen präsentierte. Es wurden Zyklen mit Werken von →Richard Wagner, Rossini, Mozart, Janáček und Britten erarbeitet, und es konnten viele berühmte Interpretinnen und Interpreten verpflichtet werden. Wichtige Kölner Inszenierungen H.s waren Verdis "Falstaff" (1976), Henzes "Wir erreichen den Fluss" (1977), Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg" (1979), Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen" (1980), Brittens "The Turn of the Screw" (1983) und Bergs "Lulu" (1994). Seine Inszenierung von Cimarosas "Die heimliche Ehe" (1979) wurde ein Welterfolg und an zahlreichen Orten (unter anderem in Edinburgh, London, Paris, Stockholm und Tokio) als Gastspiel gezeigt sowie 1983 mit dem Londoner Olivier Award ausgezeichnet. 1984–95 koordinierte H. eine enge Zusammenarbeit der Kölner Oper mit den Schwetzinger Festspielen, ebenso mit den Internationalen Musikfestwochen Luzern. 1986–89 war H. zudem Mitglied des Direktoriums der Salzburger Festspiele, für die er in Zusammenarbeit mit Herbert von Karajan, Riccardo Muti und Henze mehrere Inszenierungen schuf, unter anderem 1985 die Uraufführung von Henzes Monteverdi-Adaption "Il ritorno d’Ulisse in patria". Zum Mozartjahr 1991 gelangten seine Inszenierungen von Mozarts "Così fan tutte", "Don Giovanni" und "Le nozze di Figaro" zur Aufführung. 1993–2000 war H. Intendant der Dresdner Musikfestspiele. Seit 1997 Inszenierungen bei den Händel-Festspielen Karlsruhe, darunter die Uraufführungen von Siegfried Matthus’ "Farinelli" (1998) und Winfried Maria Danners "Die Sündflut" (2002). H. inszenierte an den grossen Opernhäusern der Welt und bei internationalen Festivals. Viele seiner insgesamt mehr als 200 Inszenierungen wurden für das Fernsehen verfilmt. In der Schweiz inszenierte H. nach 1970 noch vereinzelt, so in Zürich am Opernhaus (1975 Puccinis "Manon Lescaut", 1987 Rossinis "L’Italiana in Algeri", 1988 Richard Strauss’ "Der Rosenkavalier" und 1989 Verdis "Un ballo in maschera") und am Schauspielhaus (1976 Nestroys "Höllenangst") sowie am →Grand Théâtre in Genf (1977 Mozarts "Le nozze di Figaro"). H. übernimmt auch gelegentlich Rollen als Schauspieler in Fernsehfilmen. Lehrtätigkeit an der Staatlichen Musikhochschule und der Universität Köln, an der Universität Wien sowie als Gastdozent in Tokio und Los Angeles. H. gilt ausserdem als Experte in Fragen des Theaterbaus und wurde für zahlreiche grosse Bau- und Renovationsprojekte als Berater zugezogen, unter anderem von der Opéra Bastille, Paris, und dem Nationaltheater Tokio. 1977–82 war er Vizepräsident der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft. H. ist ausserdem Vorstandsmitglied der Europäischen Musikakademie Wien. 2000 erschien der Band "Alles Theater" mit einer Auswahl von H.s Reden und Aufsätzen. Auszeichnungen: zahlreiche internationale Auszeichnungen, darunter 1995 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Literatur

  • Oper in Köln. M. H. 1975–1985, gestaltet und herausgegeben von Irmgard Scharberth, 1985.
  • Oper in Köln. 20 Jahre Intendanz M. H., 1975–1995, 1995.


Autor: Ute Kröger



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Kröger, Ute: Michael Hampe, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 791–792, mit Abbildung auf S. 192.

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