Michel de Lutry

Aus Theaterlexikon
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* 11.12.1923 London (GB), † 30.9.2000 München (D), eigentlich Michel Paschoud de Lutry. ∞ Domini Callaghan, Tänzerin.

Ausbildung bei Ljubov Egorova und Victor Gsovsky in Paris und bei Tamara Karsawina, Lydia Sokolova, Stanislaw Idzikowski und Nicholas Sergejev in London. Solotänzer 1939/40 am Théâtre Marigny und 1940–45 am Théâtre du Châtelet in Paris, 1946–49 beim International Ballet Mona Inglesby und 1949/50 beim Metropolitan Ballet in London. L. choreografierte für Filme der Metro-Goldwyn-Mayer, war ab 1950 Ballettmeister in London und New York und leitete 1958–61 das Ballett des Theaters am Gärtnerplatz in München. 1961 kam er ans →Stadttheater Zürich und versuchte während zwei Spielzeiten, mit der zwanzigköpfigen Truppe ein traditionelles Repertoire durchzusetzen: 1961/62 wurde "Coppélia" (Musik: Léo Delibes) mit Maria Santesteva als Swanilda und Joseph Savino in der Rolle des Franz als Weihnachtsmärchen für Kinder inszeniert und deshalb mehr pantomimisch erzählt als getanzt. In der Aufführung von "Giselle ou les Wilis" (Musik: Adolphe Adam) 1962/63 folgte L. enger der traditionellen Überlieferung. Mit Domini Callaghan in der Titelrolle, Flemming Flindt als Herzog Albrecht, Asa Lanova als Myrtha und Egon Madsen im Bauern-Pas-de-deux setzte er Gäste ein; das eigene Corps de ballet stellte zwölf Wilis. Die Interpretation wurde als respektabel empfunden und brachte es auf zehn Vorstellungen. Weniger erfolgreich waren die Tanzeinlagen im Musical "Carnival". L. war in Zürich an siebzehn Produktionen beteiligt, so choreografierte er etwa die Uraufführungen von →Paul Burkhards "Aschenbrödel" (1962) und "Barbasuk" (1961). 1963–66 war L. an den Städtischen Bühnen Dortmund und seither in wechselnden Funktionen als Ballettmeister, Pädagoge und Charakterdarsteller in München an der Bayerischen Staatsoper, an der Tanzabteilung der Musikhochschule und der Heinz-Bosl-Stiftung tätig.



Autorin: Ursula Pellaton



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Pellaton, Ursula: Michel de Lutry, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1143.

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