Migros-Tanzstipendien

Aus Theaterlexikon
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Die M., bis 1999 Migros-Ballettstipendien genannt, werden seit 1971 jährlich vom Kulturprozent des Migros-Genossenschafts-Bunds zur Förderung von Balletttänzerinnen und -tänzern und zur Finanzierung ihrer abschliessenden Berufsausbildung vergeben. Zur Zeit der erstmaligen Verteilung mussten sich junge Tänzerinnen und Tänzer in der Schweiz für eine professionelle Tanzausbildung ins Ausland begeben, da die Schweiz dazu keine Möglichkeit bot. Vergeben wurden im ersten Jahr neun Stipendien von 600 Franken im Monat. Die Institution, zunächst unter der langjährigen Leitung der Gründerin Ursula Mürkens, wurde zunehmend ausgebaut. Im Jahr 2003 beispielsweise betrug das Stipendium 1200 Franken im Monat. Jährlich werden fünf Stipendien neu vergeben, die zweimal um ein weiteres Jahr verlängert werden können, und zwar ausschliesslich für den Besuch einer der vom Migros-Genossenschafts-Bund anerkannten Ausbildungsstätten, die dank eines vollständigen Ausbildungsprogramms mit Hauptakzent auf klassischem Tanz eine technische und künstlerische Ausbildung bis zur Bühnenreife gewährleisten. Seit Ende der neunziger Jahre wird der Ausbildung in zeitgenössischem Tanz mehr Bedeutung eingeräumt, und die Auswahl der Schulen wurde dementsprechend erweitert. Bewerben können sich Schweizer Bürgerinnen und Bürger und Angehörige anderer Nationen, die seit mindestens vier Jahren in der Schweiz wohnhaft sind. Sie müssen zwischen fünfzehn und neunzehn Jahre alt sein und über eine vorprofessionelle klassische Tanzausbildung verfügen. Eine international zusammengesetzte Jury wählt aus den Bewerberinnen und Bewerbern anlässlich einer Audition aus. 1971 bis Mitte der achtziger Jahre wurde die Jury von dem Mitbegründer →Rudolf Liechtenhan präsidiert. Anschliessend übernahm Mürkens die rein organisatorische Juryleitung, bis 1994 →Richard Merz neuer Jurypräsident wurde. Seit 1999 gibt es keinen Jurypräsidenten mehr. Weil in den frühen Jahren das Niveau der Kandidatinnen und Kandidaten ziemlich tief war, wurden die Ballettberufsberatungstage eingeführt, an denen die künstlerische und anatomische Eignung der Bewerberinnen und Bewerber abgeklärt wird. 1997 übernahm der →Schweizerische Ballettlehrer-Verband deren Durchführung. Die M. haben international einen sehr guten Ruf und viel zur Förderung des Schweizer Nachwuchses beigetragen. Ehemalige Stipendiatinnen und Stipendiaten sind unter anderen →Stéphane Prince, →Xavier Ferla, François Passard, →Pierre Wyss, →Martin Schläpfer, →Martino Müller, →Christina McDermott und →Kusha Alexi.



Autorin: Lilo Weber



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Weber, Lilo: Migros-Tanzstipendien, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1246–1247.