Mo Moll Theater, Wil SG

Aus Theaterlexikon
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Freie Gruppe mit festem Kernensemble und Gästen im Stückvertrag, ohne eigene Spielstätte

Das M. wurde 1985 in Zürich von fünf Schülern der →Schauspiel-Akademie Zürich, unter anderen Claudia Rüegsegger und →Jordi Vilardaga gegründet. Rechtsträger war zunächst eine einfache Gesellschaft, seit 1993 ist das M. als Verein mit zur Zeit rund 350 Mitgliedern organisiert. Der Vorstand des bis 1996 in Wattwil ansässigen Vereins bildet zugleich die Theaterleitung (seit 2002 in der Zusammensetzung: Schauspielerin und Produktionsleiterin Rüegsegger, Bühnenbildner und technischer Leiter Michael Oggenfuss, Theaterpädagoge und Regisseur Jürg Schneckenburger und Schauspielerin Barbara Schüpach). Diese ist für die Konzeption und die Realisierung der Produktionen verantwortlich; die Mitgliederversammlung entscheidet über langfristige Ziele und das Budget. Stimmberechtigt sind die Aktivmitglieder, das heisst alle professionellen Theaterschaffenden, die in mindestens einer Produktion mitgewirkt haben. Finanziell unterstützt wird das M. durch Produktionsbeiträge der Kantone St. Gallen, Schaffhausen und Thurgau, verschiedener Städte und Gemeinden sowie von Stiftungen, Sponsoren und Privatpersonen. Bezüglich des künstlerischen Konzepts haben sich im Laufe der Zeit drei Schwerpunkte herauskristallisiert: Das M. realisiert modernes Volkstheater in grossen Freilichtproduktionen mit zehn und mehr Schauspielerinnen und Schauspielern, wobei meist bekanntere und anspruchsvolle Stoffe in unterhaltsamen Inszenierungen zwischen Strassentheater und Festspiel gezeigt werden (1988 "Die einzig wahre Geschichte der guten Königin Esther" nach Salvador Espriu, 1990 "Kolumbus oder Die Faust, die Phrase und das Geld" nach Jura Soyfer, Regie beide: Vilardaga; 1995 Uraufführung von Ralf Königs "Lysistrata", Regie: Vilardaga/Schneckenburger; 1998 Uraufführung von →Paul Steinmanns "Die Brücke am Switzerland River", Regie: Vilardaga). Daneben bringt es Stücke und Produktionen mit kleineren Besetzungen zur Aufführung (unter anderem 1993 José Sanchis Sinisterras «¡Ay, Carmela!», 1994 Uraufführung von Isolde Schaads "Auroras Nachlass", 1996 "Der Grund der Dinge" nach Kurzgeschichten von Quim Monzó, Regie jeweils: Vilardaga). Seit 1993 führt das M. ausserdem einen Jugendclub, in dem Jugendliche unter professioneller Leitung Stücke erarbeiten (unter anderem 1994 Göran Tunströms "Wo Gott hockt oder Die letzte Frage", 1997 Steinmanns "Die Memphis-Brothers", 1999 Andri Beyelers "Tschüss. Andrea", Regie jeweils: Schneckenburger). Geprägt wurde das M., das seine Aufführungen vor allem in den Kantonen St. Gallen, Thurgau und Schaffhausen, aber auch in der übrigen Deutschschweiz und im angrenzenden Ausland zeigt, durch die langjährige Tätigkeit des Mitbegründers und Regisseurs Vilardaga (1985–99) und des Ausstatters und Dramaturgen Alex Müller (1988–94). Verbandsmitglied: ASTEJ, →VTS, →KTV.

Auszeichnungen

  • 2001 ASTEJ-Preis für Kinder- und Jugendkultur,
  • 2002 Carl-Oechslin-Preis der gleichnamigen Stiftung an den Jugendclub.

Literatur

  • 1985–1995: 10 Jahre M. Ein Rückblick, 1995 [Dokumentation].


Autor: Jean Grädel



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Grädel, Jean: Mo Moll Theater, Wil SG, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1259–1260, mit Abbildung auf S. 1259.