Musical-Theater, Zürich ZH

Aus Theaterlexikon
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Spielstätte für Musicals, Eigenproduktion mit Stückverträgen und Gastspiele

1991 mieteten Vincent und →Eynar Grabowsky eine Fabrikhalle der Asea Brown Boveri AG (ABB) in der Oerlikoner Industriezone, um Lloyd Webbers Musical "Cats", dessen Aufführungsrechte sie Ende 1990 erhalten hatten, nach Zürich zu bringen. Rechtsträger war die Bernhard Theater AG (ab Dezember 1995 abgelöst durch die neu gegründete Musical-Theater AG). Mit einer wegen zonenfremder Nutzung notwendigen Spielbewilligung der Stadt Zürich für sechs Monate, aber ohne Subvention der öffentlichen Hand (dafür mit Sponsorengeldern) wurde das M. am 9.8.1991 mit "Cats" eröffnet. Diese Produktion entwickelte sich mit rund tausend Aufführungen und einer Million Zuschauerinnen und Zuschauern zum erfolgreichsten Musical der Schweizer Theatergeschichte und löste in der Schweiz einen Musical-Boom aus. Geprägt wurde die Geschichte von "Cats" auch durch die von der Öffentlichkeit beachtete Auseinandersetzung zwischen Betreibern und Behörden um die jeweils halbjährliche Verlängerung der Spielbewilligung (bis 31.12.1993, letztmals vom 16.10. bis 31.12.1994). Ein Gesuch Eynar Grabowskys, das M. für Lloyd Webbers "The Phantom of the Opera" umzubauen, wurde von den Behörden Anfang 1994 abgelehnt (was zur Entstehung des →Musical-Theaters Basel führte). Im Januar 1995 erhielten die Betreiber von der Rekursinstanz nochmals eine dreijährige Spielbewilligung zugesprochen. Daraufhin wurde das M. an verschiedene Musical-Veranstalter für Gastspiele untervermietet. Neue Eigenproduktionen waren zwar geplant, scheiterten jedoch an der katastrophalen finanziellen Situation der Theater­unternehmen Grabowskys (→Bernhard-Theater, Tourneeveranstalter Scala Theater AG), welche unter anderem auf eine defizitäre Europa-Tournee von "Cats" (ab Anfang 1994) zurückging. Im Juni 1996 kündigte die ABB den noch über die Bernhard Theater AG laufenden Mietvertrag wegen ausstehender Mieten. Am 21.12.1996 wurde das M. mit einem Gastspiel von Harry Warrens "42nd Street" von neuen Mietern, dem deutschen Musical-Produzenten Wolfgang Bocksch und der Luzerner Promotionsfirma Ovation Marketing AG von Beat Fischer, wieder eröffnet. Diese veranstalteten während rund eines Jahres erfolgreich Gastspiele international bekannter Musicals (etwa Lloyd Webbers "Evita", Steven Margoshes’ "Fame"). Im Januar 1998 musste das M. einer Überbauung der ABB weichen (letzte Vorstellung: Leonard Bernsteins "West Side Story", 4.1.1998).

Spielstätte

Binzmühlestrasse 99, 8050 Zürich. Ehemalige Fabrikhalle, 1913 erbaut. Einheitshalle (78 m lang, 24 m breit, 13,7 m hoch) ohne Bühnenturm und Schnürboden. Platzkapazität: zirka 1400 Plätze. 1991 Umbau zum Theater, 1996 Renovation.



Autorin: Tanja Stenzl



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Stenzl, Tanja: Musical-Theater, Zürich ZH, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1300