Musiktheater der Orchestergesellschaft Biel, Biel BE

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Nachdem der Theaterbetrieb des →Städtebundtheaters Biel-Solothurn auf die Saison 1971/72 eingestellt worden war, übernahm es die 1969 gegründete Orchestergesellschaft Biel (OGB), die Musiktheateraufführungen für Biel und Solothurn unter dem Namen M. weiterzuproduzieren. Die rund zwanzig Musiker des bestehenden Theaterorchesters wurden in die OGB integriert. Auf ein ständiges Bühnenensemble für das M. wurde aus finanziellen Gründen zu Gunsten eines Stagionebetriebs verzichtet, ältere, ständige Ensemblemitglieder wurden aber in Einzelverträgen weiterverpflichtet. Spielorte waren vorwiegend die Stadttheater in Biel und Solothurn sowie Abstecherorte, vor allem Burgdorf, Langenthal, La Chaux-de-Fonds, Winterthur, Baden, Visp und Vevey. 1996 wurde das Städtebundtheater Biel-Solothurn als Ensemble Theater der Regionen Biel-Solothurn reorganisiert und im Zuge dessen das Musiktheater wieder eingegliedert. In den 25 Jahren, in denen das M. (ab 1989 "Bieler Musiktheater") existierte, war Eduard Benz dessen administrativer Leiter. Er hatte am 9.9.1969 aus dem Bieler Stadtorchester und verschiedenen anderen Orchestergruppierungen die OGB gegründet und war zunächst bis 1981 deren Präsident, dann bis 1996 Direktor sowie seit 1995 Vizepräsident der Stiftung "Neues Städtebundtheater". Musikalische Oberleiter des M. waren 1971–80 →Jost Meier, 1981–85 Ivan Anguélov, 1985–89 Grzegorz Nowak, 1989–94 Fabrizio Ventura und ab 1994 →Marc Tardue. Künstlerischer Leiter war 1989–96 →Martin Markun. Die Nachwuchsförderung in Biel hatte sowohl im Orchester als auch für Sänger einen grossen Stellenwert. Durch Markun, der zugleich am →Schweizer Opernstudio Biel lehrte, ergab sich eine intensive Zusammenarbeit der beiden Institutionen. Die Studierenden bekamen die Möglichkeit, in Produktionen des M. in zum Teil tragenden Rollen mitzuwirken. Am 3.2.1992 wurde die Stiftung "Junge Schweizer Oper" als Zweckgemeinschaft der OGB und der Schweizer Konservatorien gegründet mit dem Ziel, die Nachwuchsförderung zu tragen und die Zusammenarbeit zwischen dem M. und dem Opernstudio in Biel zu unterstützen. So fand nicht nur eine grosse Zahl von Sängerinnen und Sängern von Biel aus den Zugang zu den Opernhäusern in der Schweiz und im Ausland, auch für junge Dirigenten und Regisseure bot das M. ein Sprungbrett. Namentlich →Georges Delnon, Michael Herzberg und Paul Suter machten in Biel erste Erfahrungen mit der Opernregie, →Daniel Klajner, →Marcello Viotti und andere in der musikalischen Leitung. →Franz Matter, Franz Weber und →Edwin Fabian (Operette) waren als Regisseure, Karl Weingärtner und Walter Perdacher als Ausstatter tätig. Wurde bis 1974 der Spielplan nebst Eigenproduktionen noch durch Gastensembles ergänzt, umfasste er ab 1974/75 sechs Eigenproduktionen pro Saison, je zur Hälfte Opern und Operetten (ab 1981 auch Musicals). Ein programmatisches Rückgrat bildete im eher traditionellen Spielplan neben der französischen Oper und der italienischen Sänger­oper (Rossini, Verdi, Puccini) vor allem Mozart. Meier suchte ansatzweise den Zugang zum neueren Musiktheater (Egk, Menotti, Milhaud, →Heinrich Sutermeister). Die fünf Uraufführungen gingen zumindest teilweise auf Kompositionsaufträge der OGB zurück: Daniel Andres’ "Die Nachtigall der 1000 Geschichten" (1983), René Gerbers "Le Songe d’une nuit d’été"(1984), →Martin Derungs’ "Anna Göldi" (1991), Aubert Lemelands "Le Cachet rouge" und Jost Meiers "Pilger und Fuchs" (beide 1995). Besondere Beachtung fand zudem die Schweizer Erstaufführung von Jost Meiers "Sennentuntschi" (1986).

Auszeichnungen

  • 1986 wurde der OGB die Ehrung für kulturelle Verdienste durch die Stadt Biel verliehen,
  • 1996 Eduard Benz der Grosse Musikpreis des Kantons Bern.

Literatur

  • 25 Jahre Orchestergesellschaft Biel (OGB) (1969–1994). Eine Leistungsbilanz [Broschüre 1994].
  • Gojan, Simone/Krafka, Elke (Hg.): Theater Biel Solothurn – Théâtre Bienne Soleure, 2004.


Autor: Hanspeter Renggli



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Renggli, Hanspeter: Musiktheater der Orchestergesellschaft Biel, Biel BE, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1302–1303.