NVB-Theater, Bern BE

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Amateurtheater, Sprechtheater in Dialekt

1956 unter dem Namen "Neue Volksbühne Bern" (NVB) von →Joseph Aebi-Zryd gegründet, der bis in die siebziger Jahre die Geschäftsführung, Produktionsleitung und Regiearbeit übernahm und zudem Hausautor und Schauspieler war. Das N. wird durch einen Vereinsvorstand geleitet und arbeitet auch mit anderen Regisseuren zusammen. Präsident ist seit 1997 Kurt Lehmann. 2001 wurde der seit der Gründung bestehende Name durch N. ersetzt, wobei die Abkürzung NVB nun für "Nöis Vor Bühni" steht. Die erste Produktion war die Uraufführung von Aebi-Zryds "Dällebach Kari", die 1957–77 über 150 Mal gespielt wurde. In den ersten beiden Jahrzehnten wurden zahlreiche weitere seiner Stücke inszeniert. Das Repertoire des N. umfasst vorwiegend unterhaltsame Stücke, beispielsweise →Cäsar von Arx’ "Vogel friss oder stirb!"(1963, Regie: Aebi-Zryd), Ephraim Kishons "Dr Trouschyn" (1975, Regie: Hans-Dieter Leuenberger), Ray Cooney/John Chapmans "U das am Hochzytsmorge" (1998, Regie: Peter E. Wüthrich) und Molières "Dr Gyzig" (2002, Regie: Hugo Kropf). Zudem spielt das N. Kriminalstücke und Kriminalkomödien, unter anderem "D’Falle" (1966, Text und Regie: Aebi-Zryd), Francis Durbridges "Plötzlech und unerwartet" (1977, Regie: Leuenberger) und →Peter Lotars "Wachtmeister Studer" nach Friedrich Glauser (1996, Regie: Kurt Frauchiger). Seit den achtziger Jahren werden auch ins Berndeutsche übersetzte Stücke anderer Gattungen aufgeführt, darunter Anouilhs "Antigone" (1988), Margarethe von Trottas "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" nach Heinrich Böll (1992, Regie beide: Frauchiger) und Horváths "Der jüngste Tag" (1999, Regie: Renate Adam) sowie vermehrt Einakter, zum Beispiel Tschechows "Dr Bär" (1985) und →Curt Goetz’ "Der Hüratsaatrag" (1994, Regie beide: Kropf). Das N. trat zunächst im Restaurant "Schweizerbund" auf, ab 1966 in der Aula des Gymnasiums Neufeld, ab 1983 einige Jahre im Freien Gymnasium Brückfeld und bereits ab Mitte der siebziger Jahre neben anderen Spielstätten in Bern (beispielsweise auf dem Landgut Fellerstock und im →Kellertheater Katakömbli) regelmässig im →Theater am Käfigturm. In der Regel produziert das N. jährlich zwei Stücke. Seit 1986 wird im Theater am Käfigturm alle zwei Jahre ein Weihnachtsmärchen gezeigt, das wie die anderen grösseren Produktionen von professionellen Theaterschaffenden inszeniert wird. Die kleineren Produktionen finden seit 1999 unter vereinsinterner Regie im →Zytglogge Theater statt. Besonders in den sechziger und siebziger Jahren gab das N. regelmässig Gastspiele bei Amateurtheatertreffen in Deutschland und Österreich sowie bei einzelnen deutschen Amateurtheatergruppen. Seit den achtziger Jahren tritt es regelmässig an den →Theatertagen Aarau auf, beispielsweise 2000 mit der Szenencollage "Mephistos Liebesreigen" (Text und Regie: Kropf). Das N. präsentierte auch einzelne Produktionen am →Internationalen Amateurtheaterfestival Thun, unter anderem 1986 das Strassentheater "Come back/play back Odysseus" (Kollektivregie). Von 1967 bis Anfang der achtziger Jahre kostete der Eintritt für eine Vorstellung nur 99 Rappen, was den Verein bekannt machte. Seit 1983 erscheint das Vereinsorgan "NVB-Magazin". Verbandsmitglied: →ZSV.



Autorin: Davina Siegenthaler



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Siegenthaler, Davina: NVB-Theater, Bern BE, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1333–1334.