Nicholas Beriozoff

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* 16.5.1906 Kaunas (LT), † 18.2.1996 Zürich. ∞ III. 1965 →Doris Catana, Tänzerin. Vater der Tänzerin Svetlana Beriozova.

Ab 1923 Ausbildung an der Ballettschule des Nationaltheaters Prag, Schüler von Kasimir Remislavsky, dort auch erstes Engagement. 1930–35 Solotänzer am Litauischen Nationalballett in Kaunas, 1936–38 Solotänzer, vor allem in Charakterrollen, und Assistent Michail Fokines bei René Blums Ballet de Monte Carlo, 1938–44 Tänzer und Ballettmeister der Ballets Russes de Monte Carlo, 1944–47, 1956 und 1961/62 Ballettmeister des Grand Ballet du Marquis de Cuevas, Monte Carlo, 1948 des Metropolitan Ballet England, 1950/51 der Scala di Milano, 1951–54 des London Festival Ballet. Ballettdirektor 1957–59 der Staatsoper Stuttgart, 1962–64 des Finnischen Nationalballetts Helsinki, 1964–71 am →Opernhaus Zürich, Zürich ZH, 1971–73 am Teatro San Carlo Napoli. Daneben und danach Gastchoreografien und Einstudierungen der Klassiker und früher Werke Fokines in Europa, Kanada und den USA und von Persien und Hongkong bis Südafrika. In den späten siebziger Jahren Leiter des Ballet Departement an der Bloomington University Indiana, USA. B. war ein Ballettmeister der alten Schule und verhalf der Ballettkunst in Zürich zu einem nie dagewesenen Aufschwung und grossem Ansehen. Unter seiner Leitung wurde die Truppe des Opernhauses Zürich auf 34 Mitglieder vergrössert, die Anzahl der Ballettabende stieg auf bis zu 68 pro Spielzeit an. Sein Rezept lautete "traditionelles Repertoire und eine hervorragende Ballerina". Er brachte die Klassiker des 19. Jahrhunderts, unter anderem Tschaikowskys "Dornröschen", "Schwanensee", "Nussknacker" sowie "Coppélia" (Musik: Léo Delibes) und "Giselle" (Musik: Adolphe Adam), auf die Bühne und schuf eigene abendfüllende Handlungsballette wie 1965 "Undine" (Musik: Henze), 1966 "Romeo und Julia" und 1967 "Cinderella" (Musik beide: Prokofjew). Er pflegte ausserdem das Repertoire der Ballets Russes, studierte Fokines "Petruschka" (Musik: Strawinsky), "Polowetzer-Tänze" (Musik: Alexander Borodin), "Les Sylphides" (Musik: Chopin) ein und zeigte eigene Versionen von "Le Sacre du printemps" und "Le Baiser de la fée" (Musik beide: Strawinsky). Stücke von →Gabriel Popescu und den Gastchoreografen Peter Darell, Marcel Luipart, Birgit Cullberg und Erich Walter bereicherten den Spielplan. Systematisch baute er in Zürich eine klassisch ausgerichtete, doch vielseitige Ballettkompanie mit der Ballerina →Gaye Fulton an der Spitze auf. Er lud regelmässig Startänzer ein wie Melissa Hayden mit André Prokovsky, Svetlana Beriozova mit Keith Rosson und Karl Musil, Rudolf Nurejew mit Marcia Haydée und Margot Fonteyn und kümmerte sich in der an das Opernhaus angeschlossenen →Schweizerischen Theatertanzschule um den Nachwuchs. Als Gast inszenierte er 1981 Fokines "Der goldene Hahn" (Musik: Rimski-Korsakow) und 1995 "Der Feuervogel" (Musik: Strawinsky) und tanzte noch kurz vor seinem Tode den 300-jährigen Alten in der Rekonstruktion von Nijinskys "Le Sacre du printemps".



Autorin: Ursula Pellaton



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Pellaton, Ursula: Nicholas Beriozoff, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 168–169.

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