Niklaus Manuel

Aus Theaterlexikon
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* wahrscheinlich 1484 Bern, † 28.4.1530 Bern, auch Niklaus Manuel Deutsch, eigentlich Niklaus Manuel Alleman. Vater des Malers, Dichters und Staatsmanns →Hans Rudolf M. und des Glasmalers Niklaus M.

Als Maler und Zeichner wurde M. ab 1513 in Bern bekannt. Neben Altarbildern, Holzschnitten und der dekorativen Bemalung des Chorgewölbes im Berner Münster stellt der 1519 vollendete Berner Totentanz an der Umfassungsmauer des Predigerklosters sein künstlerisches Hauptwerk dar. 1516 nahm M. als Reisläufer und 1522 als Feldschreiber an den oberitalienischen Feldzügen teil. Bereits 1510 war er Mitglied des Grossen Rats der Stadt Bern. M. beteiligte sich zunehmend aktiv an der Politik: 1523–28 war er Landvogt von Erlach, 1528, nach der Einführung der Reformation, wurde er Mitglied des Kleinen Berner Rats und übernahm daneben eine Reihe wichtiger Ämter. Als Dichter trat er mit satirisch-polemischen Texten gegen die römische Kirche hervor. Seine an der Berner Fastnacht 1523 als Massenspektakel inszenierten →Fastnachtspiele "Vom Papst und siner Priesterschafft" und "Von Papsts und Christi Gegensatz" gehören mit ihrer reformatorisch-propagandistischen Stossrichtung zu den wichtigsten Fastnachtspielaufführungen der Eidgenossenschaft. Neben Satiren und Streitgesprächen verfasste M. ein weiteres Fastnachtspiel, "Der Ablasskrämer" (Aufführung möglicherweise 1525 in Bern). Im 20. Jahrhundert wurden die Bilder und Texte von M.s Totentanz für die Bühne entdeckt. Die szenische Umsetzung wurde am 30.6.1962 anlässlich der Münster-Festspiele auf dem Berner Münsterplatz mit rund 500 Mitwirkenden unter dem Titel "Berner Totentanz" aufgeführt (Fassung: Emil Wächter, Musik: →Heinrich Sutermeister, Regie: →Adolph Spalinger, Choreografie und in der Rolle des Todes: →Harald Kreutzberg, Wiederaufnahmen 1963 und 1964). 1991 brachte das →Stadttheater Bern anlässlich der 800-Jahr-Feier der Stadt Bern, wiederum auf dem Münsterplatz, mit "Der Berner Totentanz" eine Neuinszenierung heraus (Regie: →Peter Arens, musikalische Leitung: Bruno Goetze, mit →Mathias Gnädinger als Tod, Mitgliedern der Truppe →Mummenschanz als dessen Trabanten, Ensemblemitgliedern des Stadttheaters und rund 200 Laiendarstellerinnen und -darstellern).

Literatur

  • Menz, Cäsar/Wagner, Hugo (Hg.): N. M. Deutsch, 1979.
  • Pfrunder, Peter: Pfaffen, Ketzer, Totenfresser. Fastnachtskultur der Reformationszeit, die Berner Spiele von N. M., 1989.

Archiv

  • Burgerbibliothek Bern (Briefe, Werke).


Autorin: Mats Staub



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Staub, Mats: Niklaus Manuel, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1172.

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