Niklaus Meienberg

Aus Theaterlexikon
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* 11.5.1940 St. Gallen, † 23.9.1993 Zürich.

Besuchte die →Klosterschule Disentis und begann nach einem USA-Aufenthalt 1961 ein Studium der Geschichte in Freiburg, das er, seit 1966 als Stipendiat in Paris lebend, 1969 abschloss. Seit 1962 freier Journalist. 1966–70 freier Frankreich-Korrespondent der "Weltwoche" (Zürich). Ab 1971 freie Mitarbeit beim Magazin des "Tages-Anzeigers" und beim "Tages-Anzeiger" (Zürich), 1976–91 dort jedoch Publikationsverbot. Fernseh- und Radioarbeit (so bei der satirischen Sendung "Faktenordner" von Schweizer Radio DRS). 1982 kurzzeitig Leiter des Pariser Büros der Hamburger Illustrierten "Stern" und seit 1983 freier Mitarbeiter bei der "Weltwoche" und der "Wochenzeitung" (Zürich). M. hatte sich schon früh kritisch mit der Schweizer Geschichte während des Zweiten Weltkriegs auseinander gesetzt. 1976 wurde der in Zusammenarbeit mit Richard Dindo entstandene Film "Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S."uraufgeführt, der sogleich Gegenstand einer öffentlichen Kontroverse wurde. Noch im gleichen Jahr begann M. für das Zürcher →Theater am Neumarkt (unter dem nicht selbst gewählten Titel "Demokratie und Landesverrat") an einer szenischen Reportage zu arbeiten, die den Konflikt zwischen General Guisan und dem deutschfreundlichen Oberstkorpskommandanten Ulrich Wille im Jahr 1940 hätte darstellen sollen. Weder die Stadt Zürich noch der Verwaltungsrat des Theaters wollten dem Projekt jedoch finanzielle Unterstützung gewähren. 1977 prozessierten überdies zwei Söhne Willes, um zu verhindern, dass ihr Vater als Landesverräter dargestellt würde, erfolglos gegen M. Obwohl →Dieter Bachmann 1984 nochmals versuchte, das Projekt am →Schauspielhaus Zürich zu realisieren, wurde es nie verwirklicht. 1980 erschien M.s Buch "Es ist kalt in Brandenburg" (über den Schweizer Hitler-Attentäter Maurice Bavaud; im gleichen Jahr auch als Film), 1987 "Die Welt als Wille & Wahn" (über den "Wille-Clan"), das die Kontroverse über Oberstkorpskommandant Wille erneut entfachte. M.s wichtigste journalistische Arbeiten sind grösstenteils in Buchform veröffentlicht (unter anderem "Reportagen aus der Schweiz", 1975; "Das Schmettern des gallischen Hahns. Reportagen aus Frankreich", 1976; zuletzt: "Zunder", 1993). Mit "Die Erweiterung der Pupillen beim Eintritt ins Hochgebirge" (1981) und "Geschichte der Liebe und des Liebäugelns" (1992) erschienen ferner zwei Gedichtbände.

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1988 Werkpreis der Max-Frisch-Stiftung,
  • 1989 Kulturpreis der Stadt St. Gallen.

Literatur

  • Uster, Hanspeter: Der Prozess um des Esels Schatten. Ein ungeschriebenes Theaterstück auf der Anklagebank. In: Durrer, Martin/Lukesch, Barbara (Hg.): Biederland und der Brandstifter, 1988.

Nachlass

  • Schweizerisches Literaturarchiv, Bern.


Autor: Dietrich Seybold



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Seybold, Dietrich: Niklaus Meienberg, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1215–1216.

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