Opera Factory, Zürich ZH

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Freie Gruppe, Musiktheater, ohne eigene Spielstätte, 1976–96

Gegründet 1976 in Zürich vom Schauspieler, Sänger und Regisseur David Freeman, dem Geiger und Dirigenten Brenton Langbein und der Sängerin Lesley Stephenson. Freeman war künstlerischer Leiter und Langbein bis zu seinem Tod 1993 musikalischer Leiter der O. Die Mitwirkenden wurden produktionsweise engagiert, häufig waren unter anderen Stephenson und die Sängerin Marie Angel beteiligt. Freeman hatte 1973 bereits eine Opera Factory in seiner Heimatstadt Sydney ins Leben gerufen, die bis 1976 existierte. 1981 gründete er unter dem Protektorat der English National Opera die "Opera Factory London", eine Zweigstelle, die bis 1998 bestand. Rechtsträger der O. war der 1977 gegründete Verein "Opera Factory Zürich". Finanziert wurde die O. zunächst durch produktionsbezogene Beiträge der Stadt und des Kantons Zürich sowie weiterer Städte und Gemeinden, Stiftungen und Sponsoren; 1986–96 erhielt sie feste Subventionen der Stadt Zürich. Nach deren Streichung wurde die O. aufgelöst. Charakteristisch für die Gruppe waren stark körpersprachliche, textlich ausgefeilte und verständliche Musiktheater-Inszenierungen mit minimalem Ausstattungsaufwand, geprägt von Experimentierfreudigkeit, Professionalität und dem inhaltlichen Ziel, Verbindungen und Übergängen zwischen Schauspiel, Oper und Ballet nachzuspüren. Die O. zeigte jährlich eine bis zwei Neuproduktionen – fast alle in der Regie von Freeman und unter der musikalischen Leitung von Langbein –, die in verschiedenen Schweizer Städten Premiere hatten und anschliessend auf Tourneen in der Schweiz sowie gelegentlich im Ausland gezeigt wurden: 1976 Händels "Acis and Galathea" (im Juni 1976 mit der Opera Factory Sydney, im September Neueinstudierung mit der O. am →Theater Tuchlaube in Aarau, 1980 Gastspiel in den River Side Studios in London), 1977 Schweizer Erstaufführung von Francesco Cavallis "L’Ormindo" im Casino Saal Basel, 1978 Schweizer Erstaufführung von Brittens "Fluss der Möwen" ("Curlew River") zusammen mit Purcells "Dido und Aeneas" am →Stadttheater Winterhur, 1979 Gays "Die Bettleroper" (Bearbeitung: Andreas Wernli mit sowohl klassischer als auch Rockmusik) am Theater Bel(l)étage in Zürich, 1980 Schweizer Erstaufführung von Cavallis "La Calisto" am →Kurtheater Baden, 1981 Schweizer Erstaufführung von →Bertolt Brecht/Weills "Mahagonny-Songspiel" zusammen mit Milhauds "Le Pauvre Matelot" in der Aula des Collège secondaire in Nyon und Gilbert/Sullivans "Die Gondolieri" (musikalische Leitung: Anthony Bremner) im Saalbau Aarau, 1982 Mozarts "Così fan tutte" im Volkshaus Zürich und Brecht/Weills "Happy End" im Hotel "Laudinella" in St. Moritz, 1983 Uraufführungen von Langbeins "Beruf: Arlecchino" (Libretto: Freeman, Ausstattung: Max Bill) im reformierten Kirchgemeindehaus Dübendorf und von Howard Goodalls Musical "Der Glöckner von Notre-Dame" nach Victor Hugo (Libretto: Goodall und Freeman, als Auftragswerk der O.) am →Kleintheater Luzern, 1985 Glucks "Iphigenien" (eine Kombination von "Iphigenie in Aulis" und "Iphigenie auf Tauris") am →Theater am Stadtgarten Winterthur, 1987 die Schweizer Erstaufführung von Aribert Reimanns "Die Gespenstersonate" nach Strindberg sowie Händels "Theodora", 1989 Karl Amadeus Hartmanns "Simplicius Simplicissimus", alle auf der Studiobühne des →Opernhauses Zürich, 1990 Mozarts "Die Hochzeit des Figaro" am →Stadttheater Chur, 1991 Uraufführung von →Rudolf Kelterborns "Julia" am Stadttheater Chur (Osteuropatournee nach Dresden, Prag, Budapest, Belgrad und Sofia), 1992 Weills "Johnny Johnson" (Regie: Olivia Fuchs) ebenfalls am Stadttheater Chur, 1993 "Vampire" nach Heinrich Marschners "Der Vampyr" in einer Bearbeitung von Freeman und Nicholas Kok am Kurtheater Baden, 1993 Uraufführung von Daniel Schnyders "Die Windsbraut" (musikalische Leitung: Steven Gross, als Auftragswerk der O.) auf der Studiobühne des Opernhauses Zürich, 1994 Cavallis «La Cali­sto» (musikalische Leitung: Kok) und 1995 – als letzte Produktion – nochmals Brittens "Fluss der Möwen" zusammen mit Purcells "Dido und Aeneas" als Koproduktion mit der "Opera Factory London" im Volkshaus Zürich. Gastspiele unter anderem am australischen Adelaide Festival of Arts (1986) und in der Alten Oper Frankfurt.

Auszeichnungen

  • 1981 Förderungsprämie des Ernst-von-Siemens-Musikpreises.


Autor: Jean Grädel



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Grädel, Jean:Opera Factory, Zürich ZH, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1347–1348, mit Abbildung auf S. 1347.