Oskar Eberle

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* 2.1.1902 Zürich, † 27.6.1956 Altdorf UR. ∞ 1933 Hedwig Giger, Malerin und Kostümbildnerin (1898–1980).

1922 Matura am Kollegium Maria Hilf in Schwyz. Studium im schweizerischen Freiburg (Literaturgeschichte bei Josef Nadler), in Berlin und München (Theaterwissenschaft) und Königsberg. Dort promovierte er 1927 bei Josef Nadler mit der Arbeit "Theatergeschichte der innern Schweiz 1200–1800". Sprech- und Regieunterricht in Berlin. 1927 war E. Mitbegründer der "Gesellschaft für innerschweizerische Theaterkultur" (→SGTK), die er als Aktuar, Redaktor der Publikationen und Verantwortlicher für die Sammeltätigkeit sowie bis 1956 als Leiter der Geschäftsstelle entscheidend prägte. Daneben ab 1929 vielfältige Tätigkeit als Regisseur und Autor. 1929–47 leitete E. die Aufführungen geistlicher Spiele durch die Bekrönungsbruderschaft (→Bruderschaft zur Dornenkrone), an deren Erneuerung er wesentlich mitwirkte; die erste Inszenierung war die Uraufführung seines "Bruderklausenspiels" in Schwyzer Mundart (8.9.1929, →Stadttheater Luzern, Musik: →Johann Baptist Hilber). 1934 war er Gründer der →Luzerner Spielleute, Autor und Regisseur ihrer Spiele, darunter das "Passionsspiel von O. E. [für die] Christ-Königs-Passion Luzern" (1934), "Der heilige Kanzler" (1936, beide im Kunsthaus Luzern), "Das Luzerner Passionsspiel" (1938), "Jedema" nach Hofmannsthals "Jedermann" (1942, beide vor der Hofkirche), "Chlaus vo Flüe" (1944 auf dem "Inseli") und "Mirakel" (1947 bei der Franziskanerkirche). Wichtige Stationen in E.s Regietätigkeit waren 1935, 1937, 1950 und 1955 das →Welttheater Einsiedeln, 1939 Edwin Arnets "Das Eidgenössische Wettspiel" an der Schweizerischen Landesausstellung in Zürich, 1941 →Cäsar von Arx’ Bundesfeierspiel zum Fest des 650-jährigen Bestehens der Schweizerischen Eidgenossenschaft in Schwyz, 1955 das Festspiel →Fête des Vignerons in Vevey sowie weitere Fest- und Freilichtinszenierungen; zuletzt inszenierte er 1956 Schillers "Wilhelm Tell" im Tellspielhaus Altdorf (→Tellspiel- und Theatergesellschaft Altdorf). E. war einem brauchtümlich-religiösen und später zunehmend einem nationalen Theaterverständnis verpflichtet. Sein theaterpolitisches und -praktisches Engagement galt deshalb nicht dem – oft als unschweizerisch empfundenen – Stadttheater sondern der Erneuerung des Volkstheaters und der geistlichen Spiele. In diesem Sinn forderte er in den dreissiger und vierziger Jahren die Errichtung eines Festspielhauses in Luzern. E., der ab 1938 im zürcherischen Thalwil wohnte, setzte sich für die Institutionalisierung der Theaterwissenschaft in der Schweiz ein und veröffentlichte mehrere theaterwissenschaftliche Publikationen, etwa "Wege zum schweizerischen Theater" (1943), "Cenalora. Leben, Glaube, Tanz und Theater der Urvölker" (1954) sowie zahlreiche Aufsätze; 1946–50 war er auch Leiter von Volkstheaterkursen. Weitere Bühnenwerke (Auswahl): "Schwyzer Wienachtsspyl" (1941), "Fritschispyl" (→Fastnachtspiel, 1945), "Naresoorge" (Fastnachtspiel, 1946), "Vivelun Taikun" (1947, →Japanesengesellschaft Schwyz), "Der Lätz gwünnt die Rächt" (1949), "Die goldig Melody" (Festspiel, 1950). Mehrere Herausgaben und Bearbeitungen, unter anderem →Hans Salats "Der verlorene Sohn" und "Das alte Urner Spiel vom Tell aus dem Jahre 1512".

Literatur

  • Mimos 1/1977 [mit Verzeichnis der Schriften und Inszenierungen].

Nachlass

  • Teilnachlass in der Schweizerischen Theatersammlung, Bern.


Autor: Paul Schorno



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Schorno, Paul: Oskar Eberle, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 509–510.

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