Otto Zimmermann

Aus Theaterlexikon
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* 16.4.1894 Leipzig (D), † um 1956 Basel.

Lehrerseminar und Studium an der Universität Leipzig; Schauspielschule. Als Lehrer und Leiter der Bundesschule des Arbeiter-Sportverbands Leipzig tätig, ab 1932 Kursleiter der Schweizerischen Arbeiterbildungszentrale (→Arbeitertheater). Unter seinem Einfluss wird die Festkultur der Schweizer Arbeiterbewegung erneuert und im Stil der proletarischen Revuen Erwin Piscators unter Einbezug von Projektionen, Spiel- und Dokumentarfilmen sowie Musik neu gestaltet. Z. führte bei Arbeiterfeiern Kompositionen von Hanns Eisler, →Arthur Ho­negger, →Hermann Scherchen, Erwin Lendvai und Texte von →Bertolt Brecht, Erich Weinert, →Jakob Bührer, →Hans Mühlestein, →Wolfgang Langhoff, Willi Bredel und Rosa Luxemburg auf. Ab 1933, nach seiner Ausbürgerung, war Z. als Regisseur von Sprech- und Bewegungschören in der Schweiz tätig und leistete auf diesem Gebiet Pionierarbeit. Nach seiner Inszenierung von Hendrik de Mans "Wir! Ein sozialistisches Festspiel" (Musik: Ottmar Gerster) gründete er im Sommer 1933 hauptsächlich mit Mitgliedern der Sozialdemokratischen Partei den "Neuen Chor Zürich", dessen Leitung er 1934 an →Jo Mihaly abgab. 1934 Uraufführung von Z.s Chorwerk "Flamme der Freiheit" beim SATUS-Verbandsfest in Luzern und Gründung des sozialdemokratisch orientierten Roten Kollektivs in Basel. Erste Premiere am 3.2.1935 mit Z.s "Ausweg in Sicht", einem Stück mit Sprechbewegungschören, tänzerischen und pantomimischen Einlagen. Im gleichen Jahr Auftritte mit der Revue "Der Schnitt in die Zeit" und dem Arbeiterkabarettprogramm "Wahlhoroskop" und gemeinsame Auftritte mit der kommunistischen Gruppe Scheinwerfer. 1936 Solorevue "Der wiederentdeckte Mensch" von und mit Z. als Tänzer. 1937 gründete Z. die Tanztruppe "l’avantgarde" und trat bis 1939 mit pantomimischen, gesanglichen und satirischen Szenenfolgen wie "schaubude der zeit", "das märchen von der gewalt", "fata morgana", "tor des lebens" auf Kleinkunstbühnen und bei Arbeiterorganisationen in Basel, Bern und Zürich auf. Weitere Bühnenwerke: "Der Kuli Tschung-King" (Uraufführung 1943, Neue Truppe in Zürich), "Die Seele auf dem Turmseil" (1950), "Thyl" (nach Charles de Costers "Thyl Ulenspiegel", entstanden 1941, Uraufführung 18.4.1951, →Stadttheater Bern; Regie: →Ekkehard Kohlund), "Das gewisse Ungewisse" (1952), "Der Traum vom schöneren Leben" (Musik: Fred Brickener; Uraufführung 1954, Landesbühne Rhein-Main in Frankfurt). Z. war auch als Lyriker, Journalist und Autor von Funkerzählungen tätig.

Literatur

  • Frey, Ivo: Proletarisches, Agitprop- und antifaschistisches Theater, Dissertation Bern, 1983.
  • Schweizerische Arbeiterbildungszentrale: Zusammen lernen, gemeinsam erkennen, solidarisch handeln, 1987.


Autor: Werner Wüthrich



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Wüthrich, Werner: Otto Zimmermann, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2150.

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