Patricia Jünger

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* 6.8.1951 im Flugzeug zwischen Dublin und Wien. Tochter einer Jazz-Sängerin und eines Pianisten. Österreichische und schweizerische Staatsangehörigkeit.

J. studierte Komposition, Klavier, Orgel und Dirigieren in Wien, Frankfurt am Main und Paris. Seit 1977 ist sie ausschliesslich als Komponistin tätig; regelmässiger Auftraggeber war →Paul Sacher. J. komponiert mehrheitlich elektroakustische Musik, stark geprägt von "natürlicher Elektronik" beziehungsweise "elektronischer Natur". 1984 schuf sie gemeinsam mit Laura Weidacher die akustisch-aktionische Manifestation "Muttertagsfeier oder Die Zerstückelung des weiblichen Körpers" (Texte: Elfriede Jelinek). Mehrere Hörstücke, unter anderem "Sehr geehrter Herr – ein Requiem"über die erste Schweizer Juristin Emilie Kempin-Spyri (Text: J., Uraufführung 1986 an den Donaueschinger Musiktagen), "Die Erziehung eines Vampirs" (1986, Text: Jelinek), "Valse eternelle – ein Brief" (1989 nach Ria Endres’ "Milena antwortet", die fiktiven Antworten der Milena Jesenska auf die Briefe Kafkas). Grosses Aufsehen erregte J.s Opernfassung von Jelineks Roman "Die Klavierspielerin" (Uraufführung 11.11.1989 am →Theater Basel, Textbearbeitung: J., Regie: →Barbara Mundel/Veit Volkert, musiklische Leitung: →Jürg Henneberger). Mehrere Schauspielmusiken, unter anderem zu Maxie Wanders "Guten Morgen, du Schöne" am →Schauspielhaus Zürich (1987, Regie: →Nikola Weisse), zu Jelineks "Krankheit oder Moderne Frauen" (Uraufführung 12.2.1987 an den Bühnen der Stadt Bonn, Regie: →Hans Hollmann) sowie zu →Ingeborg Kaisers "In Steinschuhen tanzen …"(Uraufführung 23.11.1988 durch das →1 x 1 Theater im →Theater am Zytglogge in Bern, Regie: Verena Strasser). 1989 Melodrama "Warten auf ein Wunder" nach Ingeborg Bachmann. Ab den neunziger Jahren vermehrt musikalische Events, die konkrete Gegebenheiten wie Landschaftsausschnitte und öffentliche Plätze als kompositorische Parameter miteinbeziehen: 1990 "Messa dei patroni": 48 Lautsprecherboxen beschallten die U-Bahn-Station unter der Lorentzkirche in Nürnberg. Am 5.9.1996 "Transmitter – First to Second Nature – Vom Flussbett zur Flutung" am Kleinbasler Rhein-Ufer, für zwei Flösser mit Floss, vier Taucher mit Mikrofonen, eine Sprecherin, 64 Lautsprecher an der Uferpromenade, Text: Katharina Faber. Hier wurden natürliche akustiche Realitäten nach einem Verlaufsmischplan elektronisch transformiert. J. gehört zu den engagiertesten Vertreterinnen der Frauenbewegung in der Neuen Musik. Lebt in Münchenstein bei Basel.

Auszeichnungen

  • 1979 Theodor-Körner-Preis für Komposition sowie Preis des Wiener Kunstfonds,
  • 1980 Stipendien der Alban-Berg-Stiftung Wien und der Paul Sacher Stiftung Basel,
  • 1981 österreichisches Staatsstipendium für Komponisten,
  • 1983 Werkjahresstipendium für Komponisten des Aargauer Kuratoriums,
  • 1986 als erste Frau Karl-Sczuka-Preis des Südwestfunks Baden-Baden für Avantgarde-Komposition (für "Sehr geehrter Herr – ein Requiem"),
  • 1989 Auszeichnung von der Frankfurter Akademie der Künste (für "Valse eternelle – ein Brief").


Autorinnen: Verena Naegele/Nina Debrunner



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Naegele, Verena/Debrunner, Nina: Patricia Jünger, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 945–946.