Paul Haller

Aus Theaterlexikon
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* 13.7.1882 Rein bei Brugg AG, † 10.3.1920 Zürich.

Nach Schulen in Brugg und Aarau studierte der Pfarrerssohn 1902–06 Theologie in Basel, Marburg, Berlin und Zürich. Ab 1906 protestantischer Pfarrer in Kirchberg bei Aarau. 1910 gab H., der dem religiösen Sozialismus von Leonhard Ragaz nahe stand, das Pfarramt auf. Zweitstudium der Germanistik, Geschichte und Psychologie an der Universität Zürich, Dissertation über "Pestalozzis Dichtung" (1914). 1913–16 Lehrer in Schiers, 1916–20 am Lehrerseminar Wettingen. Nach einer gescheiterten Liebesbeziehung litt H. an Depressionen; Psychoanalyse bei Carl Gustav Jung in Zürich. 1912 veröffentlichte H. das in Aargauer Mundart verfasste Versepos "s’ Juramareili"; in den folgenden Studienjahren entstanden hochdeutsche und mundartliche Gedichte. "Marie und Robert", H.s einziges Drama, schrieb er 1915 in Schiers. Das in Dialekt gehaltene Schauspiel in drei Akten schildert die Tragödie eines Fabrikarbeiters, dessen Seele durch den Konflikt zwischen Gewissen und Liebe zerrissen wird. Es gilt als eines der besten Schweizer Mundartdramen des 20. Jahrhunderts und widerspiegelt die sozialen Konflikte seiner Entstehungszeit. Erstpublikation 1916 in Bern; eine zweite Fassung nach einem von H. redigierten Handexemplar erschien 1935 in Aarau und nachfolgend in diversen Ausgaben. Wegen Besetzungsschwierigkeiten zerschlugen sich 1916 die Pläne zur Uraufführung an einer Berufsbühne, sie erfolgte am 4.4.1917 durch den Dramatischen Verein Aarau. Nach dem frühen Suizid des Autors erlebte das Drama sowohl durch Berufs- wie Laienbühnen oft beachtliche Aufführungen.

Literatur

  • Haller, Erwin: P. H. 1882–1920, 1931.
  • Wälchli, Gottfried: P. H. 1882–1920, 1946.
  • Steiner, Urs: P. H. und sein Schauspiel "Marie und Robert", 1992.

Nachlass

  • Staatsarchiv des Kantons Aargau.


Autor: Werner Wüthrich



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Wüthrich, Werner: Paul Haller, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 787–788.

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