Paul Lang

Aus Theaterlexikon
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* 3.10.1894 Basel, † 10.9.1970 bei Faido TI. Stiefbruder des Lyrikers Siegfried L.

Nach einer Banklehre 1916–20 Studium der Geschichte und der französischen Literatur in Basel, Bern, Genf, 1920 Dissertation über "Bühne und Drama der deutschen Schweiz im XIX. und beginnenden XX. Jahrhundert". Danach Studium der deutschen Literatur in London (Master of Arts 1924). Ab 1925 Deutsch-, Englisch- und Geschichtslehrer an Zürcher Mittelschulen, 1935–60 an der Kantonalen Handelsschule Zürich. Theaterkritiker für das Radio und verschiedene Zeitungen. Verfasser didaktischer sowie literatur- und theatergeschichtlicher Publikationen mit Schwerpunkt Schweizer Dramatik. Sein 1944 erschienenes Buch "Das Schweizer Drama 1914–1944" galt viele Jahre als Standardwerk. Debüt als Bühnenautor mit den Einaktern "Flucht", "Bankrott" und "Der Einbrecher" unter dem Titel "Drei Kammerspiele" (Uraufführung 1.2.1924 durch die →Freie Bühne Zürich am →Stadttheater Winterthur, Regie: →Hans Bänninger). "Der Einbrecher" wurde 1926 von Radio Zürich als Hörspiel gesendet und 1931 von der →Volksbühne Zürich nachgespielt. Eine viel beachtete Uraufführung erlebte L.s Drama "Sturmzeit", das sich kritisch mit der Grenzbesetzung und dem Generalstreik von 1918 befasst (12.3.1930 im Theatersaal des Zürcher Volkshauses durch die Proletarische Bühne Zürich). Ab 1926 experimentierte L. als einer der Ersten mit dem neuen Medium Radio und engagierte sich im →SSV für die "Radiosache" (1932 Präsident der SSV-Radiokommission). Mit "Nordheld Andrée" gewann er 1931 den ersten Preis eines Hörspielwettbewerbs. Dieses Pionier-Hörspiel über die gescheiterte Polarexpedition des Schweden Salomon August Andrée wurde mehrfach nachproduziert. L. verfasste auch theoretische Schriften zum Hörspiel. Anfänglich ein kritischer, sozialistischer Bühnenautor und Publizist ("Karl Bürkli. Ein Pionier des schweizerischen Sozialismus", 1920), wandelte sich L. zu Beginn der dreissiger Jahre zu einem staatspolitischen Vordenker der schweizerischen Frontenbewegung ("Lebendige Schweiz: Blick nach rückwärts", 1935). Nach 1945 geächtet, publizierte L. zahlreiche Lehrbücher über die deutsche Sprache und Grammatik ("40 Jahre Deutschunterricht", 1967). Weitere Bühnenwerke: "Waldmann vor Murten. Ein einaktiges Festspiel" (1935), "Der Sturz Waldmanns. Historische Tragödie" (1935), "Giannettina, Giannettina. Zürichdeutsche Tessiner Komödie" (1939). Weitere Hörspiele: "Der Neger" (eine dialogische Hörfolge um Jazz und Vorurteile gegenüber der afrikanischen Kultur, 1927), "Am Silbergletscher" (1935), "Goethe reist in die Schweiz" (1935), "Escher von der Linth" (1941), "General Dufour" (1943), "Drei Helden des Vaterlandes". 1928–33 Vorstandsmitglied der →GSD.



Autor: Werner Wüthrich



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Wüthrich, Werner: Paul Lang, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1072.

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