Pavel Šmok

Aus Theaterlexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

* 22.10.1927 Leutschau (Levoča, heute: SK).

Absolvent des Prager Konservatoriums, Abteilung Tanz. 1952–55 Solotänzer an der Armádní opera (Oper der Armee) in Prag und 1955–58 am Krajské oblastní divadlo (Regionaltheater) in Pilsen (Plzeň). Danach Engagement als Choreograf 1958–61 in Aussig (Ústí nad Labem) und 1961–64 in Ostrau (Ostrava). 1964 Mitbegründer des Balet Praha (Ballett Prag), ab 1968 auch dessen künstlerischer Leiter. 1969/70 Choreograf und 1970–73 Ballettdirektor an den →Basler Theatern. 1973 kehrte Š. trotz der politisch angespannten Situation zurück nach Prag, wo er als Gastchoreograf an diversen Theatern tätig war. Während seines Engagements 1975–79 an den Městská divadla pražská (Städtischen Theatern Prag) formierte er eine Tanztruppe, die seit 1980 unter dem Namen Pražský komorní balet (Prager Kammerballett) auftritt. Bis Ende 1997 war er deren Leiter und Choreograf; auf Bitte der Tänzer übernahm er 2001 erneut die Leitung dieses Ensembles, das sich damals in einer prekären finanziellen Situation befand. Daneben gastierte er an verschiedenen, auch ausländischen Theatern und schuf Choreografien für Film und Fernsehen. Seit 1990 als Professor für Choreografie an der Akademie der musischen Künste in Prag (HAMU) tätig. Seit den späten sechziger Jahren entwickelte Š. kontinuierlich seine eigene choreografische Handschrift und prägte mit seinem Stil den modernen Tanz. Neben Jiří Kylián, mit dem er auch gemeinsame Projekte realisierte, ist er einer der bedeutendsten tschechischen Choreografen, und das Prager Kammerballett machte sich unter seiner Leitung auch international einen Namen. Š. wirkte an rund dreissig tschechischen und zirka 25 ausländischen Bühnen. Er schuf bis heute über hundert Ballettchoreografien. Allein während der vier Jahre in Basel präsentierte Š. fünfzehn Choreografien (neben Neueinstudierungen früherer Werke einige Uraufführungen), darunter zum Beispiel 1969 den dreiteiligen Ballettabend bestehend aus "Rossiniana" (Musik: Gioacchino Rossini), "Fresken" (Musik: Bohuslav Martinů) und "Ein wenig schwarze Collage", 1970 die Ballettpantomime "Der Diener zweier Herren" nach Goldoni (Schweizer Erstaufführung; Musik: Jarmil Burghauser), 1971 den Ballettabend mit "Sinfonietta" (Musik: Leoš Janáček), "Tenebrae" (Musik: →Klaus Huber) und "Don Juan" (Musik: Christoph Willibald Gluck), "Intime Briefe" (Musik: Janáček), "Negligé"(Musik: Oskar Nedbal), "Das trunkene Schiff", eine szenische Komposition für Ballett nach Rimbaud (Uraufführung), 1972 "Brainticket" (Musik: Joel Vandroogenbroeck), 1973 "Cinderella" (Musik: Sergej Prokofjew). Zudem zeichnete er verantwortlich für choreografische Einlagen in Opern und Operetten. Das an klassische Repertoireballette gewöhnte Basler Publikum stand dem modernen Tanzstil von Š.s Arbeiten ablehnend gegenüber. Inzwischen gehören einige der damals in Basel gezeigten Choreografien ("Intime Briefe", "Negligé", "Rossiniana", "Sinfonietta" und "Scheherazade") jedoch zu seinen erfolgreichsten Werken, die an verschiedenen Thea­tern einstudiert wurden. Berühmt wurde Š. unter anderem mit "Americký kvartet" (Amerikanisches Quartett, 1977, Musik: Antonín Dvořák), "Z mého života" (Aus meinem Leben, 1983, Musik: Bedřich Smetana), "Zjasněnou noc" (Verklärte Nacht, 1986, Musik: Arnold Schönberg), "Holoubek" (Täubchen, 1992, Musik: Dvořák), "Stabat" (1995, Musik: Dvořák), "Po zarostlém chodníčku" (Dem verwachsenen Pfad entlang, 1998).

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1987 Verdienter Künstler der Tschechoslowakei,
  • 1996 Preis des Český literární fond (Tschechischer literarischer Fonds) für die Choreografie "Stabat",
  • 2002 Verdienstorden "Für hervorragende Leistung in den Künsten"überreicht durch Václav Havel, den damaligen Präsidenten der Tschechischen Republik.

Literatur

  • Vašut, Vladimir: Pavel Šmok na přeskáčku, 1997 [Biografie].


Autorin: Susanna Tschui



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Tschui, Susanna: Pavel Šmok, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1692.