Peter Bollag

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* 15.1.1945 Zürich, † 24.1.1996 Zürich, eigentlich Hanspeter B.

Bereits als Schüler zusammen mit →Charles Lewinsky, →Andres Bossard und anderen Mitbegründer und Darsteller des Cabaret Chlüpplisack in Zürich (bis 1961) sowie erste Rolle am →Schauspielhaus Zürich, Zürich ZH 1960 als Kellner in Simenons "Maigret hat Zweifel" (im →Theater am Hechtplatz, Zürich ZH). Schauspielausbildung (ohne Abschluss) an der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Hamburg, dort 1962 am Deutschen Schauspielhaus als Gottliebchen in Grabbes "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung". Erste Engagements unter anderem in Fernsehfilmen (1964 Jacques in Johannes Schaafs "Hotel Iphigenie" nach Michel Vinaver), an den Münchner Kammerspielen (1968 in Stoppards "Rosenkranz und Güldenstern sind tot", Regie: Dieter Giesing, und Peter Weiss’ "Vietnam-Diskurs", Regie: →Peter Stein/Wolfgang Schwiedrzik) sowie 1968/69 am Schauspielhaus Zürich (unter anderem Hermann Casimir in →Frank Wedekinds "Der Marquis von Keith", Regie: Giesing). 1969–70 als Gast an den Württembergischen Staatstheatern Stuttgart unter Peter Palitzsch. Es folgten Engagements unter anderem am Thalia Theater Hamburg (1973/74 und 1977/78), am Theater am Turm in Frankfurt am Main unter Rainer Werner Fassbinder (1974/75, zum Beispiel Leonce in Büchners "Leonce und Lena", Len in Bonds "Gerettet"), erneut am Schauspielhaus Zürich (1975), am →Stadttheater Chur, Chur GR (1976/77), am →Theater an der Winkelwiese, Zürich ZH (1977 Titelrolle in Heiner Müllers "Philoktet") und an den Ruhrfestspielen Recklinghausen (1977 und 1978). 1978–83 war B. unter Luis Bolliger und ab 1979 unter →Helmut Palitsch Ensemblemitglied des →Theaters am Neumarkt Zürich, wo er unter anderem Ben Danna in Peter Greiners "Orfeus. Biografie eines Halbstarken", Hamm in Becketts "Endspiel", Carlos in Goethes "Clavigo", Claire in Genets "Die Zofen", Dr. Bassetti in Eduardo de Filippos "Die Kunst der Komödie" (Regie: →Felix Prader) und in zwei Projekten von Andrea Breth spielte sowie 1980 bei Becketts "Bruchstücke I und II" Regie führte. 1983 inszenierte B. mit Palitsch in der Titelrolle die Schweizer Erstaufführung von Helmut Qualtinger/Carl Merz’ "Der Herr Karl" am Theater an der Winkelwiese. 1984 bis zu seinem Tod gehörte B. zum Ensemble des Schauspielhauses Zürich, wo er rund vierzig Rollen verkörperte, darunter 1984 Nanki-Puu in Gilbert/Sullivans "Der Mikado" (Regie: →Gerd Heinz; Koproduktion mit dem Schweizer Fernsehen DRS), 1985 Prinz von Arragon in Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" und 1986 Fenton in dessen "Lustigen Weibern von Windsor", 1987 Bruno von Simon in Lasker-Schülers "Die Wupper", 1988 Demeter Stanzides in Schnitzlers "Das weite Land", Devisenhändler Nick in der deutschsprachigen Erstaufführung von Tony Marchants "Spekulanten" und Wang in →Bertolt Brecht/Paul Dessaus "Mann ist Mann" (Regie: →Benno Besson), 1989 Ferdinando in Goldonis "Trilogie der Ferienzeit" und Dr. Adler in Schnitzlers "Professor Bernhardi" (Regie: →Achim Benning), 1991 Gottfried Keller in der Uraufführung von →Adolf Muschgs "Nacht im Schwan" und 1993 Harold Gorringe in Peter Shaffers "Komödie im Dunkeln". Einen besonderen Erfolg errang B. 1990 als Schlomo Herzl in Taboris "Mein Kampf" (Regie: Heinz). Letzter Auftritt – bereits schwer erkrankt – 1995 mit einer szenischen Lesung von Wallace Shawns Monolog "Das Fieber". Diverse Film- und Fernsehrollen, unter anderem David Frankfurter in →Rolf Lyssys "Konfrontation" (1974) und Fotograf in Fassbinders "Mutter Küsters Fahrt zum Himmel" (1975).



Autorinnen: Birgit Peter/Tanja Stenzl



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Peter, Birgit/Stenzl, Tanja: Peter Bollag, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 232–233.

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