Peter Löffler

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* 3.9.1926 Zürich.

1946–56 Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Literaturwissenschaft in Zürich, Abschluss mit Promotion über Jacques Callot. 1946–49 neben dem Studium Schauspielausbildung am →Bühnenstudio Zürich und 1949–50 an der Ecole Charles Dullin Paris. Hospitant am Théâtre Marigny (Compagnie Madeleine Renaud – Jean-Louis Barrault), 1950–53 Dramaturg am →Schauspielhaus Zürich unter der Direktion von →Oskar Wälterlin. 1955–61 erster Dramaturg am Schauspielhaus Zürich (zusammen mit →Kurt Hirschfeld 1958 Redaktion und Herausgabe der "Beiträge zum zwanzigjährigen Bestehen der Neuen Schauspiel AG"), ab 1959 auch Regisseur insbesondere zeitgenössischer Stücke (Kipphardts "In der Sache J. Robert Oppenheimer", Uraufführungen von →Manfred Schwarz’ "Eine Handvoll Menschen" und →Hugo Loetschers "Schichtwechsel", Schweizer Erstaufführungen von Pirandellos "Jeder nach seiner Art" und Camus’ "Die Besessenen", deutschsprachige Erstaufführung von Françoise Sagans "Ein Schloss in Schweden"). Nach dem Tod Wälterlins 1962–65 Vizedirektor und Chefdramaturg unter dessen Nachfolger Hirschfeld (1962 Herausgabe der Festschrift für Hirschfeld "Theater – Wahrheit und Wirklichkeit"). Nach dessen Tod kandidierte L. für die Wahl zum Direktor. Der Verwaltungsrat wählte jedoch einstimmig →Leopold Lindtberg zum neuen Direktor des Schauspielhauses. Daraufhin übernahm L. 1965 das Amt des Präsidialsekretärs der Akademie der Künste Berlin (West) und 1968 die Leitung der Berliner Festwochen. Nach der Demission Lindtbergs auf Ende 1967 trat der Verwaltungsrat an L. heran und verpflichtete ihn ab 1969/70 als Direktor des Schauspielhauses Zürich. L. engagierte →Klaus Völker aus Berlin als Dramaturgen, mit dem er den Spielplan vorbereitete, sowie Max Peter Ammann als Oberspielleiter und →Peter Stein als weiteren Regisseur. Neu ins Zürcher Ensemble kamen unter anderen die Schauspielerinnen und Schauspieler Edith Clever, →Bruno Ganz, →Hans-Dieter Jendreyko, Jutta Lampe, Tilo Prückner und Jodoc Seidel. Reagierte ein Teil des Publikums auf die Eröffnungspremiere von Aischylos/Heiner Müllers "Prometheus" (Regie: Ammann) nur irritiert, polarisierte Steins deutschsprachige Erstaufführung von Bonds "Early Morning" das Publikum. "Frenetischer Applaus" und "Missfallenskundgebungen" beendeten die Premiere und eröffneten eine Diskussion um Spielplankonzeption und Inszenierungsstil. Zudem wurde die als marxistisch beurteilte inhaltliche Ausrichtung der Programmhefte des Dramaturgen Völker beanstandet. Auch innerhalb des Schauspielhauses kam es unter anderem auf Grund der Lancierung des Mitbestimmungsmodells durch Stein zu Spannungen zwischen dem alteingesessenen Teil des Ensembles und den neu engagierten Schauspielerinnen und Schauspielern. All dies sowie der Besucherrückgang, in dem man eine "Gefährdung der finanziellen Grundlage" des Schauspielhauses sah, führten bereits im Dezember zur vorzeitigen Kündigung L.s und der neu engagierten künstlerischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Ende der Spielzeit. Mit Steins von der Zürcher Presse als grandios beurteilter Inszenierung von Thomas Middleton/William Rowleys "Changeling" endete im Juni 1970 das "Zürcher Theaterexperiment"; als Nachfolger wurde →Harry Buckwitz gewählt. L. übernahm 1972–75 die Intendanz am Staatstheater Kassel, als leitenden Dramaturgen verpflichtete er →Gerd Leo Kuck.

Literatur

  • Kröger, Ute/Exinger, Peter: "In welchen Zeiten leben wir!"Das Schauspielhaus Zürich 1938–1998, 1998.
  • Kröger, Ute: Der Theater-Fall Löffler/Stein. In: Neue Zürcher Zeitung, 25.1.–2.2.1995.
  • Neue Schauspiel AG (Hg.): Schauspielhaus Zürich. Spielzeit 1969–70 [Dokumentationsbroschüre, 1995].


Autorin: Ute Kröger



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Kröger, Ute: Peter Löffler, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1123–1124.

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