Peter Lotar

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* 12.2.1910 Prag (heute: CZ), † 12.7.1986 Ennetbaden AG. ∞ 1950 Eva Lübbert, Tänzerin, Schauspielerin, Regisseurin.

Der Sohn jüdischer Eltern wuchs zweisprachig in Prag auf. 1928–30 besuchte L. die Schauspielschule des Deutschen Theaters (Direktion: Max Reinhardt) in Berlin, 1929/30 erste Auftritte als Schauspieler bei Victor Barnowsky und Erwin Piscator in Berlin. Danach hatte L. – unter seinem Geburtsnamen Lothar Chitz – Engagements als Schauspieler 1930/31 an den Vereinigten Theatern in Breslau (Direktion: Paul Barnay), 1931/32 am Deutschen Theater Mährisch-Ostrau und 1932/33 am Stadttheater Reichenberg. 1933–39 war er unter dem Namen Peter Lotar als Schauspieler und Regisseur an den Prager Städtischen Bühnen sowie als Gast am Nationaltheater Prag engagiert. Im Mai 1939 emigrierte L. in die Schweiz. 1939–46 wirkte er als Schauspieler, ab 1942 auch als Regisseur und 1945/46 als Oberspielleiter am →Städtebundtheater Biel-Solothurn unter der Direktion von →Leo Delsen. Dort spielte er unter anderem Lazarus Göldli in →Hermann Ferdinand Schells "Der Bürgermeister von Zürich", den Rechtsanwalt Dr. Peter Schmitt in →Hans Müller-Einigens "Kleiner Walzer in a-Moll", Herzog von Alba in Goethes "Egmont", Grenio in Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" und Oberst Lanser in seiner Inszenierung von Steinbecks "Der Mond ging unter". Zudem inszenierte L. unter anderem Romain Rollands "Ein Spiel von Tod und Liebe" sowie die Uraufführungen von →Fritz Hochwälders "Das heilige Experiment" und John F. Vuilleumiers "Mut zum Leben". 1946–49 war er als Dramaturg im Bühnenverlag Reiss (→Kurt Reiss) in Basel tätig und trug zur Entdeckung von →Friedrich Dürrenmatt bei. 1948/49 inszenierte er als Gast am →Stadttheater Luzern (Trivas/Schdanows "Schuld und Sühne" nach Dostojewskij und die Schweizer Erstaufführung von Hochwälders "Der öffentliche Ankläger"). 1949 erwarb L. das Schweizer Bürgerrecht und arbeitete ab 1950 als freier Schriftsteller. L. schrieb und übersetzte Schauspiele, verfasste rund 35 Hörspiele sowie Essays und Romane (wie die autobiografisch geprägten "Eine Krähe war mit mir" und "Das Land, das ich dir zeige"). Bühnenwerke: "Zwei Minuten nach Mitternacht" (Uraufführung 23.2.1941, Städtebundtheater Biel-Solothurn), "Die Wahrheit siegt" (auch unter dem Titel "Jesus, nicht Cäsar", Uraufführung 1943, Club Theatre London; 1945 von L. mit sich selbst als Hauptdarsteller in Biel-Solothurn in­szeniert), "St. Urs und St. Viktor" (Mysterienspiel, aufgeführt 1942 in Solothurn), "Miguel" (1947), "Wachtmeister Studer greift ein" (Dramatisierung von Friedrich Glausers Roman "Krock & Co.", Uraufführung 7.10.1948, →Küchlin-Theater Basel, Regie: L.), "Das Bild des Menschen" (Uraufführung 4.10.1954, Schloßpark-Theater Steglitz Berlin im Rahmen der Berliner Festwochen), "Der Tod des Präsidenten" (Uraufführung 17.12.1966, Deutsches Theater Göttingen und Staatstheater Karlsruhe).

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1954 Gerhart Hauptmann-Preis Berlin,
  • 1960 Preis der →GSD,
  • 1967 Preis der Welti-Stiftung für das Drama,
  • 1978 Kulturpreis des Kantons Solothurn.

Literatur

  • Rinderknecht, Peter: Der Schriftsteller P. L. In: Badener Neujahrsblätter 1971.

Nachlass

  • Schweizerisches Literaturarchiv, Bern.


Autor: Reto Caluori



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Caluori, Reto: Peter Lotar, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1132–1133.

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