Philipp Walburg Kramer

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* 1.5.1815 Mainz (D), † 12.6.1899 Köln-Lindenthal (D). ∞ I. 1840 Josephine Bißler, Schauspielerin, Vater der Schauspielerin Margarethe Dehler, ∞ II. 1848 Antonie Friederike Catharina Müller-Fabricius, Schauspielerin.

1834 Debüt am Stadttheater Mainz, 1835 Engagement in Würzburg, Düsseldorf und bei Jakob Winter im Fach "Liebhaber und Helden", mit dessen Truppe K. in Miltenberg, Heidelberg, Ulm und vielen kleineren Städten in Württemberg auftrat. Ende der dreissiger Jahre erstmals als Schauspieler in der Schweiz. Im September 1840 Engagement mit seiner Ehefrau am Theater auf dem Blömlein (→Stadttheater Basel), 1842 gründete er eine eigene Schauspielergesellschaft. Üblicherweise kombinierten Theaterdirektoren bei ihren Gastspielreisen kleinere und grössere Städte nach geografischer Lage, dem Bewilligungszeitraum und dem potenziellen fiskalischen Ertrag; K. leitete daher in Deutschland unter anderem teilweise mehrfach Theater in Heidelberg, Heilbronn, Landau (Pfalz), Landshut (Bayern), Mainz, München und Trier. 1861/62 war er technischer Direktor des Deutschen Theaters in Amsterdam. Jahrzehntelang bespielte K.s Truppe auch regelmässig die Schweiz: In den Wintern 1844, 1845 und 1846 stand er dem Aktientheater in St. Gallen (→Theater St. Gallen) vor. Im Sommer 1845 und 1846 spielte er in Baden. 1846 eröffnete K. die Schaubühne in Chur, nachdem angeblich 21 Jahre lang keine andere Truppe hatte auftreten dürfen, mit Roderich Benedix’ "Doktor Wespe oder die Emanzipation der Frauen". Seine Gesellschaft umfasste 15 (in Chur) bis 25 Mitglieder (in St. Gallen), unter anderen war →Carl Friedrich Heuberger über mehrere Jahre bei K. unter Vertrag. K. übernahm – solange es ihm möglich war – die Rollenfächer des ersten Helden, des Liebhabers sowie Charakterrollen und führte selbst Regie. Das Repertoire war gekennzeichnet durch Quantität und unterschiedlichste Genres wie sein Spielplan der Saison 1862/63 am Hôtel de Musique (→Stadttheater Bern) zeigt. In etwa sechzehn Wochen wurden 54 Schauspiele gegeben, sechs davon erlebten drei Aufführungen, sieben wurden zweimal gespielt, alle anderen einmal. Dem Publikum wurden die erfolgreichen Stücke des deutschsprachigen Repertoires präsentiert, darunter Nestroys "Lumpazi Vagabundus", Gutzkows «Das Urbild des Tar­tüffe», Raimunds "Der Verschwender" und →Charlotte Birch-Pfeiffers "Die Waise aus Lowood". K.s Repertoire stützte sich jedoch nicht unerheblich auf klassische Dramen wie Shakes­peares "Hamlet", Goethes "Egmont", "Iphigenie auf Tauris" und "Faust", Schillers "Maria Stuart" und "Die Jungfrau von Orleans", Lessings "Emilia Galotti", was das Berner Theaterkomitee veranlasste, den Wunsch zu äussern, "künftig in das Repertoire mehr Abwechslung zu bringen"– zu Gunsten des "modernen Dramas", des Lustspiels und der Posse. 1847 übernahm K. die Theaterdirektionen in Baden und Basel, 1849 und 1850/51 die des →Aktientheaters Zürich, dort Zusammenarbeit mit →Richard Wagner, der einige Opernvorstellungen dirigierte. Es folgten 1850–69 Bespielungen der Städte Aarau, Baden, Basel, Bern, Chur, Luzern, St. Gallen, Schwyz, Solothurn, Winterthur und Zug. Mitte 1872 beendete K. seine Laufbahn als Theaterdirektor und widmete sich der Magnetografie. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er als Heilmagnetiseur in Köln.

Bühnenwerke

"Die Hexe von Gäbistorf. Ein historisch-romantisches Drama" (bis heute erfolgreich im Repertoire vor allem der Schweizer Amateurtheater; verlegt in Franz August Stockers "Bibliothek vaterländischer Schauspiele", Bd. 7), "Ein Opfer der Spielhölle", "Beim Pfarrer Krähenbühl" und "Gänsegretel". Zudem viele Bearbeitungen literarischer Vorlagen. K. verfasste nach 1870 theoretische Schriften, unter anderem: Der Heilmagnetismus. Seine Theorie und Praxis, 1874.

Literatur

  • Gojan, Simone: Spielstätten der Schweiz, 1998.


Autorin: Simone Gojan



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Gojan, Simone: Philipp Walburg Kramer, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1028–1029.

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