Pia und Pino Mlakar

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Pia M., * 28.12.1908 Hamburg (D), † 24.3.2000 Novo Mesto (heute: SLO), eigentlich Pia Beatrice Marie Louise Scholz. ∞ 1929 Pino M., * 2.3.1907 Novo Mesto. Eltern der Balletttänzerin Veronika M. (* 8.12.1935 Zürich).

Das Paar traf sich während der Ausbildung bei →Rudolf von Laban in Hamburg, Braunschweig, Lübeck und Berlin, tanzte in dessen "Titan", "Ritterballett" und "Orpheus" und lebte und arbeitete seither zusammen. Erste Engagements: 1929/30 beide Mitglieder des Ballett­ensembles in Darmstadt und 1930–32 als Tänzer sowie als Ballettmeister (Pino) beziehungsweise als Solotänzerin (Pia) in Dessau engagiert, wo sie "Petruschka" (Musik: Strawinsky), "Liebeszauber" (Musik: de Falla), "Die Puppenfee" (Musik: Josef Bayer) und den Kammertanzzyklus "Junge Wege" schufen. 1932 wirkten sie als Vertreter Jugoslawiens mit "Eine mittelalterliche Liebe" (Musik: Vivaldi und Johann Sebastian Bach) am Internationalen Choreografiewettbewerb in Paris mit. Nach einer Tournee Engagement an der Königlichen Oper in Belgrad. 1934–38 waren sie als Solistin beziehungsweise Solist und Ballettmeisterpaar am →Stadttheater Zürich engagiert. Unter ihrer Leitung erlebte die Tanzkunst dort einen noch nie da gewesenen Aufschwung. Die Truppe wurde auf vier Solotänzerinnen, zwei Solotänzer, sechs Gruppentänzerinnen und zwei Gruppentänzer vergrössert; für ihre Choreografie und Inszenierung des ersten für das Zürcher Ballett geschaffenen abendfüllenden Handlungsballetts "Der Teufel im Dorf", zu dem sie das Libretto schrieben (Auftragskomposition: Fran Lhotka, Bühnenbild: →Roman Clemens), standen ausserdem die Schüler der Theatertanzschule und ein Bewegungschor zur Verfügung. Die Uraufführung am 18.2.1935 war ein triumphaler Erfolg. Die zweite Spielzeit brachte sogar zwei Orchester-Ballettabende, zuerst Mozarts "Die Rekrutierung oder Die Liebesprobe" mit Beethovens "Die Geschöpfe des Prometheus", dann einen Richard-Strauss-Abend mit der "Couperin-Suite", der "Josephslegende" und "Till Eulenspiegel", der vom Komponisten in der "Strauss-Festwoche" im Juni 1936 selbst dirigiert wurde. 1936/37 choreografierten sie die Kindervorstellung mit "Hanselpeters Abenteuer" nach dem Kinderbuch "Pinocchio", Bayers "Die Puppenfee" und die abendfüllende auf rund siebzig Mitwirkende erweiterte Version von "Eine mittelalterliche Liebe" (Musik: Lhotka). In ihrer letzten Spielzeit vereinte der Ballettabend Spitzentanz in Strawinskys "Jeu de cartes" und spanischen Tanz in de Fallas "Der Dreispitz" mit dem Experiment "Die blaue Blume", dessen Musik von →Walter Müller von Kulm aus einem vom Stadttheater und vom Schweizer Tonkünstlerverein gemeinsam ausgeschriebenen Ballettmusikwettbewerb siegreich hervorgegangen war. Die M.s hatten in vier Jahren erreicht, "dass ein Orchester-Ballettabend von unserem Publikum als einem Opern- oder Operettenabend gleichwertig angesehen wird", wie der Stadttheaterdirektor im Jahrbuch 1936/37 schrieb.

1939–43 und 1952–54 leiteten sie das Ballett der Bayerischen Staatsoper in München, wo sie neben zeitgenössischen Stücken Choreografien des 19. Jahrhunderts wie Filippo Taglionis "Danina oder Jocko der brasilianische Affe" zu rekonstruieren versuchten und mit dem Rokoko-Ballett "Verklungene Feste" einen historischen Stil wiederbelebten. Die M.s erkannten die Wichtigkeit von Bewegungspartituren, engagierten Albrecht Knust als Notator und liessen ihre Tanzwerke in der Laban’schen Kinetografie vollständig aufzeichnen. Während ihrer oben genannten Engagements und später Choreografiearbeiten in Ljubljana, Belgrad, Dubrovnik und Zagreb. Pino M. war Ordinarius für Eukinetik und Ballettgeschichte an der Theaterakademie von Ljubljana.

Auszeichnungen

  • 1994 Tanzpreis der Landeshauptstadt München für ihr Lebenswerk.

Literatur

  • M., P. und P.: Unsterblicher Theatertanz. 300 Jahre Ballettgeschichte der Oper in München, Bd. 1: 1992, Bd. 2: 1996.


Autorin: Ursula Pellaton



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Pellaton, Ursula: Pia und Pino Mlakar, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1253–1254, mit Abbildung auf S. 1253.