Puppentheater Bleisch, Henggart ZH

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Figurentheater (alle Figurentechniken) ohne eigene Spielstätte

Spieler, Leiter und Eigentümer sind →Hanspeter Bleisch und →Ursula Bleisch-Imhof; gelegentlich wird das P. unter dem Namen Puppentheater oder Theatergruppe Bleisch & Co. um Mitglieder von professionellen und Amateur-Gruppen erweitert. Tourneen in der deutschsprachigen Schweiz und im Ausland mit einem breiten Angebot von Stücken für Kinder und Erwachsene. Die erste Produktion des P. fand 1970 in Männedorf statt. Anfänglich Erarbeitung von Stabpuppen-Spielen mit Schulklassen sowie von raumgreifenden, choreografierten Figurenspielen mit Ad-hoc-Gruppen von bis zu hundert Mitwirkenden in Kirchen, grossen Sälen, Turnhallen (bis 1972 gemeinsam mit Werner Hürlimann). Starke Bildwirkung durch grosse Tragpuppen und Marionetten, Masken und mobile Dekorelemente. Inhaltlich biblische Stoffe wie "Die verlorenen Söhne", "Daniel" und "Der arme Mann und der reiche Lazarus" im Wechsel mit Märchen oder Abenteuergeschichten wie "Die wilden Schwäne", "Reise um die Welt" und "Odysseus". Parallel zu dieser Theaterarbeit mit Jugendlichen Aufbau eines Bühnenrepertoires unter Mitarbeit von →Jürg Hebeisen (1974–79) und Ursula Bleisch-Imhof (seit 1975). Pro Jahr entstehen ein bis zwei Produktionen, meist mit eigenen Texten; pro Saison werden mehr als hundert Vorstellungen gegeben. Für Kinder entstanden unter anderem "David und Goliath" (1976), "De chlii Muck" (1979), "De Esel Bim" (1981), "Das Zauberschloss" (1984), "Jorinde und Joringel" (1988), "Das Henggarter Weihnachtsspiel" (1989), "Brumm, der kleine Bär" (1990), "Circus Peperoni" (1994), "Mirko, das Borstenkind" (1997), "Cello und Stups" (1999) und "Subu und die Mondblume" (2001), für Jugendliche und Erwachsene beispielsweise "Bahnhof Requiem" (1977), Jura Soyfers "Astoria oder Wieviel Staat braucht der Mensch" (1979), "Galgeneier" (1983), "Jedermann" (1986) und "La Belle et la Bête" (1989). Als Bleisch & Co. hat das P. bisher sieben Inszenierungen erarbeitet, darunter "Prozess Ninive", "Der Rattenfänger", Carl Orffs "Der Mond" (1984) und "Die Kluge" (1991) sowie Mozarts Oper "Die Zauberflöte" (1995). Von Frühling bis Herbst 1992 war das P. mit dem Circus Monti unterwegs, für den es nicht nur manegewirksame Nummern kreierte, sondern das ganze Zirkusprogramm bildhaft-figürlich mitgestaltete. 1996 wurde in Schaffhausen "Vom Fischer und syner Frau" als Gesamtkunstwerk für Figurenführer, Schauspieler, Sänger, Chor und Orchester in einer Industriehalle gezeigt. 2001 kam im Münster Schaffhausen die Musiktheaterproduktion "Himmel, Erd und Höll. Dr. Johann Faust. Eine tragische Historie" als weitere Grossproduktion zur Aufführung. Prägend für die beiden Puppenspieler waren die freie Theaterszene der Schweiz und des Auslands, insbesondere das Figurentheater der osteuropäischen Staaten. Das P. hatte und hat einen grossen Einfluss auf die Schweizer Figurentheaterszene und fördert diese durch Lehrerfortbildungskurse, Ausstellungen und Publikationen.Verbandsmitglied: →UNIMA Suisse, →KTV.

Auszeichnungen

  • Anerkennungspreis der Jubiläumsstiftung der Schweizerischen Bankgesellschaft.

Literatur

  • Bleisch, Hanspeter/Hebeisen, Jürg: Theater mit Menschen und Figuren. In: Schultheater 1/1976.
  • Bleisch, Hanspeter/Bleisch-Imhof, Ursula: Puppentheater – Theaterpuppen, 1991.
  • Bleisch-Imhof, Ursula und Hanspeter: Wir spielen Theater mit Puppen, 1988.
  • Bleisch, Ursula und Hanspeter: Puppentheater seit 1970, 1996 [Broschüre].


Autorin: Jean Grädel



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Grädel, Jean: Puppentheater Bleisch, Henggart ZH, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1443–1444, mit Abbildung auf S. 1444.