Renward Cysat

Aus Theaterlexikon
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* 11.10.1545 Luzern, † 25.4.1614 Luzern.

Nach dem Besuch der Latein- und Klerikerschule in Luzern folgte eine Ausbildung zum Apotheker. Da C.s Verhältnisse den Besuch einer Hochschule nicht zuliessen, bildete er sich autodidaktisch fort und übernahm 1565 die Apotheke am Luzerner Weinmarkt. 1570 wurde C. Unterschreiber, 1573–75 war er Mitglied des Grossen Rats und 1575–1614 Stadtschreiber der Stadt Luzern. Mit Akribie ordnete er die Akten der verwahrlosten Kanzlei, kodifizierte Rechtsquellen, verfasste das Stadtrecht von 1588 und archivierte die Texte der Luzerner →Fastnachts- und →Osterspiele. Von C.s breit gefächerten Interessen zeugen ein von ihm verfasstes polyglottes Wörterbuch, zahlreiche Dokumente zur Pflanzen- und Heilkunde, Reisebeschreibungen, volkskundliche Notizen und Materialien zu einer Luzerner Chronik. Als dezidierter Verfechter der katholischen Glaubensreform bemühte er sich um die Verbesserung des Bildungswesens und war treibende Kraft bei der Berufung der Jesuiten nach Luzern (1574). In Anerkennung seiner Verdienste erhielt er vom Papst die Ehrentitel "Comes Palatinus" (1576) und "Eques Auratus" (1593) verliehen. Ganz im Zeichen seiner Bemühungen um sittliche und religiöse Erneuerung stand seine Theatertätigkeit in Luzern: 1571 war er am Osterspiel unter Hans Kraft beteiligt und spielte Maria mater Christi; die Spiele von 1583 und 1597 bearbeitete und inszenierte er selbst und bereitete kurz vor seinem Tod noch jenes von 1616 (ursprünglich geplant für 1614) vor. 1575 verfasste er das "Spil von heiliger Kreutzes-Erfindung", eine Fortsetzung des Passionsgeschehens (eine Aufführung wurde 1575 wegen der Pest abgesagt und lässt sich auch zu einem späteren Zeitpunkt nicht nachweisen; als Fragment überliefert), sowie das auf der französischen Vorlage "La condamnation de bancquet et correction de souper" von Nicolas de la Chesnaye beruhende Spiel "Convivii Process" (aufgeführt 1593), eine "comedia … wider das laster dess frasses und wollust in essen, trinken und weltlich kurtzwyl". Als Universalgelehrter, Staatsmann und Förderer des katholischen Theaters wirkte C., der mit führenden Persönlichkeiten seiner Zeit korrespondierte, weit über die Grenzen seiner Vaterstadt hinaus.

Literatur

  • Hidber, Basilius: R. C., der Stadtschreiber zu Luzern. In: Archiv für Schweizerische Geschichte, Bd. 13 und 20, 1862 und 1875.
  • C., R.: Collectanea chronica und denkwürdige Sachen pro chronica Lucernensi et Helvetiae, bearbeitet von Josef Schmid, Bd. 1, 1. Teil, 1969.
  • Frei, Walter: Der Luzerner Stadtschreiber R. C., 1963.
  • Greco-Kaufmann, Heidy: Spiegel dess vberflusses vnd missbruchs: R. C.s "Convivii Process", 2001.

Nachlass

  • Staatsarchiv Luzern, Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern.


Autorin: Heidy Greco-Kaufmann



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Greco-Kaufmann, Heidy: Renward Cysat, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 425.

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