Riccardo Duse

Aus Theaterlexikon
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* 1.8.1937 Rom (I), eigentlich Riccardo Dousse. ∞ →Reka Tobias, Tänzerin.

Ausbildung bei seiner Mutter Mara Dousse, bei →Boris Kniaseff und Nicolas Zvereff. Tänzer 1955–58 am Teatro alla Scala Milano, erster Solotänzer 1958/59 in der Compagnia di Balletto Italiano, 1960/61 bei Het Nederlands Ballet, 1961–66 am Opernhaus in Köln, im New York City Ballet und 1967–72 in Frankfurt am Main. Ballettmeister und Choreograf: 1972–79 am →Stadttheater Luzern, 1976–83 an den Städtischen Bühnen in Freiburg im Breisgau, 1979–88 am →Stadttheater Bern, Bern BE, 1983–85 am Stadttheater Kassel, 1985–88 wieder am Stadttheater Luzern. Gleichzeitig 1972–88 Ballettmeister der Bayreuther Festspiele. 1989–92 stellvertretender Direktor des Bayerischen Staatsballetts München, wo er zum Beispiel Prokofjews "Cinderella" choreografierte. Schon in seiner ersten Ära in Luzern gelang es ihm in kurzer Zeit, das Niveau der Truppe entscheidend zu heben und die Zahl der Ballettproduktionen auf bis zu drei pro Spielzeit zu erhöhen. Er holte Gastchoreografen wie →Nicholas Beriozoff und →Heinz Spoerli nach Luzern und gab jungen Kollegen wie →Fred Howald und Irène Schneider eine Chance. Besonderen Erfolg hatte "Der wunderbare Mandarin" (Musik: Bartók) mit →Terrance Ho Sin Hang in der Titelrolle, "Coppélia" (Musik: Léo Delibes) mit Reka Tobias, Johann Strauß’ "Der Kadettenball", ein Ravel-Abend sowie Strawinskys "Der Feuervogel" und "Petruschka". Auch in Bern leistete er Erstaunliches und zeigte so unterschiedliche Stücke wie 1983 "Anne Frank" (Musik: Luciano Chailly), "Pelléas et Mélisande" (Musik: Fauré), "Liebesliederwalzer" (Musik: Brahms) und 1981 die unterhaltenden "Entrechats suisses" zu Schweizer Volksmusik. 1984 wurde "La Vie funambulesque" zu einer Auftragskomposition von →Jost Meier am →Festival de Lausanne uraufgeführt. Als D. zwischen 1985 und 1988 gleichzeitig das Ballett des Stadttheaters Bern und des Stadttheaters Luzern leitete, legte er die beiden kleinen Truppen für Gemeinschaftsproduktionen zusammen und konnte so an beiden Theatern "Giselle" (Musik: Adolphe Adam), "Der Nussknacker" (Musik: Tschaikowsky) und "Don Quixote" (Musik: Ludwig Minkus) aufführen. "La Fille mal gardée" (Musik: Peter Ludwig Hertel) dagegen adaptierte er für ein kleines Ensemble und studierte es in Bern und Luzern ein. Zudem schuf D. moderne Werke wie "D-SCH" nach dem Streichquartett Nr. 8 von Dimitrij Schostakowitsch, "Bilder eines fast vergessenen Leides" zu Gustav Mahlers Kindertotenliedern, "Die Toteninsel" (der Tristan-Stoff zu Musik von Sergej Rachmaninow) und "Cambalache" (Musik: Astor Piazzolla) und lud seit 1985 Tanzschaffende der freien Szene auf die Bühne des Stadttheaters ein. Für das Fernsehen gestaltete er Glucks "Don Juan", Milhauds "Saudades do Brasil" und "Le Livre de Fauvel". Direktor der Ecole de danse Duse-Tobias in Luzern bis zu ihrer Auflösung 2002. Ab November 2002 bis 2004 interimistischer Leiter des Departements Tanz der →Hochschule Musik und Theater in Zürich (→SBBS).



Autorin: Ursula Pellaton



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Pellaton, Ursula: Riccardo Duse, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 504–505.

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