Richard Neumann

Aus Theaterlexikon
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* 2.7.1891 Zala-Egerszeg (H), † 21.8.1979 Luzern. Sohn des Kunstmalers und Cafétiers Theodor N.

1903 Übersiedlung der Familie N. nach St. Gallen, wo der Vater ein Wiener Café eröffnete. Nach der Matura 1910–15 Studium an der Musikakademie in Wien bei Hugo Reinhold (Klavier), Richard Heuberger (Harmonielehre, Kontrapunkt), Franz Schreker (Komposition) und Franz Schalk (Dirigieren). Nach dem Kriegsdienst, den er im Rang eines Leutnants beendete, erste praktische Erfahrungen als Korrepetitor an der Wiener Volksoper. 1919 Korrepetitor und Kapellmeister an der Staatsoper Budapest. Seit 1920 am →Stadttheater St. Gallen: zuerst als Leiter der Schauspielmusik und Korrepetitor, 1923–56 als erster Kapellmeister und musikalischer Oberleiter, danach bis 1961 als Gastdirigent. In seiner mehr als vier Jahrzehnte dauernden Laufbahn dirigierte er hier rund sechzig Opern und 130 Operetten. Zu seinen bevorzugten Komponisten zählten Mozart, Puccini, Johann Strauß und Lehár. Besondere Dirigierereignisse in N.s Repertoire waren die Uraufführungen der Opern "Überlistet" von Gustav Baldamus (1933, Regie: →Theo Modes), "Telemacco ossia l’isola di Circe" von Gluck in der Neufassung von Ewald Lengstorf (1946, Regie: →Karl Gotthilf Kachler), "Notturno" von Max Haefelin (1949, Regie: →Karl Ferber), der Operetten "Entweder-Oder!"von →Paul Burkhard und Adolf Hörler (1937, Regie: Guido Wieland), "Der vergessene Kuss" von Harald Barth (1939, Regie: →Curt Busch), "Barbara fällt vom Himmel" von Wilhelm Stärk (1951, Regie: →Walter Kochner), der Ballette in der Choreografie von →Mara Jovanovits "Der wachsame Soldat" (1942, Musik: Rimski-Korsakow), "Nordische Sage" (1948, Musik: Grieg), "Nal und Damajanti" (1945, Musik: N.) sowie die Raritäten "Das Wandbild" (1931/32 und 1939/40) und "Erwin und Elmire" (1946) von →Othmar Schoeck, "Der Dreispitz" von de Falla (1935/36, Choreografie: →Heinz Rosen), "Der betrogene Kadi" von Gluck (1939), "Zazà"von →Ruggero Leoncavallo (1948), "Djamileh" von Bizet (1948), "Les Deux journées" von Cherubini (1955 zum 150-jährigen Jubiläum des Stadttheaters St. Gallen) und Cimarosas "Il matrimonio segreto" (1958). Zu seinem vierzigjährigen Bühnenjubiläum leitete N. im Herbst 1958 die Vorstellungen von Puccinis "Madama Butterfly". Am →Kurtheater Baden, wo N. während 36 Sommerspielzeiten mit dem St. Galler Ensemble gewirkt hatte, dirigierte er zu seinem 70. Geburtstag Lehárs Operette "Der Graf von Luxemburg". N. war auch als Komponist tätig: Kammermusik, Lieder, Ballett- und Schauspielmusik, zum Beispiel für Grillparzers "Der Traum ein Leben" (1925), Klabunds "Der Kreidekreis" (1928), Shakespeares "Was ihr wollt" (1958, alle am Stadttheater St. Gallen). Organist und Chorleiter an der Synagoge St. Gallen. Bis ins hohe Alter Tätigkeit als Musikpädagoge.



Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Richard Neumann, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1320–1321.

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