Richard Révy

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* 13.9.1885 Föherczeglack (Knezevo, heute: HR), † 22.12.1965 Los Angeles (USA). ∞ I. 1911 Lovis (Luise) Kronecker, Schauspielerin und Kostümbildnerin, ∞ II. 1934 Alma (Jo) Staub-Terlinden, Tänzerin.

Studium der Germanistik und Philosophie in Wien und München. 1904–06 Schauspielausbildung an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien. Debüt 1906 an den Vereinigten Theatern München, 1907/08 Engagement am Raimundtheater Wien, dann in Karlsbad und Teplitz. 1911 wurde R. von →Alfred Reucker als Chargenspieler und Regisseur ans →Stadt- und →Pfauentheater Zürich engagiert, dort war er 1919–21 Oberspielleiter des Schauspiels. R. spielte unter anderem Claudius in Shakespeares "Hamlet", Herzog Friedrich in Shakespeares "Wie es euch gefällt", Hannes Grutz in Karl Schönherrs "Erde" und Dr. Goll in →Frank Wedekinds "Erdgeist" (mit →Elisabeth Bergner als Lulu, Regie: Wedekind), er inszenierte neben zahlreichen Werken von Molière unter anderem 1916 Max Halbes "Jugend" (mit Bergner als Annchen), Hofmannsthals "Jedermann" (mit →Alexander Moissi und Bergner), Shakespeares "Troilus und Cressida" und Gorkis "Nachtasyl", 1917 Strindbergs "Kameraden" und Ernst Zahns "Johannes A Pro" (mit Conchita Clarens und Luis Rainer), 1918 Lessings "Minna von Barnhelm" (mit Else Heims und Wilhelm Dieterle) und Bahrs "Das Konzert", 1919 Shakespeares "Mass für Mass", Kleists "Amphitryon", →Georg Kaisers "Von morgens bis mitternachts", Hauptmanns "Der Biberpelz", Shaws "Helden" und "Cäsar und Cleopatra" und Euripides’ "Medea", 1920 Schillers "Die Räuber" und "Maria Stuart" (mit Else Heims in der Titelrolle), 1921 eine eigene, siebenaktige Fassung von Wedekinds "Erdgeist" und "Die Büchse der Pandora" sowie Shakespeares "Heinrich IV."und "Heinrich V.". Daneben gab R. Schauspielunterricht; zu seinen Schülerinnen und Schülern in Zürich zählten Lotte Lenja (später: Lenya), →Hans Bänninger, →Max Werner Lenz und →Trudi Schoop. 1921–24 Inszenierungen an verschiedenen Berliner Bühnen sowie in Frankfurt am Main, Dresden und Breslau. Daneben zusammen mit Georg Kaiser Mitbesitzer eines Theaterverlags. 1925/26 stellvertretender Direktor und Oberspielleiter der Vereinigten Münchner Bühnen, ab 1926 Regisseur und Schauspieler, 1929–35 auch Oberspielleiter an den (Münchener) Kammerspielen im Schauspielhaus. Unter anderem spielte er 1928 Dr. Goll in Wedekinds "Lulu", 1931 Torwald in Ibsens "Nora" und inszenierte 1927 Shaws "Der Arzt am Scheideweg" (mit Moissi und →Therese Giehse) und Hopwoods "Der Mustergatte" (mit Heinz Rühmann), 1928 Ibsens "Peer Gynt" und Hauptmanns "Der Biberpelz", 1929 Bruckners "Die Verbrecher", 1930 die Uraufführung von Klaus Manns "Geschwister" (mit der Schwester des Autors, →Erika Mann), 1933 Gogols "Der Revisor", 1934 Bahrs "Das Konzert" (mit Gustaf Gründgens), daneben übernahm R. diverse Filmrollen. 1935 war R. Gastregisseur an den Württembergischen Staatstheatern Stuttgart, 1936 übersiedelte er aus politischen Gründen in das zürcherische Männedorf (den Heimatort von R.s zweiter Frau Jo), blieb offiziell aber in Deutschland gemeldet, damit sein Stück "Kitty" am 7.5.1937 in Dresden uraufgeführt werden konnte. Da R. in der Schweiz keine Arbeitserlaubnis erhielt, emigrierte er 1938 in die USA, wo er als Schriftsteller und unter dem Namen Richard Ryen als Filmschauspieler arbeitete (unter anderem 1942 SS-Offizier Heinze in "Casablanca"). 1946 arbeitete er erneut in der Schweiz und inszenierte am →Stadttheater Basel gastweise Rostands "Cyrano de Bergerac" (mit →Ernst Ginsberg in der Titelrolle und →Margarete Fries als Roxane).

Literatur

  • R., R.: Ich lebe in apokalyptischer Zeit, herausgegeben von Dagmar Saval und Jürgen Rennert, 1996.


Autor: Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Richard Révy, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1485–1486.

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