Rolf Langnese

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* 27.6.1904 Schwerin (D), † 19.8.1968 Zürich. Schwager des Drehbuchautors und Regisseurs →Richard Schweizer.

In Zürich aufgewachsen, studierte L. nach der Matura am dortigen Konservatorium Klavier (bei Emil Frey) sowie Komposition und Dirigieren (bei →Volkmar Andreae) und schloss 1926 seine Ausbildung mit dem Konzertdiplom in Klavier ab. Später folgten weitere pianistische Studien bei Robert Casadesus in Paris, Arthur Schnabel in Berlin sowie Anna Hirzel-Langenhan in Lugano und auf Schloss Berg im Kanton Thurgau. Nach seiner Ausbildung wirkte L. als Konzertpianist: Er gab Soloabende (beispielsweise in Zürich, Braunschweig, Berlin, Wien und Budapest), war Klavierbegleiter von Sängerinnen und Sängern (zum Beispiel 1928/29 von →Salvatore Salvati auf dessen Tournee) und trat als Solist zusammen mit verschiedenen Orchestern auf (etwa dem Leipziger und Berliner Philharmonischen Orchester sowie →Hermann Scherchens Musica Viva Orchester). 1938 war L. – zusammen mit seiner Schwester Ruth Schweizer-L. – einer der Gründer der "Neuen Schauspiel AG", der neuen Trägerschaft des →Schauspielhauses Zürich, deren Verwaltungsrat er bis zu seinem Tod angehörte. Ab Mitte der vierziger Jahre wirkte L. vornehmlich fürs Theater. 1944–46 war er als musikalischer Leiter am Zürcher Schauspielhaus engagiert, wo er bereits zuvor gemeinsam mit →Paul Burkhard Klavierbegleiter einzelner Inszenierungen gewesen war. Auch nach 1946 blieb L. der Zürcher Bühne als Gast verbunden. Daneben verfolgte er 1947–54 verschiedene Tätigkeiten: Er trat unter anderem erneut als Konzertpianist auf und war 1948–50 zusammen mit →Werner Kruse Klavierbegleiter und musikalischer Betreuer des →Cabarets Cornichon, für das er auch die Musik zu einzelnen Nummern schrieb. Nach einem einjährigen Aufenthalt in New York kehrte L. 1955 als musikalischer Leiter ans Zürcher Schauspielhaus zurück, an dem er bis zu seinem Tod tätig war. Für dieses Haus schuf er die Bühnenmusik zu über sechzig Inszenierungen (häufig von →Leonard Steckel, →Oskar Wälterlin und →Leopold Lindtberg), so beispielsweise zu einigen Uraufführungen, etwa von Max Brods Kafka-Dramatisierung "Amerika" (1957), zu vielen Shakespeare-Stücken sowie zu →Max Frischs "Die chinesische Mauer" (1955), Otto Zoffs "König Hirsch" nach Gozzi (1956), Goethes "Faust I" (1957) und "Faust II" (1958), Hauptmanns "Und Pippa tanzt" (1957) und →Frank Wedekinds "Lulu" (1962). L. wirkte zudem als Klavierbegleiter und übernahm die musikalische Leitung diverser Aufführungen, zum Beispiel der Uraufführungen von →Friedrich Dürrenmatts "Frank der Fünfte" mit der Musik von Burkhard (1959) und von Burkhards Operette "Die Dame mit der Brille" (1962), von mehreren Nestroy- und Brecht-Inszenierungen sowie von Offenbachs Operette "Périchole" (1956) und →Werner Wollenberger/→Max Rüegers Neufassung von Burkhard/→Walter Leschs "Die kleine Niederdorf-Oper" (1959), deren Uraufführung L. 1951 mit Burkhard am Flügel begleitet hatte. 1961 beziehungsweise 1963 leitete L. an den Salzburger Festspielen seine Bühnenmusik zu Lindtbergs Inszenierungen von Goethes "Faust I" und "Faust II". L. schuf ausserdem die Musik zu einzelnen Filmen der Zürcher Condor Film AG, diverse Liedvertonungen sowie Klavier- und Kammermusik.

Nachlass

  • Stadtarchiv Zürich.


Autorin: Tanja Stenzl



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Stenzl, Tanja: Rolf Langnese, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1075–1076.

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