Rosmarie Metzenthin

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* 8.7.1927 Lindau (D). ∞ 1952 Hans Andreae, Pianist (Sohn des Dirigenten →Volkmar Andreae und Vater des Dirigenten →Marc Andreae).

Als Jugendliche leitete M. in Lindau eine dem Bund Deutscher Mädel angeschlossene Spielschar, mit der sie unter anderem Märchenspiele aufführte. 1946–49 Rhythmikstudium am Konservatorium Zürich, 1949–50 Regieassistentin an den Münchner Kammerspielen, als Gaststudentin an der Otto-Falckenberg-Schule in München sowie am Mozarteum in Salzburg. Anfang der fünfziger Jahre gründete M. an der Freiestrasse 58 in Zürich ein Kindertheater und eine Bewegungsschule, das heutige "Kinder- und Jugendtheater Metzenthin". Ziel der Schule ist es seither, qualitativ hoch stehenden Unterricht zu bieten, in dem sich die Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen durch die Verbindung von Theater, Spiel, Bewegung und Musik entfalten kann und die Fantasie und Kreativität der Schülerinnen und Schüler angeregt wird. Ein ideales Übungsfeld neben den verschiedenen Kursangeboten sind die zahlreichen Auftrittsmöglichkeiten. Zu M.s Schülerinnen und Schülern gehörten unter anderem →Peter Bollag, →Andres Bossard, Mona Fueter, →Charles Lewinsky, →Sue Mathys und Isabella Schmid. Zu Beginn unterrichtete M. Rhythmik und Märchenspiel, 1960 ergänzten die Tanzpädagoginnen Julia Geönczy und Judith Beke das Angebot um die Fächer Ballett, Nationaltanz und Akrobatik, heute stehen Kindern und Jugendlichen zwischen drei und zwanzig Jahren je nach Alter Grundlagenunterricht in Rhythmik und darstellendem Spiel sowie die Abteilungen Theaterspiel, Jugendtheater, Tanz, Akrobatik und Artistik offen. 1999 übergab M. die Leitung des Kinder- und Jugendtheaters ihren Nichten Sibyll M. und Corinne Roos. 1951 trat das Kindertheater Metzenthin mit dem nach einer Idee von M. erarbeiteten Märchenspiel "Der Musikant und die Prinzessin" im Kirchgemeindehaus Hirschengraben in Zürich und im Hotel "Linde" in Baden erstmals an die Öffentlichkeit und zeigt seither in der Regel jährlich in den Wintermonaten eine Märchenaufführung, bei der jeweils zwei sich abwechselnde Spielgruppen von achtzig bis hundert Kindern auftreten. Bis Ende der neunziger Jahre wurde nach einer Dialektfassung und unter der Regie von M. gespielt, die Rollen konzipierte M. den Fähigkeiten der jeweiligen Kinder entsprechend. Zahlreiche Märchen der Brüder Grimm, beispielsweise "Die zertanzten Schuhe", "Dornröschen" oder "Schneewittchen", aber auch Stoffe anderer Autoren, etwa Andersens "Die Schneekönigin", Buschs "Max und Moritz" und →Gian Bundis "Tredeschin", standen immer wieder, meist im Abstand von acht bis zehn Jahren, auf dem Spielplan. Die Stücke wurden in Zürich gezeigt: bis 1965 im →Theater am Neumarkt, danach im Hotel "Dolder Waldhaus", ab 1972 in der Aula der Kantonsschule Rämibühl. 1953 gründete M. anlässlich des damaligen "Züri-Festes" den Kinderzirkus "Ullalla-Bassissi". 1956–86 wurden fast alljährlich Zirkusvorstellungen im Musikpavillon auf dem Bürkliplatz gezeigt. Seither tritt der Zirkus (ab 1999 unter dem Namen Kinderzirkus Metzenthin) nur noch zu besonderen Anlässen auf. 1954–74 inszenierte M. zur Weihnachtszeit Krippenspiele (Text und Regie jeweils: M., musikalische Einrichtung und Musik jeweils: Hans Andreae), die im Zürcher Grossmünster aufgeführt wurden. 1957 fanden die ersten Aufführungen von Jugendlichen statt. Seither wurden in unregelmässigen Abständen über dreissig Jugendtheaterinszenierungen realisiert. Gespielt wurden selbst entwickelte wie auch bestehende Stücke (beispielsweise Kästners "Emil und die Detektive", García Lorcas "Bluthochzeit" und Astrid Nordgrens "Werden die Märchen abgeschafft?"). Zudem wurden Tanzspiele, Musicals (beispielsweise nach Heinrich Hoffmanns "Struwwelpeter"), Kinder- und Familienkonzerte mit szenischen Gestaltungen sowie kleinere, improvisierte Märchenspiele realisiert. Im Rahmen von Austauschprojekten mit russischen und amerikanischen Jugendtheatergruppen fanden mehrere Gastspiele im Ausland statt. 1978 gründete M. ein musisch-pädagogisches Seminar, an dem eine dreijährige Berufsausbildung mit Diplomabschluss absolviert werden konnte, 2001 wurden die letzten Absolventinnen und Absolventen diplomiert, seither besteht noch die 1992 neu konzipierte einjährige berufsbegleitende Weiterbildung für Pädagoginnen und Pädagogen. Das seit 1990 als Aktiengesellschaft organisierte Kinder- und Jugendtheater M., welches auch das Seminar umfasst, ging 2003 in den Besitz von Sibyll M. und Roos über und finanziert sich durch Schulgelder sowie Beiträge von Gönnern und Sponsoren. Einige Produktionen des Kinder- und Jugendtheaters M. wurden im Fernsehen ausgestrahlt. 1983 erschien M.s Publikation "Schöpferisch Spielen und Bewegen".

Auszeichnungen

  • 1976 Ehrengabe des Kantons Zürich,
  • 1997 Hans-Georg-Nägeli-Medaille der Stadt Zürich.

Literatur

  • Heimgartner, Susanna (Hg.): Spielzeit. R. M., Pionierin des Kinder- und Jugendtheaters, 2002.


Autorin: Sara Baumann



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Baumann, Sara: Rosmarie Metzenthin, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1237–1238.

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