Rudolf A. Hartmann

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* 19.1.1937 Bad Windsheim (D), eigentlich Rudolf Gniffke.

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften Gesangsausbildung in München an der Staatlichen Hochschule für Musik bei Franz Theo Reuter und später privat bei Karl Schmitt-Walter. H. begann seine Karriere 1963–65 als Bassist am Stadttheater Augsburg. Während seines nächsten Engagements, 1965–72 am Opernhaus Nürnberg, vollzog er den Wechsel ins Fach des lyrischen Baritons. 1972–2002 festes Engagement am →Opernhaus Zürich. Der vielseitige Ensemblesänger H. bewältigte mit seiner in allen Lagen warm klingenden, technisch hervorragend ausgebildeten Stimme in Zürich zahlreiche Partien, unter anderem Principe di Bouillon in Cilèas "Adriana Lecouvreur", Belcore in Donizettis "L’elisir d’amore", Peter in Humperdincks "Hänsel und Gretel", Baron Mirko Zeta in Lehárs "Die lustige Witwe", Silvio in →Ruggero Leoncavallos "I pagliacci", Vitellius in Massenets "Hérodiade", Guglielmo und Don Alfonso in Mozarts "Così fan tutte" sowie Papageno und Sprecher in dessen "Zauberflöte", Herr Fluth in Nicolais "Die lustigen Weiber von Windsor", Mann mit dem Maulesel in Orffs "Die Kluge", die Puccini-Partien Schaunard in "La Bohème", Sharpless in "Madama Butterfly" und Ping in "Turandot", Dr. Falke und Direktor Frank in Johann Strauß’ "Die Fledermaus", Harlekin in Richard Strauss’ "Ariadne auf Naxos" und Herr von Faninal in dessen "Rosenkavalier", Giorgio Germont in Verdis "La Traviata", Heerrufer in →Richard Wagners "Lohengrin", Ottokar in Webers "Der Freischütz" und Sparbüchsenbill in →Bertolt Brecht/Weills "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny". Einen besonderen Erfolg errang H., der mit den Jahren vermehrt auch Partien für Charakterbariton in sein Repertoire aufnahm, als Sixtus Beckmesser in Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg" sowie in der Titelrolle von Wolfgang Rihms "Jakob Lenz" (1982 Schweizer Erstaufführung im →Stadthof 11, Regie: Heinz Lukas-Kindermann, musikalische Leitung: →Marie-Jeanne Dufour). Ausserdem Mitwirkung in den Uraufführungen von Giselher Klebes "Ein wahrer Held" (1975 als Philly Cullen, Regie: Imo Moszkowicz, musikalische Leitung: →Ferdinand Leitner), →Rudolf Kelterborns "Ein Engel kommt nach Babylon" (1977 als Erzminister, Regie: Götz Friedrich, musikalische Leitung: Leitner), →Armin Schiblers "Antoine und die Trompete" (1983 als Antiquar und Mr. Ward in der Aula Rämibühl, Zürich, Regie: →Ulrich Peter, musikalische Leitung: Jacques Lasserre) und Ofer Ben-Amots Kinderoper "Ein Narrenparadies" (1994 als Kadish, im Rahmen des Festivals "Wien modern" im Odeon Wien, Regie: Michael Sturminger, musikalische Leitung: Lodovico Zocche). H. gastierte unter anderem an den →Basler Theatern (1980/81 Schaunard), am →Stadttheater Bern (1980 Harlekin), am →Grand Théâtre in Genf (1991 Ned Keene in Brittens "Peter Grimes") sowie bei den Bayreuther Festspielen (1971–73), als Sixtus Beckmesser in Graz (1976) und an den Staatsopern von Dresden (1993–94), Hamburg (1988) und Wien (1990), in Las Palmas (1986 Giorgio Germont), an der Opéra von Monte Carlo (1990 Ottokar) und an den Württembergischen Staatstheatern Stuttgart (1979 Papageno). Wurde auch als Konzertsänger bekannt. Leitete seit 1978 eine Gesangsklasse am Konservatorium Zürich/an der Musikhochschule Winterthur Zürich.



Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Rudolf A. Hartmann, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 800.

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