Rudolf Frank

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* 16.9.1886 Mainz (D), † 25.10.1979 Basel. Nachfahre von Jacques Offenbach und Heinrich Heine. ∞ I. 1918 Ottilie Mittendorf, ∞ II. 1929 Anna Amalie Klein-Dahlheim, Zeichnerin und Malerin.

Studium der Nationalökonomie in München, dann Jura-Studium in Zürich, Heidelberg, Berlin, 1908 Promotion in Giessen. Volontariat am Deutschen Theater Berlin, Schauspielausbildung, diverse kleine Rollen in Berlin. Ab 1909 zunächst Schauspieler, später auch Regisseur und 1912 Oberspielleiter am Hoftheater Meiningen. Ab 1911 auch Theaterkritiker in Berlin. 1914 Kriegsfreiwilliger. 1916–17 im Auftrag der Militärverwaltung Spielplangestalter und Regisseur am Teatrul National im besetzten Bukarest, 1917/18 Leiter eines Amateur-Militärtheaters in Rumänien. 1918/19 Dramaturg und Regisseur in Darmstadt, 1919–21 am Neuen Theater und den Kammerspielen in Frankfurt am Main (Inszenierungen unter anderem von Wildes "Ein idealer Gatte" mit Leontine Sagan und von Ibsens "Die Wildente" mit →Albert Bassermann), daneben weiterhin als Feuilletonredakteur tätig. 1921–24 Oberspielleiter und Dramaturg, 1923 bis Ende 1924 stellvertretender Direktor, danach bis 1925/26 weiterhin Regisseur bei Otto Falckenberg an den Münchener Kammerspielen, wo 1922 mit "Trommeln in der Nacht" durch F.s Initiative das erste Stück →Bertolt Brechts uraufgeführt wurde; zudem förderte F. massgeblich den Komiker Karl Valentin. Diverse Gastregien, unter anderem in Mailand, Florenz, Rom, Düsseldorf (dort 1928/29 auch Dramaturg an den Vereinigten Städtischen Theatern) und Berlin sowie für Tourneen mit →Elisabeth Bergner: Giraudoux’ "Amphitryon 38" und Shaws "Die heilige Johanna" (beide Produktionen gastierten auch in der Schweiz). Tätigkeit als Drehbuchautor und Filmübersetzer, Synchronregisseur, Hörspielautor. Ab 1933 ohne legale Arbeitsmöglichkeit, kurzzeitig in "Schutzhaft". 1936 Emigration nach Wien (Inszenierungen in mehreren Kellertheatern), 1938 über Meran in die Schweiz, dort arbeitete F. zunächst beim Neuen Bühnenverlag. Arbeitsverbot und zeitweilige Internierung, anonyme Tätigkeit für Thomas Sesslers Leuen-Verlag. Übersetzungen unter anderem von Thomas Wolfe, Emlyn Williams und Robert Ar­drey ("Leuchtfeuer", unter dem Pseudonym Frank Ruddy übersetzt, erstaufgeführt 1941 am →Schauspielhaus Zürich, Zürich ZH, Regie: →Leonard Steckel). 1942 Leiter von Veranstaltungen der Kulturgemeinschaft der Emigranten. 1942 wurde F. wegen Verstosses gegen das Arbeitsverbot verhaftet, einer Ausweisung entging er nur durch den Umzug nach Binningen bei Basel. Nach dem Kriegsende Regisseur der Jugendbühne Basel (später unter dem Namen "Junge Bühnengruppe"), unter anderem Schweizer Erstaufführung von Borcherts "Draussen vor der Tür", Casino am Tellplatz, 17.11.1948. Mitwirkung in Hörspielen des Radio Studios Basel, diverse Hörspielbearbeitungen. Theaterkritiken für verschiedene Zeitungen, unter anderem für die Basler "National-Zeitung" und die sozialdemokratische "Arbeiter-Zeitung". Unter dem Pseudonym Albert Rudolph verfasste er 1938 das (offenbar unaufgeführte) Drama "Kraft durch Feuer". Zahlreiche weitere Werke, darunter: "Das expressionstische Drama", 1921; "Das moderne Theater", 1927; "Fair play oder Es kommt nicht zum Krieg. Roman einer Emigration in Wien", 1938 [Neuausgabe 1998]; "Spielzeit meines Lebens"[Autobiografie], 1960; "Das Doktorshaus in der Judengasse", 1961. 1945 Vorstandsmitglied des Schutzverbands deutscher Schriftsteller, ab 1947 Mitglied des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland (London, später Basel).

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1960 Ehrengabe des Staatlichen Literaturkredits Basel,
  • 1966 Grosses Bundesverdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland,
  • 1971 Gutenberg-Plakette der Stadt Mainz,
  • Ehrenmedaille des PEN.

Literatur

  • Heist, Walter (Red.): R. F. Theatermann und vieles mehr, 1980.
  • Busch, Arnold: R. F. in den Jahren 1933 bis 1945. In: Keim, Anton Maria: Exil und Rückkehr, 1986.

Nachlass

  • Teilnachlass in der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main (Nachlass von Anna Frank-Klein;
  • Akten der American Guild for German Cultural Freedom;
  • Korrespondenz mit Hans Rothe).


Autor: Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Rudolf Frank, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 623.

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